Xanthinoxidasehemmung: Wirkung & Anwendung
Die Xanthinoxidasehemmung ist ein pharmakologisches Wirkprinzip, das die Harnsaureproduktion im Korper reduziert und vor allem bei der Behandlung von Gicht eingesetzt wird.
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Die Xanthinoxidasehemmung ist ein pharmakologisches Wirkprinzip, das die Harnsaureproduktion im Korper reduziert und vor allem bei der Behandlung von Gicht eingesetzt wird.
Was ist Xanthinoxidasehemmung?
Die Xanthinoxidasehemmung bezeichnet die gezielte Blockade des Enzyms Xanthinoxidase, das im menschlichen Stoffwechsel eine zentrale Rolle beim Abbau von Purinen spielt. Purine sind Bestandteile der DNA und entstehen sowohl beim normalen Zellabbau als auch durch die Nahrungsaufnahme. Das Enzym Xanthinoxidase wandelt die Zwischenprodukte Hypoxanthin und Xanthin in Harnsaure (Urat) um. Wird dieses Enzym gehemmt, sinkt die Harnsaureproduktion im Korper deutlich.
Wirkmechanismus
Xanthinoxidasehemmer binden an das aktive Zentrum des Enzyms Xanthinoxidase und verhindern so die Oxidation von Hypoxanthin zu Xanthin und von Xanthin zu Harnsaure. Dadurch reichern sich stattdessen die besser wasserloslichen Vorstufen Hypoxanthin und Xanthin an, die leichter uber die Nieren ausgeschieden werden konnen. Die Folge ist ein signifikanter Abfall des Harnsaurespiegels im Blut (Serum-Urat).
Man unterscheidet zwei Arten von Xanthinoxidasehemmern:
- Kompetitive Hemmer: Sie konkurrieren mit dem naturlichen Substrat um die Bindungsstelle des Enzyms.
- Nichtkompetitive (allosterische) Hemmer: Sie binden an eine andere Stelle des Enzyms und verandern dessen Struktur so, dass es inaktiv wird.
Medizinische Anwendungsgebiete
Gicht
Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der es durch erhohte Harnsaurespiegel im Blut (Hyperurikamie) zur Ablagerung von Harnsaurekristallen in Gelenken und Geweben kommt. Die daraus resultierenden schmerzhaften Gelenkentzundungen, vor allem am Grosszeh, werden als Gichtanfall bezeichnet. Xanthinoxidasehemmer sind die wichtigsten Medikamente zur Langzeitbehandlung und Vorbeugung weiterer Gichtanfalle.
Hyperurikamie
Auch ohne klinische Gichtsymptome kann ein dauerhaft erhohter Harnsaurespiegel zu Nierenschaden, Nierensteinen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen fuhren. In solchen Fallen kann eine Xanthinoxidasehemmung indiziert sein, um den Harnsaurespiegel dauerhaft zu senken.
Weitere Indikationen
In bestimmten Fallen, z. B. bei der Behandlung von Blutkrebs oder nach Chemotherapie, kann es zu einem raschen Zellzerfall und damit zu einer massiven Freisetzung von Purinen kommen (sogenanntes Tumorlyse-Syndrom). Auch hier werden Xanthinoxidasehemmer eingesetzt, um einer gefahrlichen Harnsaurekrise vorzubeugen.
Wichtige Wirkstoffe
Allopurinol
Allopurinol ist der am haufigsten eingesetzte Xanthinoxidasehemmer und gilt als Mittel der ersten Wahl. Es wird im Korper selbst zum aktiven Metaboliten Oxipurinol umgewandelt, der die Xanthinoxidase langfristig hemmt. Allopurinol wird oral eingenommen und in der Regel gut vertragen. Zu den moglichen Nebenwirkungen zahlen Hautausschlage, Magen-Darm-Beschwerden und in seltenen Fallen schwere Uberempfindlichkeitsreaktionen.
Febuxostat
Febuxostat ist ein neuerer, selektiver Xanthinoxidasehemmer, der vor allem bei Patienten eingesetzt wird, die Allopurinol nicht vertragen oder bei denen Allopurinol nicht ausreichend wirkt. Im Gegensatz zu Allopurinol ist Febuxostat kein Purinanalogon, was sein Wirkprofil und Sicherheitsprofil beeinflusst.
Dosierung und Behandlungshinweise
Die Dosierung von Xanthinoxidasehemmern richtet sich nach dem individuellen Harnsaurespiegel, der Nierenfunktion und dem klinischen Ansprechen. Zielwert der Therapie ist ein Serum-Urat-Spiegel unter 6 mg/dl (360 mmol/l), bei schwerer Gicht unter 5 mg/dl. Die Behandlung ist meist eine Langzeittherapie. Zu Beginn der Therapie kann es paradoxerweise zu einem Gichtanfall kommen, weshalb haufig begleitend Colchicin oder niedrig dosierte NSAR zur Anfallsprophylaxe verordnet werden.
Nebenwirkungen und Risiken
- Hautreaktionen (Exanthem, selten schwere Reaktionen wie Stevens-Johnson-Syndrom)
- Magen-Darm-Beschwerden (Ubelkeit, Durchfall)
- Erhohte Leberenzymwerte
- Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, z. B. Azathioprin (die Kombination mit Allopurinol kann zu einer lebensgefahrlichen Knochemarksuppression fuhren)
- Bei Febuxostat: mogliche kardiovaskulare Risiken (wird diskutiert)
Quellen
- Deutsche Gesellschaft fur Rheumatologie (DGRh): S2e-Leitlinie Gicht (2016, aktualisiert 2023). Verfugbar unter: www.dgrh.de
- Dalbeth N, Merriman TR, Stamp LK. Gout. The Lancet. 2016;388(10055):2039-2052.
- World Health Organization (WHO): Model Formulary - Antigout medicines. Geneva: WHO Press.
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