Jejunumtransplantation – Eingriff, Ablauf & Nachsorge
Die Jejunumtransplantation ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein Teil des Leerdarms (Jejunum) transplantiert wird, um schwere Darmerkrankungen zu behandeln.
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Die Jejunumtransplantation ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem ein Teil des Leerdarms (Jejunum) transplantiert wird, um schwere Darmerkrankungen zu behandeln.
Was ist eine Jejunumtransplantation?
Die Jejunumtransplantation bezeichnet die operative Verpflanzung des Jejunums – des mittleren Abschnitts des Dünndarms, auch Leerdarm genannt – von einem Spender auf einen Empfänger. Sie ist eine spezialisierte Form der Dünndarmtransplantation und kommt zum Einsatz, wenn der eigene Dünndarm so stark geschädigt ist, dass eine ausreichende Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich ist. Der Eingriff erfolgt meist im Rahmen einer umfassenderen intestinalen Transplantation, kann aber auch isoliert oder in Kombination mit anderen Organen durchgeführt werden.
Ursachen und Indikationen
Eine Jejunumtransplantation wird in der Regel dann in Betracht gezogen, wenn konservative und andere chirurgische Therapien ausgeschöpft sind. Typische Indikationen sind:
- Kurzdarmsyndrom: Verlust großer Teile des Dünndarms durch Operationen, Verletzungen oder Erkrankungen
- Chronische intestinale Pseudoobstruktion: Funktionsstörung des Darms ohne mechanisches Hindernis
- Morbus Crohn: Schwere entzündliche Darmerkrankung mit ausgedehntem Darmbefall
- Strahlenenteritis: Darmschäden nach Strahlentherapie
- Darmischämie: Durchblutungsstörungen im Darm mit irreversiblem Gewebeschaden
- Angeborene Fehlbildungen des Dünndarms (z. B. Gastroschisis, Volvulus)
Diagnose und Vorbereitung
Vor einer Jejunumtransplantation werden umfangreiche diagnostische Untersuchungen durchgeführt, um die Eignung des Patienten zu beurteilen:
- Bildgebende Verfahren (MRT, CT, Ultraschall) zur Beurteilung des verbliebenen Darms und der Blutgefaessversorgung
- Laboruntersuchungen (Nierenfunktion, Leberwerte, Blutbild)
- Nutritionsstatus-Bestimmung und Beurteilung der parenteralen Ernaehrungsabhaengigkeit
- Immunologische Typisierung (HLA-Matching) zur Auswahl eines geeigneten Spenders
- Psychosoziale Evaluation des Patienten
Durchführung des Eingriffs
Die Jejunumtransplantation ist ein komplexer mikrochirurgischer Eingriff, der in einem spezialisierten Transplantationszentrum durchgeführt wird. Dabei wird das Spenderorgan entnommen, unter Kälteschutz transportiert und beim Empfaenger eingesetzt. Die Blutgefaesse des Transplantats werden mit denen des Empfaengers verbunden (vaskulaere Anastomose), ebenso werden die Darmenden operativ zusammengefuehrt (intestinale Anastomose). Der Eingriff findet unter Vollnarkose statt und dauert mehrere Stunden.
Nachsorge und Behandlung
Nach der Transplantation ist eine engmaschige medizinische Nachsorge unerlässlich:
- Immunsuppression: Lebenslange Einnahme von Medikamenten zur Unterdrückung der Abstossungsreaktion (z. B. Tacrolimus, Mycophenolatmofetil, Kortikosteroide)
- Antibiotische und antivirale Prophylaxe: Schutz vor Infektionen im immungeschwächten Zustand
- Ernaehrungstherapie: Schrittweiser Aufbau der enteralen Ernaehrung, anfangs ergaenzt durch parenterale Zufuhr
- Endoskopische Kontrollen: Regelmäßige Spiegelungen zur Früherkennung von Abstossungsreaktionen oder Komplikationen
- Laborkontrollen: Regelmaeßige Blutuntersuchungen zur Überwachung der Organfunktion und der Medikamentenspiegel
Risiken und Komplikationen
Die Jejunumtransplantation birgt spezifische Risiken, die engmaschig überwacht werden muessen:
- Abstossungsreaktion: Akute oder chronische Abstossung des Transplantats durch das Immunsystem des Empfaengers
- Infektionen: Erhöhte Infektanfälligkeit durch Immunsuppression (bakteriell, viral, mykotisch)
- Graft-versus-Host-Reaktion: Angriff von Spenderzellen auf den Empfaengerorganismus
- Transplantatversagen: Verlust der Funktion des verpflanzten Darmabschnitts
- Anastomosenkomplikationen: Lecks oder Verengungen an den Verbindungsstellen
Prognose
Die Langzeitergebnisse der Jejunumtransplantation haben sich in den letzten Jahrzehnten durch verbesserte Immunsuppression und operative Techniken deutlich verbessert. Viele Patienten erreichen langfristig eine vollständige enterale Ernaehrungsautonomie, also die Fähigkeit, sich vollständig über den Magen-Darm-Trakt zu ernaehren. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt je nach Zentrum und Patientengruppe bei etwa 50–70 %.
Quellen
- Abu-Elmagd K. M. et al. - Five hundred intestinal and multivisceral transplantations at a single center. Annals of Surgery, 2009.
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) - Klassifikation und Transplantationsmedizin, 2022.
- WHO - Organ Transplantation: Global Observatory on Donation and Transplantation, World Health Organization, 2023.
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