Wachstumsfuge – Funktion, Verletzungen & Erkrankungen
Die Wachstumsfuge ist eine Knorpelzone im Knochen wachsender Kinder und Jugendlicher, die das Längenwachstum der Knochen steuert.
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Die Wachstumsfuge ist eine Knorpelzone im Knochen wachsender Kinder und Jugendlicher, die das Längenwachstum der Knochen steuert.
Was ist die Wachstumsfuge?
Die Wachstumsfuge, medizinisch auch als Epiphysenfuge oder Wachstumsplatte bezeichnet, ist eine spezialisierte Knorpelzone, die sich zwischen dem Schaft (Diaphyse) und den Enden (Epiphysen) der langen Röhrenknochen befindet. Sie ist ausschließlich bei Kindern und Jugendlichen vorhanden und stellt die zentrale Struktur des Längenwachstums des Skeletts dar. Sobald das Wachstum abgeschlossen ist, verknöchert die Wachstumsfuge vollständig – dieser Vorgang wird als Fugenschluss bezeichnet.
Aufbau und Lage
Wachstumsfugen befinden sich typischerweise in den langen Röhrenknochen, also zum Beispiel im Oberschenkelknochen (Femur), Schienbein (Tibia), Oberarmknochen (Humerus) sowie in den Knochen von Hand und Fuß. Anatomisch besteht die Wachstumsfuge aus mehreren Schichten spezialisierter Knorpelzellen (Chondrozyten), die sich in charakteristischen Zonen anordnen:
- Ruhezone: Enthält Stammzellen, die Vorläuferzellen für das Wachstum bereitstellen.
- Proliferationszone: Knorpelzellen teilen sich aktiv und ordnen sich in säulenförmigen Reihen an.
- Hypertrophiezone: Die Zellen vergrößern sich stark, bevor sie absterben.
- Verknöcherungszone: Neues Knochengewebe wird gebildet und ersetzt den Knorpel.
Funktion
Die Hauptfunktion der Wachstumsfuge ist die Steuerung des Längenwachstums der Knochen. Durch kontinuierliche Zellteilung und anschließende Verknöcherung wächst der Knochen von der Fuge aus in die Länge. Dieser Prozess wird durch verschiedene Hormone reguliert, darunter:
- Wachstumshormon (Somatotropin, STH): Stimuliert die Zellteilung in der Proliferationszone.
- Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1): Verstärkt die Wirkung des Wachstumshormons direkt in der Fuge.
- Schilddrüsenhormone: Unterstützen die ordnungsgemäße Entwicklung und Reifung der Knochen.
- Sexualhormone (Östrogen, Testosteron): Fördern zunächst das Wachstum und leiten schließlich den Fugenschluss ein.
Fugenschluss
Der Fugenschluss (Epiphysenschluss) bezeichnet den Prozess, bei dem die Wachstumsfuge am Ende der Pubertät vollständig durch Knochengewebe ersetzt wird. Nach dem Fugenschluss ist kein weiteres Längenwachstum mehr möglich. Der Zeitpunkt des Fugenschlusses variiert je nach Knochen und Geschlecht – bei Mädchen erfolgt er in der Regel zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr, bei Jungen zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr.
Klinische Bedeutung
Da die Wachstumsfuge aus weichem Knorpelgewebe besteht, ist sie mechanisch weniger belastbar als das umliegende Knochengewebe. Dies macht sie besonders anfällig für Verletzungen bei Kindern und Jugendlichen.
Epiphysenfugenverletzungen
Verletzungen der Wachstumsfuge, sogenannte Epiphysenfugenfrakturen, sind bei Kindern häufig und machen etwa 15–30 % aller Knochenbrüche im Kindesalter aus. Sie werden nach der international gebräuchlichen Salter-Harris-Klassifikation in fünf Typen eingeteilt, je nach Lage und Ausmaß der Verletzung. Eine frühzeitige und korrekte Behandlung ist essenziell, da Schäden an der Wachstumsfuge zu Wachstumsstörungen, Achsfehlstellungen oder einem vorzeitigen Fugenschluss führen können.
Erkrankungen der Wachstumsfuge
Neben Verletzungen können auch verschiedene Erkrankungen die Wachstumsfuge betreffen:
- Morbus Blount: Eine Wachstumsstörung der inneren Tibia-Epiphysenfuge, die zu einer O-Bein-Fehlstellung führt.
- Epiphyseolysis capitis femoris: Eine Verschiebung des Hüftkopfes gegenüber dem Schenkelhals, vor allem bei übergewichtigen Jugendlichen.
- Osteochondrose: Durchblutungsstörungen der Wachstumsfuge, die zu lokalem Knochentod führen können (z. B. Morbus Perthes).
- Rachitis: Durch Vitamin-D-Mangel verursachte Mineralisierungsstörung, die die Wachstumsfuge direkt beeinträchtigt.
Diagnose
Die Wachstumsfuge kann mit verschiedenen bildgebenden Verfahren beurteilt werden:
- Röntgen: Standardverfahren zur Beurteilung von Fugenverletzungen und zur Bestimmung des Knochenalters.
- MRT (Magnetresonanztomografie): Besonders geeignet zur Darstellung von Knorpelstrukturen und zur Erkennung früher Schädigungen.
- Ultraschall: Kann ergänzend eingesetzt werden, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern.
Behandlung und Prävention
Die Behandlung von Wachstumsfugenverletzungen richtet sich nach dem Typ und der Schwere der Verletzung. Leichtere Verletzungen (Salter-Harris Typ I und II) werden oft konservativ mit Ruhigstellung behandelt. Schwerere Verletzungen (Typ III–V) erfordern häufig eine operative Versorgung, um die exakte anatomische Stellung der Fuge wiederherzustellen und Wachstumsstörungen zu verhindern. Regelmäßige Nachkontrollen sind wichtig, um das weitere Knochenwachstum zu überwachen.
Quellen
- Salter RB, Harris WR. Injuries Involving the Epiphyseal Plate. Journal of Bone and Joint Surgery. 1963;45(3):587–622.
- Kronenberg HM. Developmental regulation of the growth plate. Nature. 2003;423(6937):332–336.
- Niethard FU, Pfeil J, Biberthaler P. Duale Reihe Orthopädie und Unfallchirurgie. 8. Auflage. Stuttgart: Thieme Verlag; 2017.
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