Quetiapin – Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Quetiapin ist ein atypisches Antipsychotikum, das bei Schizophrenie, bipolaren Störungen und Depressionen eingesetzt wird. Es wirkt auf verschiedene Botenstoffe im Gehirn.
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Quetiapin ist ein atypisches Antipsychotikum, das bei Schizophrenie, bipolaren Störungen und Depressionen eingesetzt wird. Es wirkt auf verschiedene Botenstoffe im Gehirn.
Was ist Quetiapin?
Quetiapin ist ein atypisches Antipsychotikum (auch: atypisches Neuroleptikum) aus der Gruppe der Dibenzothiazepine. Es wird zur Behandlung verschiedener psychischer Erkrankungen eingesetzt und ist in Deutschland unter dem Handelsnamen Seroquel sowie als Generikum erhältlich. Quetiapin wurde in den 1990er-Jahren entwickelt und ist heute eines der am häufigsten verordneten Antipsychotika weltweit.
Wirkmechanismus
Quetiapin entfaltet seine Wirkung durch den Angriff an mehreren Rezeptoren im zentralen Nervensystem (ZNS). Es wirkt als Antagonist (Hemmer) an verschiedenen Rezeptortypen:
- Dopamin-D2-Rezeptoren: Die Blockade dieser Rezeptoren reduziert überschießende Dopaminaktivität, die bei Schizophrenie und Manie eine wichtige Rolle spielt.
- Serotonin-5-HT2A-Rezeptoren: Die Hemmung dieser Rezeptoren trägt zur stimmungsaufhellenden und antidepressiven Wirkung bei und verringert das Risiko von Bewegungsstörungen.
- Histamin-H1-Rezeptoren: Die Blockade vermittelt die sedierende (beruhigende) und schlaffördernde Wirkung.
- Alpha-1-adrenerge Rezeptoren: Die Hemmung kann blutdrucksenkende Effekte verursachen.
Der aktive Metabolit Norquetiapin hemmt zusätzlich die Wiederaufnahme von Noradrenalin und trägt damit zur antidepressiven Wirksamkeit bei.
Anwendungsgebiete (Indikationen)
Quetiapin ist für folgende Erkrankungen zugelassen:
- Schizophrenie: Behandlung von Positiv- und Negativsymptomen (z. B. Wahnvorstellungen, Halluzinationen, sozialer Rückzug)
- Bipolare Störung: Behandlung manischer Episoden, depressiver Episoden im Rahmen der bipolaren Störung sowie zur Rückfallvorbeugung (Phasenprophylaxe)
- Schwere depressive Störung: Als Zusatztherapie (Augmentation) bei unzureichendem Ansprechen auf Antidepressiva (in retardierter Form)
Dosierung und Anwendung
Quetiapin ist als Sofortwirkstoff-Tablette (Quetiapin IR) sowie als Retardtablette (Quetiapin XR, einmal täglich) erhältlich. Die Dosierung richtet sich nach der Erkrankung und dem individuellen Ansprechen des Patienten:
- Schizophrenie: Typische Tagesdosis 300–800 mg
- Bipolare Manie: Typische Tagesdosis 400–800 mg
- Bipolare Depression: Typische Tagesdosis 300 mg
- Augmentation bei Depression: Niedrigere Dosen von 50–300 mg täglich
Die Dosierung wird stets langsam eingeschlichen und nur unter ärztlicher Aufsicht angepasst. Das Absetzen sollte ebenfalls schrittweise erfolgen, um Absetzsymptome zu vermeiden.
Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente kann Quetiapin Nebenwirkungen verursachen. Häufige Nebenwirkungen umfassen:
- Sedierung und Schläfrigkeit (besonders zu Beginn der Behandlung)
- Gewichtszunahme und metabolische Veränderungen (erhöhte Blutzucker- und Blutfettwerte)
- Schwindel und orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen)
- Mundtrockenheit
- Verstopfung
Seltener, aber medizinisch relevant sind:
- Erhöhung der Blutzuckerwerte bis hin zu einem neu aufgetretenen Diabetes mellitus
- Verlängerung des QTc-Intervalls im EKG (Herzrhythmusstörungen)
- Tardive Dyskinesie (unwillkürliche Bewegungen, seltener als bei typischen Antipsychotika)
- Katarakt (Linsentrübung) – regelmäßige Augenkontrollen werden empfohlen
Wechselwirkungen
Quetiapin kann mit zahlreichen anderen Medikamenten wechselwirken. Besondere Vorsicht ist geboten bei:
- Medikamenten, die das CYP3A4-Enzym hemmen oder induzieren (z. B. Ketoconazol, Carbamazepin, Rifampicin)
- Anderen zentraldämpfenden Substanzen (Alkohol, Benzodiazepine, Opioide)
- Medikamenten, die das QTc-Intervall verlängern
Gegenanzeigen (Kontraindikationen)
Quetiapin sollte nicht angewendet werden bei:
- Bekannter Überempfindlichkeit gegen Quetiapin oder Hilfsstoffe
- Gleichzeitiger Einnahme bestimmter CYP3A4-Hemmer wie HIV-Proteasehemmer oder Azol-Antimykotika
Bei älteren Patienten mit Demenz ist besondere Vorsicht geboten, da das Risiko von Schlaganfällen und die Sterblichkeit erhöht sein können.
Hinweise für Patienten
- Quetiapin ist verschreibungspflichtig und darf nur nach ärztlicher Verordnung eingenommen werden.
- Die Einnahme sollte regelmäßig und zur gleichen Tageszeit erfolgen.
- Alkohol sollte während der Behandlung vermieden werden.
- Bei Schwangerschaft und Stillzeit muss der Nutzen gegen die Risiken sorgfältig abgewogen werden.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen (Blutzucker, Blutfette, Gewicht, EKG, Augen) sind empfohlen.
Quellen
- Fachinformation Seroquel (Quetiapin) – AstraZeneca GmbH, aktuelle Fassung gemäß europäischer Zulassung (EMA).
- Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) – S3-Leitlinie Schizophrenie, 2019.
- Stahl, S. M. – Stahl's Essential Psychopharmacology: Neuroscientific Basis and Practical Applications, 4. Auflage, Cambridge University Press, 2013.
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