Jejunumbiopsie – Ablauf, Indikationen & Befunde
Die Jejunumbiopsie ist eine medizinische Gewebeentnahme aus dem Jejunum (Leerdarm) zur Diagnose von Dünndarmerkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn.
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Die Jejunumbiopsie ist eine medizinische Gewebeentnahme aus dem Jejunum (Leerdarm) zur Diagnose von Dünndarmerkrankungen wie Zöliakie oder Morbus Crohn.
Was ist eine Jejunumbiopsie?
Die Jejunumbiopsie ist ein diagnostisches Verfahren, bei dem eine kleine Gewebeprobe aus dem Jejunum – dem mittleren Abschnitt des Dünndarms, auch Leerdarm genannt – entnommen und anschließend im Labor feingeweblich untersucht wird. Das Jejunum schließt sich an den Zwölffingerdarm (Duodenum) an und ist für die Aufnahme zahlreicher Nährstoffe, Vitamine und Mineralstoffe von entscheidender Bedeutung. Veränderungen in diesem Abschnitt können schwerwiegende Folgen für die Nährstoffversorgung des gesamten Körpers haben.
Wann wird eine Jejunumbiopsie durchgeführt?
Eine Jejunumbiopsie wird immer dann empfohlen, wenn der Arzt den Verdacht auf eine Erkrankung des Dünndarms hat, die sich durch eine Gewebeveränderung (Histologie) bestätigen lässt. Typische Indikationen sind:
- Zöliakie (glutensensitive Enteropathie): Eine Autoimmunerkrankung, bei der Gluten eine Schädigung der Dünndarmschleimhaut verursacht. Die Biopsie ist der Goldstandard zur Diagnosebestätigung.
- Morbus Crohn: Eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung, die alle Abschnitte des Magen-Darm-Trakts befallen kann, einschließlich des Jejunums.
- Tropische Sprue: Eine Malabsorptionserkrankung, die häufig in tropischen Regionen auftritt.
- Whipple-Krankheit: Eine seltene bakterielle Infektionskrankheit des Dünndarms.
- Lymphome des Dünndarms: Zum Ausschluss oder zur Bestätigung von Tumorerkrankungen.
- Unklare Malabsorptionssyndrome: Bei anhaltenden Durchfällen, Gewichtsverlust oder Mangelernährung ungeklärter Ursache.
Wie wird die Jejunumbiopsie durchgeführt?
Die Gewebeentnahme erfolgt in der Regel im Rahmen einer Gastroskopie (Magenspiegelung) oder einer speziellen Doppelballon-Enteroskopie, die eine tiefere Beurteilung des Dünndarms ermöglicht. Das Verfahren läuft typischerweise wie folgt ab:
- Vorbereitung: Der Patient sollte in der Regel nüchtern erscheinen (mindestens 6–8 Stunden ohne Nahrung und Flüssigkeit). Bestehende Medikamente, insbesondere Blutverdünner, werden vorab mit dem Arzt besprochen.
- Sedierung: Üblicherweise wird eine leichte Sedierung (Beruhigungsmittel) verabreicht, um den Eingriff für den Patienten so angenehm wie möglich zu gestalten.
- Endoskopie: Ein dünner, flexibler Schlauch mit einer Kamera (Endoskop) wird durch den Mund eingeführt und bis ins Jejunum vorgeführt.
- Biopsieentnahme: Über den Arbeitskanal des Endoskops werden mit einer kleinen Zange mehrere winzige Gewebeproben (in der Regel 4–6 Proben) aus der Dünndarmschleimhaut entnommen.
- Laboranalyse: Die Proben werden histologisch (feingeweblich) und gegebenenfalls immunhistochemisch untersucht.
Was zeigt die Untersuchung der Gewebeprobe?
Im Labor beurteilt ein Facharzt für Pathologie das entnommene Gewebe unter dem Mikroskop. Dabei werden folgende Veränderungen beurteilt:
- Zottenatrophie: Verkürzte oder abgeflachte Darmzotten, typisch für Zöliakie (klassifiziert nach der Marsh-Klassifikation).
- Kryptenhyperplasie: Verlängerung der Lieberkühn-Krypten als Zeichen einer Schleimhautschädigung.
- Entzündungszellen: Erhöhte Anzahl von Lymphozyten oder anderen Entzündungszellen als Hinweis auf chronisch-entzündliche Erkrankungen.
- Granulome: Charakteristische Zellhaufen, die bei Morbus Crohn oder Sarkoidose auftreten können.
- PAS-positive Makrophagen: Typischer Befund bei der Whipple-Krankheit.
Risiken und Nebenwirkungen
Die Jejunumbiopsie ist ein gut etabliertes, sicheres Verfahren. Wie bei jedem medizinischen Eingriff können jedoch geringe Risiken auftreten:
- Leichte Blutungen: An der Entnahmestelle kann es zu minimalen Blutungen kommen, die in der Regel von selbst sistieren.
- Selten Perforation: Eine Verletzung der Darmwand ist eine sehr seltene, aber ernste Komplikation.
- Reaktion auf die Sedierung: Kreislaufreaktionen oder allergische Reaktionen auf Sedierungsmittel sind möglich, werden jedoch durch Monitoring minimiert.
- Leichtes Völlegefühl oder Halsschmerzen nach dem Eingriff sind häufige, kurzfristige Beschwerden.
Was passiert nach dem Eingriff?
Nach der Biopsie verbleibt der Patient für eine kurze Überwachungszeit (ca. 1–2 Stunden) in der Einrichtung, bis die Sedierungswirkung nachlässt. Leichte Beschwerden wie Blähungen oder ein leichtes Druckgefühl im Bauch können auftreten, sind aber meist rasch rückläufig. Die Ergebnisse der Gewebeuntersuchung liegen in der Regel nach einigen Tagen bis zwei Wochen vor und werden in einem Nachgespräch mit dem behandelnden Arzt besprochen.
Quellen
- Rubio-Tapia A, Hill ID, Kelly CP et al. - ACG Clinical Guidelines: Diagnosis and Management of Celiac Disease. American Journal of Gastroenterology. 2013;108(5):656-676.
- Oberhuber G, Granditsch G, Vogelsang H. - The histopathology of coeliac disease: time for a standardized report scheme for pathologists. European Journal of Gastroenterology and Hepatology. 1999;11(10):1185-1194.
- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) - Diagnostik und Therapie der Zöliakie. AWMF-Registernummer 021-021, 2021.
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