Jejunumzottenbiopsie – Diagnose & Bedeutung
Die Jejunumzottenbiopsie ist eine diagnostische Gewebeentnahme aus dem Dünndarm zur Beurteilung der Darmzotten. Sie dient vor allem der Diagnose von Zöliakie und anderen Malabsorptionserkrankungen.
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Die Jejunumzottenbiopsie ist eine diagnostische Gewebeentnahme aus dem Dünndarm zur Beurteilung der Darmzotten. Sie dient vor allem der Diagnose von Zöliakie und anderen Malabsorptionserkrankungen.
Was ist eine Jejunumzottenbiopsie?
Die Jejunumzottenbiopsie ist ein diagnostisches Verfahren, bei dem eine kleine Gewebeprobe aus der Schleimhaut des Jejunums – dem mittleren Abschnitt des Dünndarms – entnommen wird. Ziel ist es, die sogenannten Darmzotten (Villi intestinales) unter dem Mikroskop zu untersuchen. Diese fingerförmigen Ausstülpungen der Darmschleimhaut sind entscheidend für die Aufnahme von Nährstoffen aus der Nahrung.
Das Verfahren wird heute meist im Rahmen einer Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD) durchgeführt, bei der ein flexibles Endoskop durch Mund, Speiseröhre und Magen in den Dünndarm eingeführt wird. Historisch wurde die Biopsie auch mit speziellen Kapselbiopsiezangen (z. B. der Watson-Kapsel) durchgeführt.
Wann wird eine Jejunumzottenbiopsie durchgeführt?
Die Indikation für eine Jejunumzottenbiopsie besteht bei Verdacht auf Erkrankungen, die mit einer Schädigung der Darmzotten einhergehen. Typische Anwendungsgebiete sind:
- Zöliakie: eine Autoimmunerkrankung, bei der Gluten die Darmzotten schädigt und zu Zottenatrophie führt
- Morbus Whipple: eine seltene bakterielle Infektionskrankheit des Darms
- Lambliasis (Giardiasis): eine Darmparasitenerkrankung durch Giardia lamblia
- Tropische Sprue: eine Malabsorptionserkrankung in tropischen Regionen
- Hypogammaglobulinämie mit intestinaler Beteiligung
- Ungeklärte Malabsorption oder chronischer Durchfall
- Verdacht auf intestinale Lymphangiektasie
Wie wird die Untersuchung durchgeführt?
Die Biopsie erfolgt heute standardmäßig während einer Gastroskopie oder Enteroskopie in kurzer Analgosedierung (leichte Betäubung). Mit einer kleinen Biopsiezange werden mehrere Gewebeproben aus dem distalen Duodenum oder dem proximalen Jejunum entnommen. Die Proben werden anschließend histologisch aufgearbeitet und nach standardisierten Klassifikationssystemen bewertet.
Histologische Klassifikation nach Marsh-Oberhuber
Für die Beurteilung von Zöliakie-typischen Veränderungen wird häufig die Marsh-Oberhuber-Klassifikation verwendet:
- Marsh 0: Normale Schleimhaut
- Marsh 1: Erhöhte intraepitheliale Lymphozyten
- Marsh 2: Zusätzliche Kryptenhyperplasie
- Marsh 3a/3b/3c: Partielle bis totale Zottenatrophie
Vorbereitung und Risiken
Der Patient sollte vor dem Eingriff nüchtern sein (in der Regel 6 Stunden ohne feste Nahrung, 2 Stunden ohne klare Flüssigkeiten). Blutgerinnungshemmende Medikamente müssen ggf. vorher abgesetzt werden.
Die Jejunumzottenbiopsie ist ein sicheres und gut etabliertes Verfahren. Mögliche, aber seltene Komplikationen umfassen:
- Leichte Blutungen an der Entnahmestelle
- Sehr selten: Perforation der Darmwand
- Reaktionen auf das Sedativum
Ergebnisse und klinische Bedeutung
Die Ergebnisse der Biopsie liefern wichtige Informationen über den Zustand der Darmschleimhaut. Bei bestätigter Zottenatrophie kann gezielt eine glutenfreie Ernährung eingeleitet oder eine andere spezifische Therapie begonnen werden. Die Jejunumzottenbiopsie gilt als Goldstandard in der Diagnostik der Zöliakie und anderer Malabsorptionserkrankungen.
Quellen
- Oberhuber G, Granditsch G, Vogelsang H. The histopathology of coeliac disease: time for a standardized report scheme for pathologists. European Journal of Gastroenterology and Hepatology. 1999;11(10):1185-1194.
- Ludvigsson JF et al. The Oslo definitions for coeliac disease and related terms. Gut. 2013;62(1):43-52.
- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). S2k-Leitlinie Zöliakie. AWMF-Register Nr. 021-021. 2021.
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