Vagotomie – Definition, Arten und Anwendung
Die Vagotomie ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Vagusnerv durchtrennt wird, um die Magensäureproduktion zu reduzieren. Sie wird heute selten angewendet.
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Die Vagotomie ist ein chirurgischer Eingriff, bei dem der Vagusnerv durchtrennt wird, um die Magensäureproduktion zu reduzieren. Sie wird heute selten angewendet.
Was ist eine Vagotomie?
Die Vagotomie ist ein operativer Eingriff, bei dem der Vagusnerv (Nervus vagus) ganz oder teilweise durchtrennt wird. Der Vagusnerv ist der zehnte Hirnnerv und steuert zahlreiche Körperfunktionen, darunter die Produktion von Magensäure. Durch die Unterbrechung dieser Nervenverbindung kann die Säureproduktion im Magen erheblich gesenkt werden. Die Vagotomie wurde früher häufig bei der Behandlung von Magengeschwüren (Ulcus ventriculi) und Zwölffingerdarmgeschwüren (Ulcus duodeni) eingesetzt.
Arten der Vagotomie
Es gibt verschiedene Formen der Vagotomie, die sich in ihrem Umfang und ihren Auswirkungen unterscheiden:
- Trunkuläre Vagotomie: Beide Hauptstämme des Vagusnervs werden vollständig durchtrennt. Dies führt zu einer umfassenden Hemmung der Magensäuresekretion, beeinträchtigt jedoch auch andere Organe wie Darm, Leber und Gallenblase. Häufig ist zusätzlich ein Eingriff zur Magenentleerung (sog. Drainageoperation) notwendig.
- Selektive Vagotomie: Nur die Äste des Vagusnervs, die zum Magen führen, werden durchtrennt, während andere Organe verschont bleiben. Auch hier ist meist eine Drainageoperation erforderlich.
- Hoch selektive Vagotomie (proximale Magenvagotomie): Lediglich die Nervenfasern, die die säureproduzierenden Belegzellen im Magenfundus und -korpus versorgen, werden durchtrennt. Der sog. Antrum-Teil des Magens und die Magenentleerung bleiben unberührt, sodass keine zusätzliche Drainageoperation nötig ist. Diese Form gilt als die schonendste und war lange der Goldstandard.
Anwendungsgebiete
Die Vagotomie wurde hauptsächlich bei folgenden Erkrankungen eingesetzt:
- Chronische, nicht heilende Magengeschwüre und Zwölffingerdarmgeschwüre
- Komplikationen wie Magenblutungen oder Magenperforation
- Rezidivierende Geschwürerkrankungen trotz medikamentöser Therapie
Bedeutung heute
Seit der Entdeckung von Protonenpumpenhemmern (z. B. Omeprazol) und der Erkennung von Helicobacter pylori als häufige Ursache von Magengeschwüren in den 1980er und 1990er Jahren hat die Vagotomie stark an Bedeutung verloren. Die medikamentöse Behandlung ist heute in den meisten Fällen ausreichend und wird bevorzugt. Chirurgische Eingriffe wie die Vagotomie kommen nur noch in sehr seltenen Ausnahmefällen zum Einsatz, etwa bei Versagen der Medikamentenbehandlung oder bei akuten Komplikationen.
Ablauf und Durchführung
Die Vagotomie wird in Vollnarkose durchgeführt. Traditionell erfolgte sie als offene Operation, heute ist in manchen Fällen auch eine laparoskopische (minimal-invasive) Vorgehensweise möglich. Der Chirurg identifiziert die entsprechenden Nervenstämme und durchtrennt oder entfernt die relevanten Abschnitte des Vagusnervs.
Risiken und Nebenwirkungen
Wie jeder operative Eingriff birgt die Vagotomie bestimmte Risiken:
- Dysphagie (Schluckbeschwerden) durch Verletzung benachbarter Nerven oder Strukturen
- Diarrhoe (Durchfall), insbesondere nach trunkulärer Vagotomie durch veränderte Darmfunktion
- Magenentleerungsstörungen (Gastroparese) bei unzureichender Drainageoperation
- Allgemeine Operationsrisiken wie Infektionen, Blutungen und Narkosekomplikationen
- Rezidivgeschwüre (erneutes Auftreten von Geschwüren) in einem kleinen Prozentsatz der Fälle
Nachsorge
Nach einer Vagotomie sind regelmäßige Kontrollen des Magen-Darm-Trakts empfohlen. Patienten sollten auf Symptome wie anhaltende Oberbauchschmerzen, Übelkeit oder veränderte Stuhlgewohnheiten achten und diese umgehend ärztlich abklären lassen. Eine angepasste Ernährung kann helfen, Beschwerden zu reduzieren.
Quellen
- Schwartz's Principles of Surgery, 11. Auflage, McGraw-Hill Education (2019)
- Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS): Helicobacter-pylori-Infektion und gastroduodenale Ulkuskrankheit (2022)
- Goligher JC et al. - Controlled trial of vagotomy and gastroenterostomy, vagotomy and antrectomy, and subtotal gastrectomy in elective treatment of duodenal ulcer. British Medical Journal, 1978
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