Unterschenkel – Anatomie, Erkrankungen und Behandlung
Der Unterschenkel ist der untere Abschnitt des Beins zwischen Kniegelenk und Sprunggelenk. Er besteht aus zwei Knochen, Muskeln, Gefäßen und Nerven.
Tipps & Infos zu Gesundheitsthemen Tipps & Infos zu GesundheitsthemenWissenswertes über "Unterschenkel"
Der Unterschenkel ist der untere Abschnitt des Beins zwischen Kniegelenk und Sprunggelenk. Er besteht aus zwei Knochen, Muskeln, Gefäßen und Nerven.
Was ist der Unterschenkel?
Der Unterschenkel (lateinisch: Crus) ist der untere Teil des Beins und erstreckt sich vom Kniegelenk bis zum oberen Sprunggelenk. Er bildet zusammen mit dem Oberschenkel die Hauptstruktur der unteren Extremität und ist für Standfestigkeit, Gehen, Laufen und viele weitere Bewegungen unentbehrlich.
Anatomischer Aufbau
Knochen
Der Unterschenkel besteht aus zwei Knochen:
- Tibia (Schienbein): Der größere, gewichtragende Knochen auf der Innenseite des Unterschenkels. Er ist der zweitlängste Knochen des menschlichen Körpers und überträgt das Körpergewicht vom Knie zum Fuß.
- Fibula (Wadenbein): Der dünnere Knochen auf der Außenseite des Unterschenkels. Er dient hauptsächlich als Muskelansatzpunkt und stabilisiert das Sprunggelenk, trägt jedoch kaum Körpergewicht.
Muskulatur
Die Muskulatur des Unterschenkels wird in drei Kompartimente (Muskellogen) unterteilt:
- Vorderes Kompartiment: Enthält Muskeln, die den Fuß und die Zehen anheben (Dorsalflexoren), wie den Musculus tibialis anterior.
- Laterales Kompartiment: Enthält die Wadenbeinmuskeln (Musculus peroneus longus und brevis), die den Fuß nach außen drehen und stabilisieren.
- Hinteres Kompartiment: Enthält die kräftige Wadenmuskulatur, darunter den Musculus gastrocnemius und den Musculus soleus, die für die Plantarflexion (Zehenspitzenstand) verantwortlich sind. Die Achillessehne verbindet diese Muskeln mit dem Fersenbein.
Gefäßversorgung
Die arterielle Blutversorgung des Unterschenkels erfolgt hauptsächlich über die Arteria poplitea, die sich unterhalb des Knies in die Arteria tibialis anterior, die Arteria tibialis posterior und die Arteria fibularis aufteilt. Der venöse Rückfluss erfolgt über oberflächliche Venen (z. B. Vena saphena magna) und tiefe Beinvenen.
Nervenversorgung
Die wichtigsten Nerven im Unterschenkel sind der Nervus peroneus communis (versorgt die Streckmuskeln und die Außenseite), der Nervus tibialis (versorgt die Beugemuskeln und die Fußsohle) sowie sensible Hautnerven.
Häufige Erkrankungen und Verletzungen
Knochenbrüche
Unterschenkelfrakturen gehören zu den häufigsten Knochenbrüchen. Sie betreffen oft die Tibia und entstehen durch direkte Gewalteinwirkung, Sportunfälle oder Stürze. Je nach Schweregrad werden sie konservativ (Gipsbehandlung) oder operativ behandelt.
Schienbeinkantensyndrom
Das Schienbeinkantensyndrom (Shin Splints) ist ein häufiges Überlastungssyndrom bei Läufern und Sportlern. Es äußert sich in Schmerzen entlang der Schienbeinkante und entsteht durch wiederholte Belastung der Knochenstruktur und der anliegenden Muskeln.
Kompartmentsyndrom
Das Kompartmentsyndrom ist ein medizinischer Notfall, bei dem der Druck innerhalb einer Muskelloge des Unterschenkels stark ansteigt. Dies kann die Durchblutung und Nervenversorgung gefährden und muss umgehend operativ behandelt werden.
Thrombose der tiefen Beinvenen
Die tiefe Beinvenenthrombose (TVT) entsteht durch ein Blutgerinnsel in den tiefen Venen des Unterschenkels. Symptome sind Schwellung, Rötung, Wärme und Schmerzen. Eine unbehandelte Thrombose kann zu einer lebensbedrohlichen Lungenembolie führen.
Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
Bei der pAVK verengen sich die Arterien des Unterschenkels durch Arteriosklerose. Typisch ist der sogenannte Schaufensterschmerz (Claudicatio intermittens): Schmerzen beim Gehen, die in der Ruhe nachlassen.
Chronische Wunden und Ulcus cruris
Das Ulcus cruris (offenes Bein) ist eine schlecht heilende Wunde am Unterschenkel, häufig verursacht durch venöse Insuffizienz, arterielle Durchblutungsstörungen oder Diabetes. Es erfordert eine spezialisierte Wundbehandlung.
Diagnostik
Zur Beurteilung von Erkrankungen am Unterschenkel stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Körperliche Untersuchung: Inspektion, Palpation und Funktionsprüfung.
- Bildgebung: Röntgen (Frakturdiagnostik), Ultraschall (Gefäße, Muskeln, Thrombosediagnostik), MRT (Weichteilstrukturen, Nervenkompressionen).
- Doppler-/Duplexsonographie: Beurteilung der arteriellen und venösen Durchblutung.
- Kompartmentdruckmessung: Bei Verdacht auf Kompartmentsyndrom.
Behandlung
Die Behandlung von Unterschenkelerkrankungen richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache:
- Konservative Therapie: Physiotherapie, Kompressionstherapie, medikamentöse Behandlung (z. B. Gerinnungshemmer bei Thrombose, Schmerztherapie).
- Operative Therapie: Frakturversorgung, Fasziotomie beim Kompartmentsyndrom, Bypass-Operationen bei schwerer pAVK.
- Wundmanagement: Spezialisierte Verbände, Debridement und ggf. Hauttransplantation bei chronischen Wunden.
Quellen
- Schünke M., Schulte E., Schumacher U. - Prometheus Lernatlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem. Thieme Verlag, Stuttgart, 5. Auflage 2022.
- Herold G. et al. - Innere Medizin. Herold Verlag, Köln, 2023.
- S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Venenthrombose und der Lungenembolie. AWMF-Register Nr. 065-002, 2023. Verfügbar unter: https://www.awmf.org
Meistgekaufte Produkte
Der universelle Immunschutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Immunproteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des ImmunsystemsFür eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac®, probiotischen Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®Die neusten Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieUmbo
Synthese
AS
Die meistgelesenen Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMagnesiumcarbonat
Kaloriengehalt
Kölner Liste
Verwandte Suchbegriffe: Unterschenkel + Unterschenkelbereich + Crus