PAS – Paraaminosalicylsäure bei Tuberkulose
PAS (Paraaminosalicylsäure) ist ein antibakterielles Medikament zur Behandlung der Tuberkulose, insbesondere bei resistenten Verlaufsformen. Es wird als Reservemittel eingesetzt.
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PAS (Paraaminosalicylsäure) ist ein antibakterielles Medikament zur Behandlung der Tuberkulose, insbesondere bei resistenten Verlaufsformen. Es wird als Reservemittel eingesetzt.
Was ist PAS (Paraaminosalicylsäure)?
PAS, die Abkürzung für Paraaminosalicylsäure (auch: 4-Aminosalicylsäure), ist ein bakteriostatisches Antibiotikum aus der Gruppe der Salicylate. Es wurde bereits in den 1940er Jahren entwickelt und gehört zu den ältesten Medikamenten zur Behandlung der Tuberkulose (TB). Heute wird es vorwiegend als sogenanntes Reservemittel eingesetzt, das heißt bei Formen der Tuberkulose, die gegen die gängigen Erstlinienmedikamente resistent sind.
Indikation
PAS wird eingesetzt bei:
- Multiresistenter Tuberkulose (MDR-TB): Wenn Mycobacterium tuberculosis gegen die Standardmedikamente Isoniazid und Rifampicin resistent ist.
- Extensiv resistenter Tuberkulose (XDR-TB): Bei Resistenzen gegen weitere Wirkstoffklassen.
- Als Kombinationspartner in der Langzeittherapie der Tuberkulose, um Resistenzbildung zu verhindern.
Wirkmechanismus
PAS wirkt bakteriostatisch, das heißt, es hemmt die Vermehrung von Mykobakterien, tötet sie aber nicht direkt ab. Der genaue Wirkmechanismus ist komplex:
- PAS hemmt die Synthese von Folsäure in Mycobacterium tuberculosis, indem es als kompetitiver Antagonist von para-Aminobenzoesäure (PABA) agiert. Dadurch wird die bakterielle Stoffwechselaktivität gehemmt.
- Zudem blockiert PAS die Aufnahme von Eisen durch das Bakterium, was dessen Wachstum weiter einschränkt.
- Neuere Forschungen weisen darauf hin, dass PAS auch den Thymidinbiosynthese-Weg des Erregers beeinflusst.
Dosierung und Anwendung
PAS ist in Form von magensaftresistenten Granulaten oder Tabletten erhältlich und wird oral eingenommen. Die typische Tagesdosis für Erwachsene beträgt 8 bis 12 Gramm, aufgeteilt auf zwei bis drei Einzelgaben. Die genaue Dosierung wird individuell vom behandelnden Arzt festgelegt und richtet sich nach Körpergewicht, Nierenfunktion und Verträglichkeit.
PAS wird stets in Kombination mit anderen Antituberkulotika verabreicht, um einer Resistenzentwicklung vorzubeugen. Eine Monotherapie ist nicht zulässig.
Nebenwirkungen
PAS kann zahlreiche Nebenwirkungen verursachen, die die Therapietreue (Adhärenz) beeinflussen können:
- Gastrointestinale Beschwerden: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen sind häufig und können durch die Einnahme mit Mahlzeiten gemildert werden.
- Hepatotoxizität: PAS kann die Leber schädigen; regelmäßige Leberwertkontrollen sind erforderlich.
- Schilddrüsenfunktionsstörungen: Langfristige Einnahme kann eine Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) begünstigen, insbesondere bei gleichzeitiger Einnahme von Ethionamid.
- Allergische Reaktionen: Hautausschlag, Fieber und in seltenen Fällen schwere Überempfindlichkeitsreaktionen.
- Malabsorption: Beeinträchtigung der Aufnahme von Vitamin B12 und Folsäure.
Wechselwirkungen
PAS kann die Plasmaspiegel anderer Medikamente beeinflussen. Wichtige Wechselwirkungen bestehen mit:
- Rifampicin: Die gleichzeitige Einnahme kann die Absorption von Rifampicin verringern; ein zeitlicher Abstand von mehreren Stunden wird empfohlen.
- Vitamin B12 und Folsäure: PAS kann deren Resorption vermindern.
- Antikoagulanzien: PAS kann die Wirkung von Blutverdünnern verstärken.
Kontraindikationen
PAS sollte nicht eingesetzt werden bei:
- Schwerer Nierenfunktionsstörung
- Bekannter Überempfindlichkeit gegen Salicylate
- Schwerer Lebererkrankung
Klinische Bedeutung
Trotz seiner Nebenwirkungen spielt PAS eine wichtige Rolle in der Behandlung resistenter Tuberkuloseformen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) listet PAS in ihrer Liste der essenziellen Medikamente für die Behandlung der MDR-TB. Mit der Zunahme resistenter Tuberkulosestämme weltweit gewinnt PAS als Reservemittel wieder an Bedeutung.
Quellen
- World Health Organization (WHO): WHO consolidated guidelines on tuberculosis, Module 4: Treatment. Geneva, 2022. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789240048126
- Nachega JB, Chaisson RE: Tuberculosis drug resistance: a global threat. Clinical Infectious Diseases, 2003; 36(Suppl 1):S24-S30.
- Lehrbuch der Pharmakologie: Aktories K et al. (Hrsg.): Allgemeine und spezielle Pharmakologie und Toxikologie. 12. Auflage. Urban & Fischer, 2021.
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