Immuntoleranz – Definition, Mechanismen & Bedeutung
Immuntoleranz beschreibt die Fähigkeit des Immunsystems, körpereigene Strukturen nicht anzugreifen. Sie ist entscheidend für die Vermeidung von Autoimmunerkrankungen.
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Immuntoleranz beschreibt die Fähigkeit des Immunsystems, körpereigene Strukturen nicht anzugreifen. Sie ist entscheidend für die Vermeidung von Autoimmunerkrankungen.
Was ist Immuntoleranz?
Die Immuntoleranz bezeichnet die Eigenschaft des Immunsystems, bestimmte Antigene – also Stoffe, die normalerweise eine Immunreaktion auslösen können – zu erkennen und gezielt nicht zu bekämpfen. Besonders wichtig ist diese Toleranz gegenüber körpereigenen Strukturen (Selbst-Antigenen), aber auch gegenüber harmlosen Umweltstoffen wie Nahrungsmitteln oder Pollen. Versagt die Immuntoleranz, kann das Immunsystem beginnen, den eigenen Körper anzugreifen, was zu Autoimmunerkrankungen führt.
Arten der Immuntoleranz
Zentrale Toleranz
Die zentrale Toleranz entsteht während der Reifung von Immunzellen in den primären lymphatischen Organen, vor allem im Thymus (für T-Zellen) und im Knochenmark (für B-Zellen). Immunzellen, die stark auf körpereigene Strukturen reagieren, werden dort erkannt und durch einen Prozess namens klonale Deletion eliminiert oder dauerhaft inaktiviert. Dadurch wird verhindert, dass selbstreaktive Immunzellen in den Körper gelangen.
Periphere Toleranz
Die periphere Toleranz wirkt in den Geweben und im Blut außerhalb der primären lymphatischen Organe. Sie dient als zweite Sicherheitsebene für Immunzellen, die der zentralen Toleranz entkommen sind. Zu den Mechanismen gehören:
- Anergie: Immunzellen werden funktionell inaktiviert, wenn sie ein Antigen ohne ausreichende Aktivierungssignale erkennen.
- Regulatorische T-Zellen (Treg): Spezialisierte T-Zellen unterdrücken aktiv die Immunreaktion gegen Selbst-Antigene.
- Klonale Deletion: Auch in der Peripherie können selbstreaktive Zellen durch programmierten Zelltod (Apoptose) eliminiert werden.
- Immunsuppression durch Zytokine: Bestimmte Botenstoffe wie IL-10 und TGF-beta hemmen überschießende Immunreaktionen.
Bedeutung der Immuntoleranz
Eine intakte Immuntoleranz ist für die Gesundheit unerlässlich. Sie ermöglicht es dem Körper, zwischen harmlosen und gefährlichen Substanzen zu unterscheiden. Besonders in folgenden Bereichen spielt sie eine zentrale Rolle:
- Schwangerschaft: Das Immunsystem der Mutter toleriert den genetisch halbfremden Fötus, ohne ihn abzustoßen.
- Darmgesundheit: Im Darm wird täglich Toleranz gegenüber einer Vielzahl von Nahrungsmittelantigenen und Darmbakterien aufrechterhalten.
- Transplantationsmedizin: Nach einer Organverpflanzung muss das Immunsystem des Empfängers zur Toleranz gegenüber dem fremden Organ gebracht werden.
- Allergien: Eine gestörte Toleranz gegenüber harmlosen Umweltstoffen kann Allergien verursachen.
Störungen der Immuntoleranz
Wenn die Immuntoleranz zusammenbricht, kann das Immunsystem körpereigene Strukturen angreifen. Dies führt zu Autoimmunerkrankungen wie:
- Rheumatoide Arthritis (Angriff auf Gelenkgewebe)
- Typ-1-Diabetes (Zerstörung insulinproduzierender Zellen in der Bauchspeicheldrüse)
- Multiple Sklerose (Angriff auf die Myelinscheiden der Nerven)
- Systemischer Lupus erythematodes (Angriff auf verschiedene Organe und Gewebe)
Die genauen Ursachen für das Versagen der Immuntoleranz sind komplex und umfassen genetische Faktoren, Umwelteinflüsse, Infektionen sowie hormonelle Einflüsse.
Immuntoleranz in der Medizin
Das Verständnis der Immuntoleranz hat große klinische Bedeutung. In der Allergologie wird beispielsweise durch eine spezifische Immuntherapie (Hyposensibilisierung) versucht, eine Toleranz gegenüber Allergenen zu induzieren. In der Onkologie nutzen neuartige Checkpoint-Inhibitoren das Prinzip der Toleranzunterbrechung, um das Immunsystem gezielt gegen Tumorzellen zu aktivieren. In der Transplantationsmedizin werden Immunsuppressiva eingesetzt, um eine künstliche Toleranz gegenüber dem Spenderorgan zu erzeugen.
Quellen
- Abbas AK, Lichtman AH, Pillai S. Cellular and Molecular Immunology. 10th ed. Elsevier; 2021.
- Janeway CA Jr et al. Immunobiology: The Immune System in Health and Disease. 9th ed. Garland Science; 2016.
- World Health Organization (WHO). Autoimmune diseases – Overview and current research directions. WHO Press; 2022.
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