Os temporale – Schläfenbein Anatomie und Funktion
Das Os temporale (Schläfenbein) ist ein paariger Schädelknochen an der seitlichen Schädelbasis, der das Mittel- und Innenohr beherbergt und wichtige neurovaskuläre Strukturen schützt.
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Das Os temporale (Schläfenbein) ist ein paariger Schädelknochen an der seitlichen Schädelbasis, der das Mittel- und Innenohr beherbergt und wichtige neurovaskuläre Strukturen schützt.
Was ist das Os temporale?
Das Os temporale (Schläfenbein) ist ein paariger, unregelmäßig geformter Knochen des menschlichen Schädels. Es befindet sich beiderseits an der seitlichen Schädelbasis und bildet dort einen wesentlichen Teil der Schädelwand sowie der Schädelbasis. Das Os temporale gehört zu den komplexesten Knochen des menschlichen Körpers, da es zahlreiche anatomische Strukturen beherbergt und schützt, darunter die Organe des Hörens und des Gleichgewichtssinns.
Anatomische Gliederung
Das Os temporale besteht aus mehreren Anteilen, die sich entwicklungsgeschichtlich und anatomisch unterscheiden:
- Pars squamosa: Die flache, schuppenförmige Platte, die den größten Teil der seitlichen Schädelwand bildet. Sie trägt den Processus zygomaticus, der mit dem Jochbein den Jochbogen (Arcus zygomaticus) bildet.
- Pars petrosa (Felsenbein): Der härteste Knochen des menschlichen Körpers. Er enthält die Strukturen des Mittelohrs und des Innenohrs, darunter die Cochlea (Hörschnecke) und die Bogengänge des Vestibularapparats. Auch der innere Gehörgang (Meatus acusticus internus) mit dem Nervus facialis (VII) und dem Nervus vestibulocochlearis (VIII) verläuft durch die Pars petrosa.
- Pars tympanica: Sie bildet den knöchernen Rahmen des äußeren Gehörgangs und einen Teil der Paukenhöhlenwand.
- Processus mastoideus: Der tastbare knöcherne Vorsprung hinter der Ohrmuschel, der pneumatisierte Luftzellen (Cellulae mastoideae) enthält und als Muskelansatzpunkt dient.
- Processus styloideus: Ein schlanker Knochenfortsatz an der Unterseite des Schläfenbeins, an dem Muskeln und Bänder der Zunge und des Rachens ansetzen.
Wichtige anatomische Strukturen im Os temporale
Das Os temporale beherbergt und begrenzt zahlreiche klinisch bedeutsame Strukturen:
- Mittelohr: Paukenhöhle mit den drei Gehörknöchelchen (Hammer, Amboss, Steigbügel)
- Innenohr: Cochlea (Hörorgan) und Labyrinth (Gleichgewichtsorgan)
- Nervus facialis (VII): Verläuft durch den Fazialiskanal des Felsenbeins
- Nervus vestibulocochlearis (VIII): Hör- und Gleichgewichtsnerv
- Arteria carotis interna: Verläuft durch den Canalis caroticus
- Vena jugularis interna: Verlässt den Schädel durch das Foramen jugulare
- Foramen stylomastoideum: Austrittspunkt des Nervus facialis
Klinische Bedeutung
Frakturen des Os temporale
Schläfenbeinfrakturen entstehen meist durch stumpfe Schädeltraumata. Sie werden klassisch in Längs- und Querfrakturen unterteilt:
- Längsfrakturen: Häufiger (ca. 70-80 %), verlaufen entlang der Längsachse des Felsenbeins. Sie können zu Schallleitungsschwerhörigkeit, Einriss des Trommelfells und Hämotympanon führen.
- Querfrakturen: Seltener, aber schwerwiegender. Sie können Innenohr und Nervus facialis schädigen und zu sensorineuraler Schwerhörigkeit sowie Fazialisparese führen.
Mastoiditis
Eine Mastoiditis ist eine bakterielle Entzündung der Mastoidzellen, häufig als Komplikation einer akuten Otitis media (Mittelohrentzündung). Sie äußert sich durch Schmerzen, Rötung und Schwellung hinter dem Ohr sowie Fieber und erfordert eine sofortige antibiotische und ggf. operative Behandlung.
Akustikusneurinom (Vestibularisschwannom)
Ein gutartiger Tumor des Nervus vestibulocochlearis, der im inneren Gehörgang des Felsenbeins entsteht. Er kann zu progredientem einseitigem Hörverlust, Tinnitus und Gleichgewichtsstörungen führen.
Cholesteatom
Ein Cholesteatom ist eine nicht-neoplastische Wucherung von verhorntem Plattenepithel im Mittelohr, die durch Knochendestruktion des Os temporale und seiner Strukturen zu schwerwiegenden Komplikationen führen kann.
Entwicklung und Ossifikation
Das Os temporale entsteht aus mehreren embryonalen Knochenkernen. Die Pars squamosa und die Pars tympanica ossifizieren desmogen (bindegewebig), während die Pars petrosa und der Processus mastoideus enchondral (aus Knorpel) verknöchern. Die Verschmelzung der einzelnen Anteile erfolgt im Verlauf der ersten Lebensjahre.
Quellen
- Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus - LernAtlas der Anatomie: Kopf, Hals und Neuroanatomie. 5. Auflage. Stuttgart: Thieme; 2022.
- Standring S (Hrsg.). Gray's Anatomy: The Anatomical Basis of Clinical Practice. 42nd ed. Elsevier; 2020.
- Tos M. Surgical Anatomy of the Temporal Bone and Ear. Stuttgart: Thieme; 2009.
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