Leopold-Handgriffe – Tastuntersuchung in der Schwangerschaft
Die Leopold-Handgriffe sind vier standardisierte Tastuntersuchungen des Bauches zur Beurteilung von Lage, Einstellung und Größe des ungeborenen Kindes in der Schwangerschaft.
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Die Leopold-Handgriffe sind vier standardisierte Tastuntersuchungen des Bauches zur Beurteilung von Lage, Einstellung und Größe des ungeborenen Kindes in der Schwangerschaft.
Was sind die Leopold-Handgriffe?
Die Leopold-Handgriffe sind eine Abfolge von vier standardisierten Tastuntersuchungen (Palpationsmanövern) des mütterlichen Bauches, die während der Schwangerschaft durchgeführt werden. Sie wurden im 19. Jahrhundert von dem deutschen Gynäkologen Christian Gerhard Leopold entwickelt und sind bis heute ein grundlegendes Element der geburtshilflichen Untersuchung.
Ziel der Untersuchung ist es, wichtige Informationen über das ungeborene Kind zu gewinnen, ohne technische Geräte einsetzen zu müssen. Die vier Griffe liefern Auskunft über die Lage des Kindes in der Gebärmutter, die Einstellung des kindlichen Kopfes oder Steiß, den Füllungszustand der Gebärmutter sowie das geschätzte Gewicht des Kindes.
Die vier Leopold-Handgriffe im Überblick
1. Leopold-Handgriff – Fundusstand
Beim ersten Handgriff legt die untersuchende Person beide Hände flach auf den oberen Bauch der Schwangeren und tastet den Fundus uteri (Gebärmuttergrund) ab. So wird ermittelt, welcher Kindesteil sich oben befindet – in der Regel der Steiß – und wie weit der Fundus über der Schambeinfuge steht. Daraus lässt sich eine grobe Einschätzung des Gestationsalters ableiten.
2. Leopold-Handgriff – Lage des Kindesrückens
Beim zweiten Handgriff werden beide Hände seitlich an die Flanken des Bauches gelegt und üben abwechselnd sanften Druck aus. Dadurch kann der Untersucher den Rücken des Kindes als längliche, glatte und widerstandsfähige Struktur auf einer Seite ertasten und die Extremitäten (Arme und Beine) auf der gegenüberliegenden Seite als unregelmäßige, bewegliche Teile identifizieren. So wird die Kindslage (z. B. Schädel- oder Beckenlage) und die Stellung des Rückens bestimmt.
3. Leopold-Handgriff – Einstellungsdiagnose (Pawlik-Griff)
Der dritte Handgriff, auch als Pawlik-Griff bezeichnet, wird mit einer Hand oberhalb der Schambeinfuge durchgeführt. Daumen und Finger umfassen dabei den Bereich über dem Beckeneingangbereich. Ziel ist es, festzustellen, welcher Kindesteil dem Becken zugewandt ist – Kopf oder Steiß – und ob dieser Teil bereits ins Becken eingetreten ist oder sich noch frei bewegen lässt (Ballottement).
4. Leopold-Handgriff – Höhenstand und Eintrittsbewegung
Beim vierten Handgriff steht oder sitzt die untersuchende Person seitlich zur Schwangeren und schaut in Richtung deren Becken. Beide Hände werden seitlich neben dem unteren Pol des vorangehenden Kindesteils platziert und gleiten in Richtung Beckeneingang. Dieser Griff gibt Aufschluss über den Höhenstand des vorangehenden Teils und zeigt, wie weit der Kopf (oder Steiß) in das Becken eingetreten ist. Dabei wird auch die Haltung des kindlichen Kopfes (gebeugt oder gestreckt) beurteilt.
Wann werden die Leopold-Handgriffe angewendet?
Die Leopold-Handgriffe sind ein fester Bestandteil der Routineuntersuchungen in der Schwangerschaftsvorsorge und werden ab etwa der 28. Schwangerschaftswoche regelmäßig durchgeführt. Sie sind besonders wichtig in der Spätschwangerschaft und zur Geburtsvorbereitung, da zu diesem Zeitpunkt die Kindslage diagnostisch relevant wird. Darüber hinaus kommen sie in der Geburtsüberwachung zum Einsatz, um den Fortschritt der Geburt zu beurteilen.
Klinische Bedeutung
Die Leopold-Handgriffe erlauben eine schnelle, nicht-invasive Ersteinschätzung und sind ohne technische Hilfsmittel durchführbar. Sie geben wichtige Hinweise auf:
- Schädellage – die häufigste und günstigste Geburtsposition
- Beckenendlage – der Steiß liegt unten, was geburtshilfliche Konsequenzen hat
- Querlage – das Kind liegt quer, eine vaginale Geburt ist in der Regel nicht möglich
- Den Grad des Einstellungsgrades in das Becken
- Geschätztes Geburtsgewicht und Fruchtwassermenge
Auffällige Befunde aus den Leopold-Handgriffen werden durch eine Ultraschalluntersuchung ergänzt und bestätigt. Sie ersetzen bildgebende Verfahren nicht, sind jedoch ein wertvolles ergänzendes Untersuchungsinstrument in der klinischen Praxis.
Durchführung und Voraussetzungen
Für eine optimale Untersuchung sollte die Schwangere entspannt und mit entleerter Harnblase in Rückenlage liegen. Die Hände der untersuchenden Person sollten angewärmt sein, um Muskelanspannung zu vermeiden. Die Untersuchung ist in der Regel schmerzlos, kann jedoch bei starkem Druck oder empfindlichem Bauch als unangenehm empfunden werden.
Quellen
- Schneider, H., Husslein, P., Schneider, K. T. M. (Hrsg.) – Die Geburtshilfe, 5. Auflage, Springer Verlag, Berlin/Heidelberg, 2016.
- Pschyrembel – Klinisches Wörterbuch, 268. Auflage, De Gruyter, Berlin, 2020.
- World Health Organization (WHO) – WHO recommendations on antenatal care for a positive pregnancy experience, WHO Press, Genf, 2016. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/9789241549912
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