Tubocurarin: Wirkung, Anwendung & Geschichte
Tubocurarin ist ein pflanzlicher Wirkstoff aus Curare-Pflanzen und eines der ersten klinisch eingesetzten Muskelrelaxanzien. Es blockiert neuromuskulaere Uebertragung und wurde in der Anaesthesie verwendet.
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Tubocurarin ist ein pflanzlicher Wirkstoff aus Curare-Pflanzen und eines der ersten klinisch eingesetzten Muskelrelaxanzien. Es blockiert neuromuskulaere Uebertragung und wurde in der Anaesthesie verwendet.
Was ist Tubocurarin?
Tubocurarin (auch d-Tubocurarin) ist ein natuerlich vorkommender Alkaloid-Wirkstoff, der aus der Rinde und den Staemmen verschiedener suedamerikanischer Pflanzen gewonnen wird, insbesondere aus Chondrodendron tomentosum. Er ist der Hauptwirkstoff des traditionellen Pfeilgifts Curare, das von indigenen Voelkern Suedamerikas zur Jagd verwendet wurde. In der modernen Medizin war Tubocurarin eines der ersten nicht-depolarisierenden Muskelrelaxanzien, das klinisch in der Anaesthesie eingesetzt wurde.
Wirkmechanismus
Tubocurarin wirkt als kompetitiver Antagonist am nikotinischen Acetylcholin-Rezeptor (nAChR) der neuromuskulaeren Endplatte. Das bedeutet:
- Es bindet reversibel an die Acetylcholin-Bindungsstellen des Rezeptors.
- Dadurch verhindert es, dass der natuerliche Neurotransmitter Acetylcholin den Rezeptor aktiviert.
- Die Depolarisation der Muskelmembran bleibt aus, was zu einer schlaffen Laehmung der Skelettmuskulatur fuehrt.
- Die Wirkung ist dosisabhaengig und kann durch Acetylcholinesterase-Hemmer (z. B. Neostigmin) antagonisiert werden.
Wichtig: Tubocurarin beeinflusst nicht das Bewusstsein oder die Schmerzwahrnehmung. Es muss daher stets in Kombination mit einer Allgemeinanaesthesie eingesetzt werden.
Medizinische Anwendung
Tubocurarin wurde erstmals 1942 von Harold Griffith und Enid Johnson klinisch in der Anaesthesie eingesetzt und revolutionierte damit die moderne Chirurgie. Die wichtigsten Anwendungsgebiete waren:
- Muskelrelaxation waehrend chirurgischer Eingriffe: Erleichterung der Intubation und Schaffung optimaler Operationsbedingungen.
- Mechanische Beatmung: Kontrolle der Atemmuskulatur bei beatmeten Patienten.
- Elektrokrampftherapie (EKT): Abschwaechen von Krampfreaktionen.
- Tetanus-Behandlung: Kontrolle schwerer Muskelkraempfe.
Aufgrund seines unguenstigen Nebenwirkungsprofils wurde Tubocurarin im klinischen Alltag weitgehend durch modernere nicht-depolarisierende Muskelrelaxanzien wie Vecuronium, Rocuronium oder Atracurium ersetzt.
Dosierung
Die klinische Dosierung von Tubocurarin war individuell angepasst und abhaengig von Eingriff, Koerpergewicht und Begleitmedikation. Typische intravenoes verabreichte Dosierungen zur Intubationserleichterung lagen im Bereich von 0,3 bis 0,5 mg/kg Koerpergewicht. Die Applikation erfolgte ausschliesslich intravenoes und unter anaesthesiologischer Aufsicht.
Nebenwirkungen
Tubocurarin weist ein breites Nebenwirkungsprofil auf, das seinen Einsatz in der modernen Medizin stark einschraenkte:
- Histaminfreisetzung: Kann zu Hautroetungen, Bronchospasmus und Blutdruckabfall fuehren.
- Ganglionblockade: Hemmung autonomer Ganglien mit moeglichem Blutdruckabfall (Hypotonie).
- Tachykardie: Durch Blockade muskarinischer Rezeptoren.
- Laengere Wirkdauer: Im Vergleich zu neueren Muskelrelaxanzien schlechter steuerbar.
- Kumulation: Bei eingeschraenkter Nierenfunktion erhoehtes Risiko prolongierter Laehmung.
Pharmakologische Besonderheiten
Tubocurarin ist ein quaternaeres Ammoniumsalz und damit stark polar. Es passiert weder die Blut-Hirn-Schranke noch die Plazentaschranke nennenswert, was seine Selektivitaet fuer die periphere neuromuskulaere Endplatte erklaert. Die Ausscheidung erfolgt ueberwiegend renal, weshalb bei Niereninsuffizienz besondere Vorsicht geboten ist.
Historische Bedeutung
Tubocurarin nimmt einen wichtigen Platz in der Geschichte der Pharmakologie und Anaesthesie ein. Es war das erste Muskelrelaxans, das gezielt in der klinischen Medizin genutzt wurde, und legte den Grundstein fuer die Entwicklung einer ganzen Klasse moderner neuromuskulaer blockierender Substanzen. Die Erforschung seines Wirkmechanismus trug massgeblich zum Verstaendnis der neuromuskulaeren Uebertragung bei.
Quellen
- Griffith HR, Johnson GE. The use of curare in general anesthesia. Anesthesiology. 1942;3(4):418-420.
- Bowman WC. Neuromuscular block. British Journal of Pharmacology. 2006;147(Suppl 1):S277-S286.
- Mutschler E, Schaefer-Korting M. Arzneimittelwirkungen - Lehrbuch der Pharmakologie und Toxikologie. 10. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2013.
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