Oberflächenanästhesie – Definition und Anwendung
Die Oberflächenanästhesie ist eine lokale Betäubungsmethode, bei der Schleimhäute oder Haut durch aufgetragene Anästhetika schmerzunempfindlich gemacht werden.
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Die Oberflächenanästhesie ist eine lokale Betäubungsmethode, bei der Schleimhäute oder Haut durch aufgetragene Anästhetika schmerzunempfindlich gemacht werden.
Was ist Oberflächenanästhesie?
Die Oberflächenanästhesie (auch topische Anästhesie genannt) ist eine Form der Lokalanästhesie, bei der ein Betäubungsmittel direkt auf die Oberfläche von Haut oder Schleimhäuten aufgetragen wird. Das Anästhetikum dringt in die obersten Gewebeschichten ein und schaltet die Schmerzempfindung in diesem Bereich vorübergehend aus, ohne dass eine Injektion notwendig ist. Sie wird in zahlreichen medizinischen Fachbereichen eingesetzt, darunter Zahnmedizin, Augenheilkunde, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Dermatologie und Notfallmedizin.
Wirkmechanismus
Die bei der Oberflächenanästhesie eingesetzten Wirkstoffe gehören zur Gruppe der Lokalanästhetika. Sie blockieren reversibel spannungsgesteuerte Natriumkanäle in den Nervenzellmembranen. Dadurch wird die Weiterleitung von Schmerzimpulsen entlang der Nervenfasern unterbrochen. Da die Wirkstoffe nur lokal an der Auftragungsstelle wirken und nicht in den Blutkreislauf gelangen, bleibt das Bewusstsein des Patienten vollständig erhalten.
Typische Wirkstoffe für die Oberflächenanästhesie sind:
- Lidocain (z. B. als Gel, Spray oder Creme)
- Tetracain (häufig in der Augenheilkunde)
- Benzocain (u. a. in der Zahnmedizin)
- Prilocain (oft in Kombination mit Lidocain als EMLA-Creme)
- Cocain (historisch und in der HNO-Medizin bei speziellen Eingriffen)
Darreichungsformen und Anwendung
Die Oberflächenanästhesie ist in verschiedenen Darreichungsformen verfügbar, die je nach Anwendungsgebiet ausgewählt werden:
- Gele und Cremes: Werden auf Schleimhäute oder Haut aufgetragen, z. B. EMLA-Creme vor Blutentnahmen bei Kindern oder Lidocaingel in der Urologie.
- Sprays: Besonders geeignet für Rachenraum, Kehlkopf und Atemwege, z. B. vor einer Magenspiegelung oder Intubation.
- Augentropfen: Werden in der Ophthalmologie vor Augenuntersuchungen oder kleinen Eingriffen am Auge eingesetzt.
- Lutschtabletten und Mundspülungen: Zur Schleimhautbetäubung im Mund- und Rachenraum.
- Pflaster: Spezielle Wirkstoffpflaster ermöglichen eine gleichmäßige und kontrollierte Wirkstoffabgabe über die Haut.
Anwendungsgebiete
Die Oberflächenanästhesie findet in vielen medizinischen Bereichen Anwendung:
- Zahnmedizin: Betäubung der Mundschleimhaut vor Injektionen oder kleineren Eingriffen.
- Augenheilkunde: Betäubung der Bindehaut und Hornhaut vor Augeninnendruckmessungen oder Operationen.
- HNO-Heilkunde: Betäubung von Nasen- und Rachenschleimhaut vor Spiegeluntersuchungen oder Eingriffen.
- Endoskopie: Betäubung des Rachens vor der Einführung eines Endoskops.
- Dermatologie: Schmerzreduktion vor Laserbehandlungen, Wundversorgung oder kleinen Hautoperationen.
- Urologie: Betäubung der Harnröhre vor dem Einführen von Kathetern.
- Pädiatrie: Schmerzarme Blutentnahmen oder Kanülierungen bei Kindern mithilfe von Betäubungscremes.
Wirkungseintritt und Wirkdauer
Der Wirkungseintritt der Oberflächenanästhesie hängt vom verwendeten Wirkstoff und der Darreichungsform ab. Sprays und Augentropfen wirken in der Regel innerhalb von Sekunden bis wenigen Minuten. Cremes und Pflaster benötigen je nach Präparat eine Einwirkzeit von 20 bis 60 Minuten, um eine ausreichende Betäubungstiefe zu erreichen. Die Wirkungsdauer beträgt üblicherweise zwischen 15 und 60 Minuten.
Nebenwirkungen und Risiken
Die Oberflächenanästhesie gilt bei sachgemäßer Anwendung als sehr sicher. Mögliche Nebenwirkungen umfassen:
- Lokale Hautreaktionen wie Rötung, Schwellung oder Brennen an der Auftragungsstelle
- Allergische Reaktionen auf den Wirkstoff oder Hilfsstoffe (selten)
- Bei übermäßiger Aufnahme in den Blutkreislauf (Resorption): Schwindel, Tinnitus, Kribbeln, in seltenen Fällen Herzrhythmusstörungen
- Methämoglobinämie bei hoher Prilocain-Exposition, insbesondere bei Neugeborenen und Säuglingen
Bei bestehenden Allergien gegen Lokalanästhetika sowie bei bestimmten Erkrankungen wie schwerem Herzrhythmusstörungen sollte die Anwendung nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.
Vorteile gegenüber anderen Anästhesieverfahren
Im Vergleich zur Infiltrationsanästhesie (Spritze) bietet die Oberflächenanästhesie entscheidende Vorteile:
- Kein invasiver Eingriff notwendig (keine Nadeln)
- Geringes Infektionsrisiko
- Besonders geeignet für Kinder und nadelscheue Patienten
- Einfache und schnelle Anwendung
- Geringeres Risiko systemischer Nebenwirkungen bei korrekter Dosierung
Quellen
- Larsen R. - Anästhesie und Intensivmedizin für die Fachpflege. Springer Verlag, 10. Auflage, 2021.
- Strichartz GR. - Neural Physiology and Local Anesthetic Action. In: Cousins MJ et al. (Hrsg.), Neural Blockade in Clinical Anesthesia. Lippincott Williams & Wilkins, 2012.
- Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) - Leitlinien zur Lokalanästhesie. AWMF-Leitlinienregister, 2022.
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