Itai-Itai-Krankheit: Ursachen, Symptome & Therapie
Die Itai-Itai-Krankheit ist eine schwere Vergiftungserkrankung durch chronische Cadmium-Exposition, die zu Knochenerweichung und Nierenversagen führt.
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Die Itai-Itai-Krankheit ist eine schwere Vergiftungserkrankung durch chronische Cadmium-Exposition, die zu Knochenerweichung und Nierenversagen führt.
Was ist die Itai-Itai-Krankheit?
Die Itai-Itai-Krankheit (japanisch: "Aua-Aua-Krankheit") ist eine chronische Schwermetallvergiftung, die durch langjährige Aufnahme von Cadmium verursacht wird. Sie wurde erstmals in der japanischen Provinz Toyama entlang des Jinzu-Flusses beschrieben, wo Bergbauabwässer das Trinkwasser und die Reisfelder der Bevölkerung mit Cadmium kontaminierten. Der Name leitet sich von den charakteristischen, intensiven Schmerzen ab, die Betroffene bei der geringsten Bewegung äußerten.
Ursachen
Die Erkrankung entsteht durch eine chronische Cadmium-Vergiftung (Cadmiumintoxikation). Cadmium ist ein toxisches Schwermetall, das in der Natur vorkommt und vor allem durch industrielle Prozesse wie Bergbau, Metallverhüttung und die Herstellung von Batterien in die Umwelt gelangt.
- Kontaminiertes Trinkwasser durch Bergbauabwässer
- Verzehr von cadmiumbelasteten Nahrungsmitteln, insbesondere Reis und Gemüse
- Inhalation von cadmiumhaltigem Staub in der Industrie
- Langfristige, niedrig dosierte Exposition über viele Jahre
Besonders gefährdet waren in Japan Frauen nach der Menopause mit Calciummangel, da Cadmium die Aufnahme und den Stoffwechsel von Calcium und Phosphat im Körper stört.
Symptome
Die Symptome der Itai-Itai-Krankheit entwickeln sich schleichend über viele Jahre und betreffen vor allem die Nieren und den Bewegungsapparat.
Nierenschäden
- Proteinurie: erhöhte Eiweißausscheidung im Urin
- Glucosurie (Zuckerausscheidung im Urin trotz normalen Blutzuckers)
- Aminoacidurie (erhöhte Aminosäureausscheidung im Urin)
- Fortschreitende Niereninsuffizienz (eingeschränkte Nierenfunktion)
Knochenschäden
- Osteomalazie: Knochenerweichung durch Mineralisierungsstörung
- Osteoporose: Abnahme der Knochendichte mit erhöhtem Frakturrisiko
- Spontanfrakturen, häufig an Wirbeln und Rippen
- Starke, generalisierte Skelettschmerzen bei jeder Bewegung
- Verformungen des Skeletts und Verkleinerung der Körpergröße
Allgemeinsymptome
- Starke Erschöpfung und allgemeine Schwäche
- Watschelgang durch Skelettdeformierungen
- Anämie (Blutarmut)
Diagnose
Die Diagnose der Itai-Itai-Krankheit basiert auf einer Kombination aus klinischen Befunden, Laboruntersuchungen und der Anamnese bezüglich einer cadmiumhaltigen Umgebungsexposition.
- Bestimmung der Cadmiumkonzentration im Urin und Blut
- Urinanalyse auf Proteinurie, Glucosurie und Aminoacidurie
- Nierenfunktionsparameter (Kreatinin, GFR)
- Röntgenuntersuchungen und Knochendichtemessung (Osteodensitometrie/DXA)
- Bestimmung von Calcium, Phosphat, Vitamin D und Parathormon im Blut
Behandlung
Eine spezifische Therapie, die die Cadmiumablagerungen aus dem Körper vollständig entfernt, existiert nicht, da Cadmium eine sehr lange biologische Halbwertszeit von 10 bis 30 Jahren im menschlichen Körper besitzt. Die Behandlung ist daher überwiegend symptomatisch und supportiv.
- Expositionsstopp: Sofortige und dauerhafte Unterbrechung der Cadmium-Exposition
- Calcium- und Vitamin-D-Substitution zur Behandlung der Osteomalazie
- Phosphatsubstitution bei Bedarf
- Behandlung der Niereninsuffizienz (Diät, Dialyse in fortgeschrittenen Fällen)
- Schmerztherapie zur Linderung der Knochenschmerzen
- Physiotherapie zur Erhaltung der Mobilität
Chelatbildner wie EDTA wurden in der Vergangenheit erprobt, sind jedoch bei Cadmiumvergiftung nur begrenzt wirksam und können bei bestehenden Nierenschäden sogar schädlich sein.
Bedeutung und Vorbeugung
Die Itai-Itai-Krankheit gilt als eines der ersten dokumentierten Beispiele einer Umweltvergiftung mit gesellschaftlicher Tragweite und führte in Japan zu bahnbrechenden Umweltschutzgesetzen. Zur Vorbeugung sind strenge Grenzwerte für Cadmium in Lebensmitteln, Trinkwasser und am Arbeitsplatz essenziell. Die Europäische Lebensmittelbehörde (EFSA) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben entsprechende Richtwerte für die tolerierbare wöchentliche Cadmiumaufnahme festgelegt.
Quellen
- Nogawa, K. & Kido, T. (1993): Itai-itai disease and exposure to cadmium. In: Environmental Research, 68(2), 95-102.
- World Health Organization (WHO): Cadmium - Environmental Health Criteria 134. Geneva, WHO Press.
- Satarug, S. et al. (2010): Cadmium, environmental exposure, and health outcomes. In: Environmental Health Perspectives, 118(2), 182-190.
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