Immunzellwanderung – Definition & Bedeutung
Immunzellwanderung beschreibt die gezielte Bewegung von Immunzellen durch den Körper zu Orten der Infektion oder Entzündung – ein zentraler Prozess der Immunabwehr.
Tipps & Infos zu Gesundheitsthemen Tipps & Infos zu GesundheitsthemenWissenswertes über "Immunzellwanderung"
Immunzellwanderung beschreibt die gezielte Bewegung von Immunzellen durch den Körper zu Orten der Infektion oder Entzündung – ein zentraler Prozess der Immunabwehr.
Was ist Immunzellwanderung?
Immunzellwanderung, auch als Immunzellmigration bezeichnet, beschreibt den Vorgang, bei dem Immunzellen gezielt durch den Körper wandern. Dieses Phänomen ist ein fundamentaler Bestandteil des menschlichen Immunsystems. Immunzellen entstehen im Knochenmark und müssen von dort aus zu verschiedenen Geweben, Lymphknoten oder Entzündungsherden gelangen, um ihre Schutzfunktion zu erfüllen. Ohne diese gezielte Wanderung wäre eine effektive Immunantwort nicht möglich.
Mechanismus der Immunzellwanderung
Die Wanderung von Immunzellen ist ein hochgradig regulierter Prozess, der von verschiedenen molekularen Signalen gesteuert wird. Er verläuft in mehreren Schritten:
- Chemotaxis: Immunzellen werden durch chemische Botenstoffe, sogenannte Chemokine, angelockt. Diese Signalmoleküle bilden einen Gradienten, dem die Immunzellen folgen – ähnlich wie ein Hund einer Geruchsspur folgt.
- Adhäsion: Damit Immunzellen aus dem Blut in das Gewebe einwandern können, müssen sie zunächst an die Innenwand der Blutgefäße (Endothel) anhaften. Dies geschieht über spezielle Oberflächenproteine, sogenannte Adhäsionsmoleküle.
- Diapedese (Transmigration): Nach der Anheftung zwängen sich die Immunzellen aktiv durch die Gefäßwand in das umliegende Gewebe – ein Vorgang, der als Diapedese bezeichnet wird.
- Migration im Gewebe: Im Gewebe angekommen, bewegen sich die Immunzellen mithilfe ihres Zytoskeletts – einem inneren Gerüst aus Proteinfasern – weiter in Richtung des Entzündungsherdes oder der Infektion.
Beteiligte Immunzellen
Verschiedene Typen von Immunzellen sind an der Wanderung beteiligt, darunter:
- Neutrophile Granulozyten: Die ersten Abwehrzellen, die bei einer Infektion einwandern – oft innerhalb von Minuten bis Stunden.
- Monozyten und Makrophagen: Diese Zellen folgen etwas später und sind für die langanhaltende Abwehr und die Beseitigung von Zelltrümmern zuständig.
- Dendritische Zellen: Sie nehmen Krankheitserreger auf und wandern zu Lymphknoten, um dort die adaptive Immunantwort einzuleiten.
- T-Lymphozyten und B-Lymphozyten: Diese Zellen der adaptiven Immunabwehr wandern zwischen Blut und lymphatischen Organen hin und her und gelangen bei Bedarf in entzündetes Gewebe.
- Natürliche Killerzellen (NK-Zellen): Diese Zellen zirkulieren kontinuierlich und wandern in Gewebe mit Tumorzellen oder virusinfizierte Bereiche.
Bedeutung für Gesundheit und Krankheit
Eine funktionierende Immunzellwanderung ist essenziell für die Abwehr von Infektionen, die Wundheilung und die Überwachung des Körpers auf Krebszellen. Störungen in diesem Prozess können jedoch zu verschiedenen Erkrankungen führen:
- Chronische Entzündungen: Eine überschießende oder anhaltende Einwanderung von Immunzellen in gesundes Gewebe kann Erkrankungen wie Rheumatoide Arthritis, Morbus Crohn oder Multiple Sklerose fördern.
- Immundefekte: Ist die Wanderungsfähigkeit der Immunzellen eingeschränkt, können Erreger nicht effektiv bekämpft werden, was zu erhöhter Infektanfälligkeit führt.
- Tumormetastasierung: Krebszellen können ähnliche Mechanismen wie Immunzellen nutzen, um sich im Körper zu verbreiten – ein Bereich intensiver Forschung.
- Allergien und Asthma: Fehlgeleitete Immunzellwanderung kann bei Allergien und Atemwegserkrankungen eine zentrale Rolle spielen.
Therapeutische Relevanz
Das Verständnis der Immunzellwanderung hat in der modernen Medizin große therapeutische Bedeutung erlangt. Gezielte Medikamente, sogenannte Migrationsinhibitoren oder Chemokin-Rezeptor-Antagonisten, können die überschießende Einwanderung von Immunzellen blockieren und so Entzündungsreaktionen dämpfen. Beispiele hierfür sind:
- Natalizumab: Ein monoklonaler Antikörper, der die Wanderung von Immunzellen ins Gehirn bei Multipler Sklerose hemmt.
- Vedolizumab: Hemmt die Einwanderung von Immunzellen in den Darm und wird bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen eingesetzt.
- CCR5-Antagonisten: Blockieren bestimmte Chemokinrezeptoren und werden beispielsweise in der HIV-Therapie genutzt.
Umgekehrt erforschen Wissenschaftler, wie die Immunzellwanderung in der Krebsimmuntherapie gestärkt werden kann, damit mehr Abwehrzellen in Tumorgewebe eindringen und dieses bekämpfen.
Quellen
- Ley, K. et al. (2007): Getting to the site of inflammation: the leukocyte adhesion cascade updated. Nature Reviews Immunology, 7(9), 678–689. doi:10.1038/nri2156
- Vestweber, D. (2015): How leukocytes cross the vascular endothelium. Nature Reviews Immunology, 15(11), 692–704. doi:10.1038/nri3908
- Griffith, J.W. et al. (2014): Chemokines and chemokine receptors: positioning cells for host defense and immunity. Annual Review of Immunology, 32, 659–702. doi:10.1146/annurev-immunol-032713-120145
Meistgekaufte Produkte
Der universelle Immunschutz
Als eines der wertvollsten körpereigenen Immunproteine ist Lactoferrin ein natürlicher Bestandteil des ImmunsystemsFür eine gesunde Mundflora & Zahnpflege
Formulierte Lutschtabletten mit AB-Dentalac®, probiotischen Milchsäurebakterien und Lactoferrin CLN®Die neusten Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategoriePhytosterolkomplex
Galaktooligosaccharidprofil
Wachstumsfaktortherapie
Die meistgelesenen Einträge
3 Beiträge in dieser Lexikon KategorieMagnesiumcarbonat
Kölner Liste
Kaloriengehalt
Verwandte Suchbegriffe: Immunzellwanderung + Immunzell-Wanderung + Immunzellmigration