Ösophagusmotilität – Funktion, Störungen & Behandlung
Die Ösophagusmotilität beschreibt die Bewegungsfähigkeit der Speiseröhre, die den Transport von Nahrung in den Magen ermöglicht. Störungen können Schluckbeschwerden verursachen.
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Die Ösophagusmotilität beschreibt die Bewegungsfähigkeit der Speiseröhre, die den Transport von Nahrung in den Magen ermöglicht. Störungen können Schluckbeschwerden verursachen.
Was ist Ösophagusmotilität?
Die Ösophagusmotilität bezeichnet die koordinierten Muskelbewegungen der Speiseröhre (Ösophagus), die dafür sorgen, dass Nahrung und Flüssigkeiten vom Mund in den Magen transportiert werden. Dieser Transportvorgang wird durch einen wellenförmigen Muskelkontraktionsmechanismus gesteuert, der als Peristaltik bezeichnet wird. Eine normale Ösophagusmotilität ist Voraussetzung für eine beschwerdefreie Nahrungsaufnahme.
Anatomie und Funktion der Speiseröhre
Die Speiseröhre ist ein etwa 25 cm langer Muskelschlauch, der den Rachen mit dem Magen verbindet. Ihre Wand besteht aus zwei Muskelschichten – einer inneren Ringmuskelschicht und einer äußeren Längsmuskelschicht. Beim Schlucken wird ein koordinierter Ablauf ausgelöst:
- Primäre Peristaltik: Ausgelöst durch den Schluckakt, transportiert den Nahrungsbissen gezielt in Richtung Magen.
- Sekundäre Peristaltik: Wird durch verbliebene Speisereste oder Reflux im Ösophagus ausgelöst, um diese in den Magen zu befördern.
- Unterer Ösophagussphinkter (UÖS): Ein ringförmiger Muskel am Mageneingang, der sich beim Schlucken öffnet und danach wieder schließt, um Magensäure am Rückfluss zu hindern.
Störungen der Ösophagusmotilität
Wenn die Muskelbewegungen der Speiseröhre gestört sind, spricht man von einer Ösophagusmotilitätsstörung. Diese können sich auf verschiedene Weisen äußern:
Häufige Motilitätsstörungen
- Achalasie: Der untere Ösophagussphinkter erschlafft nicht ausreichend, und die Peristaltik fehlt. Nahrung staut sich in der Speiseröhre.
- Diffuser Ösophagusspasmus: Unkontrollierte, nicht koordinierte Kontraktionen der Speiseröhrenmuskulatur, die starke Brustschmerzen verursachen können.
- Hypermotiler Ösophagus (Nussknacker-Ösophagus): Peristaltische Kontraktionen mit abnorm hohem Druck, oft verbunden mit Schmerzen und Schluckbeschwerden.
- Hypomotiler Ösophagus: Zu schwache Kontraktionen, häufig im Zusammenhang mit der gastroösophagealen Refluxkrankheit (GERD) oder systemischen Erkrankungen wie Sklerodermie.
- Ineffektive Ösophagusmotorik (IEM): Mehrere schwache oder fehlende Kontraktionen, oft assoziiert mit chronischem Sodbrennen.
Ursachen von Motilitätsstörungen
Motilitätsstörungen der Speiseröhre können verschiedene Ursachen haben:
- Neurologische Erkrankungen (z. B. Morbus Parkinson, Multiple Sklerose)
- Bindegewebserkrankungen (z. B. Sklerodermie)
- Autoimmunerkrankungen
- Chronischer gastroösophagealer Reflux (GERD)
- Psychosomatische Faktoren wie Stress und Angst
- Idiopathische Ursachen (ohne erkennbaren Auslöser)
Symptome
Typische Symptome, die auf eine gestörte Ösophagusmotilität hinweisen, sind:
- Dysphagie: Schluckbeschwerden, sowohl bei fester als auch bei flüssiger Nahrung
- Odynophagie: Schmerzen beim Schlucken
- Brustschmerzen, die mit Herzschmerzen verwechselt werden können
- Sodbrennen und Regurgitation (Rückfluss von Speisebrei)
- Gewichtsverlust durch eingeschränkte Nahrungsaufnahme
- Gefühl eines Klumpens im Hals (Globusgefühl)
Diagnose
Zur Abklärung von Ösophagusmotilitätsstörungen stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:
- Hochauflösende Manometrie (HRM): Goldstandard zur Messung von Druck und Koordination der Ösophagusmuskulatur. Sensoren messen die Druckverteilung entlang der gesamten Speiseröhre.
- Ösophago-Gastro-Duodenoskopie (ÖGD): Spiegelung der Speiseröhre zum Ausschluss struktureller Veränderungen.
- Breischluck (Ösophagusbreischluck): Röntgenuntersuchung nach Einnahme eines Kontrastmittels zur Beurteilung der Schluckfunktion.
- Impedanz-pH-Metrie: Messung von Refluxereignissen und Motilitätsmustern über 24 Stunden.
Behandlung
Die Behandlung richtet sich nach der Art und Ursache der Motilitätsstörung:
Konservative Maßnahmen
- Ernährungsanpassung: weiche, leicht schluckbare Kost, ausreichend Flüssigkeit
- Vermeidung von Auslösern wie Alkohol, Koffein und sehr heißen Speisen
- Stressreduktion und psychologische Unterstützung bei psychosomatischer Komponente
Medikamentöse Therapie
- Kalziumkanalblocker oder Nitrate zur Entspannung der Ösophagusmuskulatur
- Protonenpumpenhemmer (PPI) bei begleitendem Reflux
- Botulinum-Toxin-Injektion in den unteren Ösophagussphinkter bei Achalasie
Interventionelle und operative Verfahren
- Pneumatische Dilatation: Ballondehnung des unteren Ösophagussphinkters bei Achalasie
- Laparoskopische Heller-Myotomie: Chirurgische Durchtrennung der Sphinktermuskulatur
- POEM (Perorales endoskopisches Myotomie-Verfahren): Minimalinvasive endoskopische Methode zur Spaltung des unteren Ösophagussphinkters
Quellen
- Kahrilas PJ et al. - The Chicago Classification of esophageal motility disorders, v4.0. Neurogastroenterology and Motility, 2021.
- Yadlapati R et al. - Esophageal motility disorders on high-resolution manometry. Gastroenterology, 2021.
- Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) - Leitlinien zur gastroösophagealen Refluxkrankheit, 2023.
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