Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) – Definition und Wirkung
Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) sind hochreaktive Moleküle, die im Körper bei Stoffwechselprozessen entstehen und in hohen Mengen Zellen schädigen können.
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Reaktive Sauerstoffspezies (ROS) sind hochreaktive Moleküle, die im Körper bei Stoffwechselprozessen entstehen und in hohen Mengen Zellen schädigen können.
Was sind Reaktive Sauerstoffspezies?
Reaktive Sauerstoffspezies (kurz: ROS, vom englischen Reactive Oxygen Species) sind chemisch sehr reaktionsfreudige Moleküle und Molekülfragmente, die Sauerstoff enthalten. Sie entstehen als Nebenprodukte des normalen Zellstoffwechsels, vor allem bei der Energiegewinnung in den Mitochondrien. Zu den bekanntesten ROS zählen das Superoxid-Anion, das Wasserstoffperoxid sowie das hochreaktive Hydroxyl-Radikal.
In geringen Mengen erfüllen ROS wichtige biologische Aufgaben: Sie sind an der Immunabwehr beteiligt, regulieren Zellsignalwege und spielen eine Rolle bei der Zellteilung. Werden sie jedoch in zu großen Mengen gebildet oder ist die körpereigene Abwehr geschwächt, entsteht sogenannter oxidativer Stress, der Zellen, Proteine, Fette und die Erbsubstanz (DNA) schädigen kann.
Entstehung und Quellen
ROS entstehen sowohl durch körpereigene Prozesse als auch durch äußere Einflüsse:
- Zelluläre Atmung: Bei der Energieproduktion in den Mitochondrien entweichen kleine Mengen an Elektronen und reagieren mit Sauerstoff zu Superoxid-Anionen.
- Immunreaktion: Immunzellen wie Neutrophile und Makrophagen produzieren gezielt ROS, um Krankheitserreger abzutöten.
- Umweltfaktoren: UV-Strahlung, Luftverschmutzung, Zigarettenrauch, Alkohol und ionisierende Strahlung können die ROS-Produktion stark erhöhen.
- Intensiver Sport: Körperliche Belastung erhöht den Sauerstoffumsatz und damit auch die ROS-Bildung.
- Entzündungsprozesse: Bei chronischen Entzündungen werden dauerhaft erhöhte Mengen an ROS freigesetzt.
Biologische Funktionen
ROS sind nicht per se schädlich. In kontrollierter Menge übernehmen sie essentielle Aufgaben im Organismus:
- Regulation von Zellwachstum und Zelltod (Apoptose)
- Aktivierung von Signalmolekülen und Transkriptionsfaktoren
- Beteiligung an der angeborenen Immunabwehr (Abtöten von Bakterien und Viren)
- Unterstützung der Wundheilung
- Mitwirkung bei der Hormonbiosynthese (z. B. Schilddrüsenhormone)
Oxidativer Stress und Krankheiten
Wenn die Produktion von ROS die Kapazität der antioxidativen Schutzmechanismen übersteigt, spricht man von oxidativem Stress. Dieser Zustand wird mit einer Vielzahl von Erkrankungen in Verbindung gebracht:
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen: ROS fördern die Oxidation von LDL-Cholesterin und die Entstehung von Arteriosklerose.
- Neurodegenerative Erkrankungen: Erkrankungen wie Alzheimer und Parkinson stehen in engem Zusammenhang mit oxidativem Stress im Gehirn.
- Diabetes mellitus: Erhöhte ROS-Spiegel können die Insulinempfindlichkeit beeinträchtigen und Folgeschäden begünstigen.
- Krebsentstehung: Oxidative DNA-Schäden können Mutationen verursachen und so zur Entstehung von Tumoren beitragen.
- Alterungsprozess: Die kumulative Schädigung von Zellstrukturen durch ROS gilt als eine der zentralen Ursachen des biologischen Alterns.
Antioxidative Schutzmechanismen
Der Körper verfügt über ein ausgeklügeltes System, um ROS in Schach zu halten:
Enzymatische Antioxidantien
- Superoxid-Dismutase (SOD): Wandelt Superoxid-Anionen in Wasserstoffperoxid um.
- Katalase: Zerlegt Wasserstoffperoxid in Wasser und Sauerstoff.
- Glutathionperoxidase: Neutralisiert Peroxide mithilfe von Glutathion.
Nicht-enzymatische Antioxidantien
- Vitamin C (Ascorbinsäure): Wasserlösliches Antioxidans, das freie Radikale direkt abfängt.
- Vitamin E (Tocopherol): Fettlösliches Antioxidans, das Zellmembranen vor Oxidation schützt.
- Beta-Carotin und andere Carotinoide: Pflanzliche Farbstoffe mit antioxidativer Wirkung.
- Polyphenole: Sekundäre Pflanzenstoffe in Obst, Gemüse, Tee und Rotwein.
- Glutathion: Eines der wichtigsten intrazellulären Antioxidantien.
Diagnostik und Messung
Die Messung von oxidativem Stress im klinischen Alltag ist herausfordernd, da ROS sehr kurzlebig sind. Gebräuchliche Biomarker sind:
- Malondialdehyd (MDA): Abbauprodukt oxidierter Fettsäuren, gemessen im Blut oder Urin.
- 8-Hydroxy-2-Desoxyguanosin (8-OHdG): Marker für oxidative DNA-Schäden.
- Oxidiertes LDL: Hinweis auf Lipidperoxidation im Herz-Kreislauf-System.
- Glutathion-Status: Verhältnis von reduziertem zu oxidiertem Glutathion als Maß für den antioxidativen Schutz.
Therapeutische Ansätze
Die Reduktion von oxidativem Stress kann durch verschiedene Maßnahmen unterstützt werden:
- Ausgewogene Ernährung reich an Obst, Gemüse und Vollkornprodukten (hoher Antioxidantiengehalt)
- Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum
- Regelmäßige, moderate körperliche Aktivität (fördert die endogene Antioxidantenproduktion)
- Schutz vor übermäßiger UV-Strahlung
- Gezielte Supplementierung von Antioxidantien (z. B. Vitamin C, Vitamin E) bei nachgewiesenem Mangel -- in Rücksprache mit dem Arzt
Es ist wichtig zu beachten, dass eine übermäßige Supplementierung von Antioxidantien kontraproduktiv sein kann, da ROS in physiologischen Mengen wichtige Signalaufgaben erfüllen.
Quellen
- Sies, H. (2015): Oxidative stress: a concept in redox biology and medicine. Redox Biology, 4, 180-183. DOI: 10.1016/j.redox.2015.01.002
- Halliwell, B. & Gutteridge, J. M. C. (2015): Free Radicals in Biology and Medicine. 5. Auflage. Oxford University Press.
- World Health Organization (WHO): Noncommunicable diseases -- oxidative stress and chronic disease prevention. Verfügbar unter: https://www.who.int
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