Retikulozytenzahl – Bedeutung und Normalwerte
Die Retikulozytenzahl gibt an, wie viele unreife rote Blutkörperchen im Blut vorhanden sind. Sie ist ein wichtiger Marker zur Beurteilung der Blutbildung im Knochenmark.
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Die Retikulozytenzahl gibt an, wie viele unreife rote Blutkörperchen im Blut vorhanden sind. Sie ist ein wichtiger Marker zur Beurteilung der Blutbildung im Knochenmark.
Was ist die Retikulozytenzahl?
Die Retikulozytenzahl ist ein Laborwert, der die Anzahl der Retikulozyten im Blut misst. Retikulozyten sind unreife, noch nicht vollständig ausgereifte rote Blutkörperchen (Erythrozyten), die direkt aus dem Knochenmark in den Blutkreislauf übergehen. Sie enthalten noch Reste von ribosomaler RNA, die bei der Färbung im Labor sichtbar gemacht werden können. Innerhalb von ein bis zwei Tagen reifen Retikulozyten zu vollständigen Erythrozyten heran.
Die Bestimmung der Retikulozytenzahl liefert wichtige Informationen darüber, wie aktiv das Knochenmark neue rote Blutkörperchen produziert. Sie ist damit ein direkter Indikator für die Erythropoese, also die Blutbildung.
Normalwerte
Bei gesunden Erwachsenen liegt die Retikulozytenzahl üblicherweise zwischen 0,5 % und 2,5 % aller roten Blutkörperchen, was absolut gesehen etwa 25.000 bis 85.000 Retikulozyten pro Mikroliter Blut entspricht. Bei Neugeborenen sind die Werte physiologisch erhöht und normalisieren sich in den ersten Lebenswochen.
Klinische Bedeutung
Erhöhte Retikulozytenzahl (Retikulozytose)
Eine erhöhte Retikulozytenzahl weist darauf hin, dass das Knochenmark verstärkt neue rote Blutkörperchen produziert. Dies kann folgende Ursachen haben:
- Hämolytische Anämie: verstärkter Abbau von roten Blutkörperchen, auf den das Knochenmark mit verstärkter Produktion reagiert
- Blutungsereignisse: akuter Blutverlust führt zu kompensatorisch erhöhter Blutbildung
- Therapieansprache: erfolgreiche Behandlung eines Eisenmangels, eines Vitamin-B12-Mangels oder eines Folsäuremangels zeigt sich durch einen Anstieg der Retikulozyten
- Aufenthalt in großer Höhe: als Reaktion auf den reduzierten Sauerstoffgehalt der Luft
Erniedrigte Retikulozytenzahl (Retikulozytopenie)
Eine erniedrigte Retikulozytenzahl deutet auf eine verminderte oder gestörte Blutbildung im Knochenmark hin. Mögliche Ursachen sind:
- Aplastische Anämie: das Knochenmark produziert zu wenig Blutzellen
- Mangelanämien: Mangel an Eisen, Vitamin B12 oder Folsäure kann die Produktion hemmen
- Knochenmarkerkrankungen: z. B. Leukämie oder Myelodysplastisches Syndrom
- Niereninsuffizienz: verminderte Bildung von Erythropoetin, dem wichtigsten Hormon zur Stimulation der Blutbildung
- Chemotherapie oder Strahlentherapie
Diagnose und Messung
Die Retikulozytenzahl wird aus einer einfachen Blutprobe (venöse Blutentnahme) bestimmt. Im Labor werden die Blutzellen mit einem speziellen Farbstoff (z. B. Brillantkresylblau oder Neufuchsin) angefärbt, der die RNA-Reste in den Retikulozyten sichtbar macht. Moderne Hämatologieanalysatoren können die Messung automatisch und sehr präzise durchführen.
Neben dem prozentualen Anteil wird häufig auch der absolute Retikulozytenwert angegeben, der eine genauere Beurteilung der Knochenmarkaktivität ermöglicht. Ergänzend kann der Retikulozyten-Produktions-Index (RPI) berechnet werden, der den Schweregrad einer Anämie mit der Knochenmarkreserve in Beziehung setzt.
Wann wird die Retikulozytenzahl bestimmt?
Der Arzt oder die Ärztin ordnet diese Untersuchung typischerweise an bei:
- Abklärung einer Anämie (Blutarmut) und deren Ursache
- Verlaufskontrolle einer Anämie-Therapie
- Verdacht auf hämolytische Anämie
- Überwachung nach Knochenmarktransplantation
- Beurteilung der Knochenmarkfunktion bei onkologischen Erkrankungen
- Kontrolle unter Therapie mit Erythropoetin oder hämatopoetischen Wachstumsfaktoren
Quellen
- Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, 268. Auflage, De Gruyter Verlag, Berlin 2020.
- Bain BJ et al. - Dacie and Lewis Practical Haematology, 12th Edition, Elsevier, 2017.
- Weltgesundheitsorganisation (WHO) - Haemoglobin concentrations for the diagnosis of anaemia and assessment of severity. WHO/NMH/NHD/MNM/11.1, Genf, 2011.
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