Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) – Definition & Messung
Die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) misst, wie schnell elektrische Impulse entlang eines Nervs geleitet werden. Sie ist ein wichtiger Diagnosewert bei Nervenerkrankungen.
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Die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) misst, wie schnell elektrische Impulse entlang eines Nervs geleitet werden. Sie ist ein wichtiger Diagnosewert bei Nervenerkrankungen.
Was ist die Nervenleitgeschwindigkeit?
Die Nervenleitgeschwindigkeit (NLG) beschreibt die Geschwindigkeit, mit der ein elektrisches Signal entlang einer Nervenfaser weitergeleitet wird. Sie wird in Metern pro Sekunde (m/s) gemessen und gibt Aufschluss darüber, ob ein Nerv gesund und funktionsfähig ist. Die Messung der Nervenleitgeschwindigkeit ist ein zentrales diagnostisches Verfahren in der Neurologie.
Grundlagen der Nervenleitung
Nervenfasern leiten elektrische Impulse, sogenannte Aktionspotenziale, vom Gehirn zu Muskeln und Organen sowie von Sinnesorganen zurück zum Gehirn. Die Geschwindigkeit dieser Weiterleitung hängt wesentlich von zwei Faktoren ab:
- Myelinscheide: Viele Nervenfasern sind von einer isolierenden Fettschicht, der Myelinscheide, umhüllt. Diese ermöglicht eine schnelle, sogenannte saltatorische Erregungsleitung, bei der das Signal von Knoten zu Knoten springt.
- Faserdurchmesser: Dickere Nervenfasern leiten Signale schneller als dünnere.
Gesunde, gut myelinisierte Nervenfasern erreichen Leitungsgeschwindigkeiten von 40 bis 70 m/s, während unmyelinisierte Fasern nur 0,5 bis 2 m/s erreichen.
Wann wird die Nervenleitgeschwindigkeit gemessen?
Die NLG-Messung wird eingesetzt, wenn der Verdacht auf eine Erkrankung der peripheren Nerven besteht. Typische Anlässe sind:
- Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Brennen in Armen oder Beinen
- Muskelschwäche oder Lähmungserscheinungen
- Verdacht auf ein Karpaltunnelsyndrom
- Diabetische Polyneuropathie
- Entzündliche Nervenerkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom
- Engpasssyndrome (Nervenkompressionen)
Wie wird die Messung durchgeführt?
Die Nervenleitgeschwindigkeit wird im Rahmen einer Elektroneurographie (ENG) gemessen. Dabei werden Elektroden auf die Haut über dem zu untersuchenden Nerv aufgeklebt. Ein kurzer, schwacher elektrischer Impuls wird am einen Ende des Nervs ausgelöst, und am anderen Ende wird gemessen, wie lange das Signal für die bekannte Strecke benötigt. Aus Strecke und Zeit ergibt sich die Leitungsgeschwindigkeit.
Oft wird die ENG gemeinsam mit der Elektromyographie (EMG) durchgeführt, die die elektrische Aktivität der Muskulatur misst.
Interpretation der Messwerte
Die Normwerte der Nervenleitgeschwindigkeit variieren je nach Nerv, Alter und Körpertemperatur. Abweichungen geben Hinweise auf den Typ der Nervenschädigung:
- Verlangsamte Leitungsgeschwindigkeit: Deutet auf eine Schädigung der Myelinscheide hin (demyelinisierende Neuropathie), z. B. beim Karpaltunnelsyndrom oder bei der multiplen Sklerose.
- Vermindertes Aktionspotenzial (Amplitude): Deutet auf einen Verlust von Nervenfasern selbst hin (axonale Neuropathie), z. B. bei diabetischer Polyneuropathie.
- Kein messbares Signal: Kann auf eine vollständige Nervendurchtrennung hinweisen.
Einflussfaktoren auf die Nervenleitgeschwindigkeit
Verschiedene Faktoren können die NLG beeinflussen und müssen bei der Interpretation berücksichtigt werden:
- Körpertemperatur: Kälte verlangsamt die Nervenleitgeschwindigkeit erheblich. Deshalb wird die Hauttemperatur bei der Untersuchung kontrolliert.
- Alter: Mit zunehmendem Alter nimmt die NLG physiologisch leicht ab.
- Körpergröße: Längere Nervenfasern können geringfügig langsamere Leitungsgeschwindigkeiten aufweisen.
Bedeutung für die Diagnose
Die Nervenleitgeschwindigkeit ist ein unverzichtbares Werkzeug in der neurologischen Diagnostik. Sie hilft dabei, den Ort und die Art einer Nervenschädigung zu bestimmen, die Schwere der Erkrankung einzuschätzen und den Therapieverlauf zu überwachen. In Kombination mit klinischen Befunden und weiteren Untersuchungen ermöglicht sie eine präzise Diagnose von Nervenerkrankungen.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) - Leitlinie Polyneuropathien, aktualisierte Fassung (2023). Verfügbar unter: www.dgn.org
- Mumenthaler M., Mattle H. - Neurologie, 13. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart (2013).
- Preston D.C., Shapiro B.E. - Electromyography and Neuromuscular Disorders. Elsevier (2021).
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