Geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR)
Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) ist ein Laborwert, der die Nierenfunktion misst. Er gibt an, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern können.
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Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (eGFR) ist ein Laborwert, der die Nierenfunktion misst. Er gibt an, wie viel Blut die Nieren pro Minute filtern können.
Was ist die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate?
Die geschätzte glomeruläre Filtrationsrate (kurz: eGFR, von englisch estimated Glomerular Filtration Rate) ist ein wichtiger Laborwert zur Beurteilung der Nierenfunktion. Sie gibt an, wie viel Milliliter Blut die Nieren pro Minute filtern können. Da eine direkte Messung der Filtrationsleistung aufwendig ist, wird die eGFR mithilfe von Blutmesswerten und bestimmten Formeln berechnet – daher der Begriff geschätzt.
Die eGFR ist ein zentraler Parameter in der Nephrologie (Nierenheilkunde) und wird zur Diagnose, Stadieneinteilung und Verlaufskontrolle von Nierenerkrankungen eingesetzt.
Wie wird die eGFR berechnet?
Die eGFR wird auf Basis des Serum-Kreatinin-Wertes sowie weiterer Faktoren wie Alter, Geschlecht und in manchen Formeln auch der Körpergröße oder ethnischer Zugehörigkeit berechnet. Folgende Formeln werden häufig verwendet:
- CKD-EPI-Formel (Chronic Kidney Disease Epidemiology Collaboration): Aktueller Standard, empfohlen für Erwachsene.
- MDRD-Formel (Modification of Diet in Renal Disease): Ältere Formel, heute weniger gebräuchlich.
- Schwartz-Formel: Wird speziell für Kinder und Jugendliche angewendet.
Neuere Varianten der CKD-EPI-Formel (ab 2021) verzichten auf die Berücksichtigung der ethnischen Zugehörigkeit, um eine gerechtere Diagnostik zu gewährleisten.
Normwerte und Bedeutung
Der eGFR-Wert wird in der Einheit ml/min/1,73 m² angegeben und bezieht sich auf eine standardisierte Körperoberfläche. Bei gesunden Erwachsenen liegt die eGFR in der Regel bei 90 ml/min/1,73 m² oder höher. Mit zunehmendem Alter nimmt die Nierenfunktion physiologisch ab.
Anhand der eGFR werden chronische Nierenerkrankungen in fünf Stadien eingeteilt:
- Stadium G1: eGFR ≥ 90 – normale oder erhöhte Filtrationsrate
- Stadium G2: eGFR 60–89 – leicht eingeschränkte Nierenfunktion
- Stadium G3a: eGFR 45–59 – leicht bis mäßig eingeschränkt
- Stadium G3b: eGFR 30–44 – mäßig bis stark eingeschränkt
- Stadium G4: eGFR 15–29 – stark eingeschränkte Nierenfunktion
- Stadium G5: eGFR unter 15 – Nierenversagen, ggf. Dialysepflicht
Ursachen einer verminderten eGFR
Eine dauerhaft erniedrigte eGFR kann auf eine chronische Nierenerkrankung (CKD, Chronic Kidney Disease) hinweisen. Häufige Ursachen sind:
- Diabetes mellitus (diabetische Nephropathie)
- Bluthochdruck (hypertensive Nephropathie)
- Entzündliche Nierenerkrankungen (z. B. Glomerulonephritis)
- Polyzystische Nierenerkrankung
- Langzeiteinnahme bestimmter Medikamente (z. B. nichtsteroidale Antirheumatika)
- Wiederkehrende Harnwegsinfektionen
Symptome bei eingeschränkter Nierenfunktion
Eine verminderte eGFR verursacht oft lange keine Beschwerden. Erst bei stärker eingeschränkter Funktion können folgende Symptome auftreten:
- Müdigkeit und Erschöpfung
- Wassereinlagerungen (Ödeme), besonders an Beinen und Gesicht
- Veränderte Urinmenge oder -farbe
- Bluthochdruck
- Übelkeit und Appetitlosigkeit
- Juckreiz
Diagnose und Verlaufskontrolle
Die eGFR wird im Rahmen einer Blutuntersuchung bestimmt. Dabei wird der Kreatinin-Wert im Blut gemessen und in die entsprechende Formel eingesetzt. Ergänzend werden häufig der Harnstoffwert, das Cystatin C sowie eine Urinuntersuchung auf Albumin (Eiweiß im Urin) durchgeführt.
Bei bekannter Nierenerkrankung wird die eGFR regelmäßig kontrolliert, um den Verlauf zu überwachen und die Therapie anzupassen.
Behandlung bei eingeschränkter eGFR
Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Stadium der Nierenerkrankung. Allgemeine Maßnahmen umfassen:
- Optimale Einstellung von Blutdruck und Blutzucker
- Salzarme, eiweißkontrollierte Ernährung je nach Stadium
- Vermeidung nierenschädigender Substanzen
- Medikamentöse Therapie (z. B. ACE-Hemmer, SGLT2-Inhibitoren)
- Bei fortgeschrittenem Nierenversagen: Dialyse oder Nierentransplantation
Quellen
- Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) – CKD Work Group. KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney International, 2024.
- Levey AS et al. – A new equation to estimate glomerular filtration rate. Annals of Internal Medicine, 2009; 150(9): 604–612.
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) – Leitlinien zur chronischen Nierenerkrankung. www.dgfn.eu, abgerufen 2024.
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