Nervenwachstumsfaktor (NGF) – Definition & Funktion
Der Nervenwachstumsfaktor (NGF) ist ein körpereigenes Protein, das das Wachstum, die Entwicklung und das Überleben von Nervenzellen steuert und eine zentrale Rolle im Nervensystem spielt.
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Der Nervenwachstumsfaktor (NGF) ist ein körpereigenes Protein, das das Wachstum, die Entwicklung und das Überleben von Nervenzellen steuert und eine zentrale Rolle im Nervensystem spielt.
Was ist der Nervenwachstumsfaktor?
Der Nervenwachstumsfaktor (englisch: Nerve Growth Factor, kurz NGF) ist ein körpereigenes Signalprotein, das zur Familie der sogenannten Neurotrophine gehört. Diese Gruppe von Wachstumsfaktoren ist essenziell für die Entwicklung, das Wachstum, die Reifung und das Überleben von Nervenzellen (Neuronen). NGF wurde in den 1950er-Jahren von der Nobelpreisträgerin Rita Levi-Montalcini entdeckt und gilt als einer der wichtigsten biologischen Botenstoffe des Nervensystems.
Biologische Funktion
NGF wirkt, indem es an spezifische Rezeptoren auf der Oberfläche von Nervenzellen bindet. Die zwei wichtigsten Rezeptoren sind:
- TrkA (Tropomyosin-Rezeptor-Kinase A): Dieser hochaffine Rezeptor vermittelt die meisten überlebensfördernden und wachstumsstimulierenden Effekte von NGF.
- p75NTR (pan-Neurotrophin-Rezeptor): Dieser Rezeptor kann je nach Kontext sowohl das Zellüberleben fördern als auch den programmierten Zelltod (Apoptose) einleiten.
Durch die Bindung an TrkA aktiviert NGF eine Reihe intrazellulärer Signalkaskaden, die unter anderem das Zellwachstum fördern, die Differenzierung von Nervenzellen steuern und die Ausbildung von Nervenendigungen (Axone und Dendriten) unterstützen.
Vorkommen und Produktion
NGF wird von verschiedenen Zelltypen im Körper produziert, darunter:
- Muskelzellen
- Hautzellen (Keratinozyten)
- Immunzellen (z. B. Mastzellen, Makrophagen)
- Gliazellen im Gehirn (z. B. Astrozyten)
Der Wachstumsfaktor wird von den Zielorganen ausgeschüttet und von den Nervenendigungen aufgenommen, woraufhin er entlang der Nervenfortsätze (retrograder Transport) zum Zellkern transportiert wird, um dort seine Wirkung zu entfalten.
Bedeutung in der Entwicklung
In der Embryonalentwicklung ist NGF unverzichtbar für den Aufbau des peripheren Nervensystems. Es sorgt dafür, dass die richtigen Mengen an Nervenzellen überleben und sich korrekt verschalten. Ohne ausreichende NGF-Versorgung sterben bestimmte Nervenzellpopulationen durch programmierten Zelltod ab – ein Mechanismus, der auch als neuronale Apoptose bezeichnet wird.
Bedeutung für das Immunsystem und Schmerz
NGF spielt nicht nur im Nervensystem, sondern auch im Immunsystem eine wichtige Rolle. Es ist an Entzündungsprozessen beteiligt und beeinflusst die Schmerzwahrnehmung erheblich. Bei chronischen Entzündungen und Erkrankungen wie Arthrose oder chronischen Rückenschmerzen ist der NGF-Spiegel im betroffenen Gewebe häufig erhöht. Dies führt zu einer Sensibilisierung der Schmerzrezeptoren (Nozizeptoren) und trägt zur Entstehung und Aufrechterhaltung von chronischen Schmerzen bei.
NGF in der Medizin und Forschung
Neurodegenerative Erkrankungen
Da NGF das Überleben von cholinergen Nervenzellen im Gehirn fördert, wird seine Rolle bei neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer intensiv erforscht. Bei der Alzheimer-Erkrankung ist der NGF-Transport im Gehirn gestört, was zum Absterben von Nervenzellen beiträgt. Therapeutische Ansätze, die auf die Wiederherstellung der NGF-Signalgebung abzielen, werden klinisch untersucht.
Anti-NGF-Therapien bei Schmerz
Aufgrund der zentralen Rolle von NGF bei der Schmerzentwicklung wurden Antikörper entwickelt, die NGF gezielt blockieren. Diese sogenannten Anti-NGF-Antikörper (z. B. Tanezumab, Fasinumab) befinden sich in klinischen Studien oder sind bereits für bestimmte Indikationen zugelassen. Sie zeigen vielversprechende Ergebnisse bei der Behandlung von chronischen Schmerzen, etwa bei Arthrose oder chronischen Rückenschmerzen.
Wundheilung und Gewebereparatur
NGF ist auch an Prozessen der Wundheilung beteiligt, da es die Regeneration von Nervengewebe und die Aktivität von Immunzellen beeinflusst. Aktuell wird erforscht, ob NGF therapeutisch zur Förderung der Nervenregeneration nach Verletzungen eingesetzt werden kann.
Klinische Relevanz von NGF-Veränderungen
Sowohl ein Mangel als auch ein Überschuss an NGF kann pathologische Folgen haben:
- Zu wenig NGF: Kann zum Absterben von Nervenzellen, zu neurologischen Entwicklungsstörungen und zu einer eingeschränkten Schmerzwahrnehmung führen (kongenitale Schmerzunempfindlichkeit).
- Zu viel NGF: Ist mit chronischen Schmerzzuständen, Entzündungserkrankungen und möglicherweise der Entstehung bestimmter Tumorerkrankungen assoziiert.
Quellen
- Levi-Montalcini R. - The nerve growth factor 35 years later. Science. 1987;237(4819):1154-1162.
- Lewin GR, Bhide PG, Carter BD et al. - Nerve Growth Factor. In: Bhattacharya S, Bhide PG (Hrsg.): Neurotrophins. Springer, Berlin, 2014.
- Minnone G, De Benedetti F, Bracci-Laudiero L. - NGF and Its Receptors in the Regulation of Inflammatory Response. International Journal of Molecular Sciences. 2017;18(5):1028.
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