Ketamin: Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Ketamin ist ein Anästhetikum und Schmerzmittel, das in der Medizin zur Narkose und Schmerztherapie eingesetzt wird. Es wirkt schnell und hat besondere Bedeutung in der Notfallmedizin sowie in der Behandlung von Depressionen.
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Ketamin ist ein Anästhetikum und Schmerzmittel, das in der Medizin zur Narkose und Schmerztherapie eingesetzt wird. Es wirkt schnell und hat besondere Bedeutung in der Notfallmedizin sowie in der Behandlung von Depressionen.
Was ist Ketamin?
Ketamin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der dissoziativen Anästhetika. Es wird seit den 1960er-Jahren in der Medizin eingesetzt und ist heute in zahlreichen Bereichen der klinischen Praxis unverzichtbar. Ketamin ist auf der Liste der unentbehrlichen Arzneimittel der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelistet.
Wirkmechanismus
Ketamin wirkt hauptsächlich als NMDA-Rezeptor-Antagonist. Es blockiert den N-Methyl-D-Aspartat-Rezeptor (NMDA-Rezeptor) im Gehirn, der für die Schmerzweiterleitung und bestimmte Bewusstseinsprozesse zuständig ist. Durch diese Blockade entsteht ein Zustand der sogenannten dissoziativen Anästhesie: Der Patient ist von seiner Umgebung abgekoppelt, empfindet keinen Schmerz, behält aber häufig seine Schutzreflexe (z. B. Schluckreflex) und seine eigenständige Atmung. Zusätzlich besitzt Ketamin analgetische (schmerzlindernde), sedierende (beruhigende) und bronchodilatatorische (atemwegerweiternde) Eigenschaften.
Indikationen und Anwendungsgebiete
- Narkoseeinleitung und -erhaltung: besonders bei hämodynamisch instabilen Patienten (z. B. Schockzustand)
- Notfallmedizin und Rettungswesen: schnelle Analgesie und Sedierung auch unter schwierigen Bedingungen
- Schmerztherapie: bei akuten und chronischen Schmerzzuständen, die auf andere Mittel nicht ausreichend ansprechen
- Kinderheilkunde: Ketamin wird häufig für kurze Eingriffe bei Kindern eingesetzt, da es die Schutzreflexe weitgehend erhält
- Psychiatrie / Behandlung von Depressionen: Esketamin (ein Isomer von Ketamin) ist als Nasenspray (Spravato) zur Behandlung therapieresistenter Depressionen zugelassen
- Intensivmedizin: als Teil der Sedierung beatmeter Patienten
Dosierung und Anwendung
Ketamin kann intravenös (i.v.), intramuskulär (i.m.), intranasal, oral oder subkutan verabreicht werden. Die genaue Dosierung richtet sich nach dem Körpergewicht des Patienten, der Art des Eingriffs und dem gewünschten Anästhesiegrad. Typische Dosierungen für die Narkoseeinleitung liegen bei 1–2 mg/kg Körpergewicht intravenös bzw. 4–6 mg/kg intramuskulär. Die Anwendung erfolgt stets unter ärztlicher Aufsicht und in geeigneter medizinischer Umgebung.
Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente kann Ketamin Nebenwirkungen verursachen:
- Psychische Reaktionen: Halluzinationen, Albträume, Verwirrtheit und sogenannte Emergence-Reaktionen (unangenehme Erlebnisse beim Aufwachen) -- häufig bei Erwachsenen, seltener bei Kindern
- Blutdruckanstieg und erhöhte Herzfrequenz: Ketamin stimuliert das sympathische Nervensystem
- Erhöhter Augeninnendruck und Hirndruck: deshalb bei bestimmten Erkrankungen (z. B. Glaukom, Schädel-Hirn-Trauma mit erhöhtem Hirndruck) früher zurückhaltend eingesetzt -- neuere Evidenz relativiert dies jedoch
- Übelkeit und Erbrechen
- Hypersalivation: vermehrter Speichelfluss
Prävention von Emergence-Reaktionen
Zur Verminderung psychischer Nebenwirkungen beim Aufwachen wird Ketamin häufig in Kombination mit Benzodiazepinen (z. B. Midazolam) gegeben.
Kontraindikationen
Ketamin sollte nicht oder nur mit besonderer Vorsicht eingesetzt werden bei:
- Bekannter Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
- Unkontrolliertem Bluthochdruck oder schwerer Herzerkrankung
- Schlecht eingestelltem Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose)
- Psychiatrischen Erkrankungen mit Psychoserisiko (relative Kontraindikation)
Missbrauchspotenzial und rechtliche Einordnung
Ketamin besitzt ein Missbrauchspotenzial und wird gelegentlich als Freizeitdroge konsumiert. Chronischer Missbrauch kann zu schweren Blasen- und Nierenschäden (sogenannte Ketamin-Uropathie) sowie zu psychischer Abhängigkeit führen. In Deutschland unterliegt Ketamin dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG) und darf nur auf Betäubungsmittelrezept verschrieben werden.
Quellen
- World Health Organization (WHO): Model List of Essential Medicines, 23rd Edition, 2023. Verfügbar unter: https://www.who.int/publications/i/item/WHO-MHP-HPS-EML-2023.02
- Kurdi MS, Theerth KA, Deva RS: Ketamine: Current applications in anesthesia, pain, and critical care. Anesthesia Essays and Researches, 2014;8(3):283-290. DOI: 10.4103/0259-1162.143110
- Domino EF: Taming the ketamine tiger. Anesthesiology, 2010;113(3):678-684. DOI: 10.1097/ALN.0b013e3181ed09a2
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