Transepidermaler Wasserverlust (TEWL) – Hautbarriere
Der transepidermale Wasserverlust (TEWL) beschreibt die Menge an Wasser, die passiv durch die Haut an die Umgebung abgegeben wird. Er gilt als wichtiger Indikator für die Hautbarrierefunktion.
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Der transepidermale Wasserverlust (TEWL) beschreibt die Menge an Wasser, die passiv durch die Haut an die Umgebung abgegeben wird. Er gilt als wichtiger Indikator für die Hautbarrierefunktion.
Was ist der transepidermale Wasserverlust?
Der transepidermale Wasserverlust (kurz: TEWL, vom englischen Transepidermal Water Loss) bezeichnet die passive Verdunstung von Wasser durch die Haut in die Umgebungsluft. Dieser Prozess ist nicht mit dem aktiven Schwitzen zu verwechseln, sondern findet kontinuierlich und unbewusst statt. Der TEWL ist ein zentraler Parameter in der Dermatologie und Kosmetikwissenschaft, da er direkt Auskunft über den Zustand der Hautschutzbarriere gibt.
Die äußerste Schicht der Haut, das Stratum corneum (Hornschicht), bildet eine physikalische und chemische Schutzbarriere. Sie reguliert den Wasseraustausch zwischen dem Körperinneren und der Außenwelt. Je intakter diese Barriere ist, desto geringer ist der TEWL. Ist die Barriere gestört, steigt der Wasserverlust deutlich an.
Physiologie der Hautbarriere
Das Stratum corneum besteht aus abgestorbenen Hornzellen (Korneozyten), die in einer lipidreichen Matrix eingebettet sind. Diese Struktur wird oft als Ziegel-und-Mörtel-Modell beschrieben: Die Korneozyten sind die Ziegel, die Lipide (Ceramide, Fettsäuren, Cholesterin) der Mörtel. Dieses Zusammenspiel verhindert einen übermäßigen Wasseraustritt und schützt gleichzeitig vor dem Eindringen von Schadstoffen, Allergenen und Mikroorganismen.
- Ceramide: Wichtigste Lipidklasse der Hautbarriere, entscheidend für die Dichtheit der Barriere.
- Natürlicher Feuchtigkeitsfaktor (NMF): Hygroskopische Substanzen in den Korneozyten, die Wasser binden und die Flexibilität der Hornschicht erhalten.
- pH-Wert der Haut: Der leicht saure Hautoberflächen-pH (4,5–5,5) unterstützt die Barrierefunktion und hemmt das Wachstum pathogener Keime.
Messung des transepidermalen Wasserverlusts
Der TEWL wird mit speziellen Messgeräten, sogenannten Tewametern oder Evaporimetern, nicht-invasiv an der Hautoberfläche gemessen. Das Gerät erfasst den Wasserdampfgradienten unmittelbar über der Haut und berechnet daraus die Verdunstungsrate in der Einheit g/(m²·h) (Gramm pro Quadratmeter und Stunde).
Normwerte und Einflussfaktoren
Der TEWL-Normalwert an gesunder Haut liegt je nach Körperregion und Messbedingungen typischerweise zwischen 2 und 10 g/(m²·h). Beeinflusst wird die Messung durch:
- Umgebungstemperatur und relative Luftfeuchtigkeit
- Körperregion (z. B. Gesicht, Handflächen, Unterarm)
- Alter der Testperson
- Tageszeit und Akklimatisierung
- Vorherige Anwendung von Hautpflegeprodukten
Ursachen eines erhöhten TEWL
Ein erhöhter TEWL weist auf eine gestörte oder geschwächte Hautbarriere hin. Mögliche Ursachen sind:
- Atopisches Ekzem (Neurodermitis): Genetisch bedingte Störung der Barrierefunktion, oft verbunden mit Ceramidmangel und Filaggrin-Mutationen.
- Psoriasis (Schuppenflechte): Veränderte Differenzierung der Keratinozyten führt zu einer gestörten Barriere.
- Kontaktdermatitis: Irritative oder allergische Entzündungsreaktionen schädigen die Lipidstruktur des Stratum corneum.
- Ichthyosen: Genetische Verhornungsstörungen mit massiv erhöhtem TEWL.
- Mechanische oder chemische Einflüsse: Übermäßiges Waschen, aggressive Reinigungsmittel, UV-Strahlung oder Reibung.
- Alter: Mit zunehmendem Alter nimmt die Lipidsynthese der Haut ab, die Barrierefunktion schwächt sich ab.
Klinische Bedeutung
Der TEWL ist in der dermatologischen Forschung, in der Kosmetikindustrie sowie in der klinischen Praxis ein etablierter Biomarker. Er wird eingesetzt, um:
- Den Schweregrad von Hauterkrankungen objektiv zu beurteilen.
- Die Wirksamkeit von Hautpflegeprodukten, Feuchtigkeitscremes und Barrieresalben zu evaluieren.
- Das Risiko für die Entwicklung atopischer Erkrankungen bei Neugeborenen frühzeitig einzuschätzen.
- Die Hautverträglichkeit von Wirkstoffen in der pharmazeutischen und kosmetischen Entwicklung zu testen.
Behandlung und Prävention bei erhöhtem TEWL
Ziel therapeutischer Maßnahmen ist es, die Hautbarriere zu stärken und den Wasserverlust zu reduzieren. Folgende Ansätze kommen zum Einsatz:
Topische Behandlung
- Emollienzien und Feuchtigkeitscremes: Produkte mit Ceramiden, Hyaluronsäure, Glycerin und Urea unterstützen die Barrierefunktion und binden Wasser in der Hornschicht.
- Okklusive Substanzen: Vaseline oder Lanolin bilden eine physikalische Schutzschicht auf der Haut und reduzieren den TEWL direkt.
- Kortikosteroide und Calcineurin-Inhibitoren: Bei entzündlichen Dermatosen zur Reduktion der Entzündungsreaktion und sekundären Barriereregeneration.
Allgemeine Maßnahmen
- Schonendes, kurzes Baden oder Duschen mit lauwarmen Wasser.
- Verwendung pH-neutraler, seifenfreier Reinigungsprodukte.
- Regelmäßige Hautpflege unmittelbar nach dem Waschen (3-Minuten-Regel).
- Schutz vor extremer Kälte, Wind und niedrigen Luftfeuchtigkeiten.
TEWL bei Neugeborenen und Säuglingen
Bei Neugeborenen ist die Hautbarriere noch nicht vollständig ausgereift. Der TEWL ist in den ersten Lebenswochen deutlich erhöht und normalisiert sich innerhalb der ersten Monate. Studien zeigen, dass ein erhöhter TEWL in den ersten Lebenstagen ein prädiktiver Marker für die spätere Entwicklung von atopischem Ekzem und anderen allergischen Erkrankungen sein kann. Eine frühzeitige, konsequente Hautpflege mit barrierestärkenden Produkten kann das Risiko möglicherweise senken.
Quellen
- Fluhr JW, Darlenski R, Angelova-Fischer I, Tsankov N, Berardesca E. Skin irritation and sensitization: mechanisms and new approaches for risk assessment. Skin Pharmacol Physiol. 2008;21(3):124-135.
- Elias PM. Stratum corneum defensive functions: an integrated view. J Invest Dermatol. 2005;125(2):183-200.
- Lowe AJ et al. Transepidermal water loss as a predictor of atopic eczema development. J Allergy Clin Immunol. 2018;141(5):1682-1689.
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