Nierenersatzverfahren – Arten, Indikation & Therapie
Nierenersatzverfahren sind medizinische Behandlungen, die die Funktion erkrankter Nieren übernehmen. Sie kommen bei akutem oder chronischem Nierenversagen zum Einsatz.
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Nierenersatzverfahren sind medizinische Behandlungen, die die Funktion erkrankter Nieren übernehmen. Sie kommen bei akutem oder chronischem Nierenversagen zum Einsatz.
Was sind Nierenersatzverfahren?
Nierenersatzverfahren (auch Nierenersatztherapie genannt) sind medizinische Verfahren, die bei schwerem Nierenversagen die lebenswichtigen Funktionen der Nieren übernehmen oder unterstützen. Gesunde Nieren filtern täglich etwa 180 Liter Blut, entfernen Giftstoffe und überschüssiges Wasser und regulieren den Elektrolyt- und Säure-Basen-Haushalt. Versagen die Nieren, müssen diese Aufgaben durch technische oder biologische Verfahren ersetzt werden.
Ursachen und Indikationen
Nierenersatzverfahren werden eingesetzt, wenn die Nierenfunktion so stark eingeschränkt ist, dass sie das Leben des Patienten gefährdet. Häufige Ursachen für ein Nierenversagen, das ein Ersatzverfahren erforderlich macht, sind:
- Chronische Niereninsuffizienz im Endstadium (terminale Niereninsuffizienz, Stadium 5)
- Akutes Nierenversagen z. B. durch Schock, Vergiftung oder schwere Infektionen
- Diabetische Nephropathie (Nierenschädigung durch Diabetes mellitus)
- Hypertensive Nephropathie (Nierenschädigung durch langjährigen Bluthochdruck)
- Glomerulonephritis (Entzündung der Nierenkörperchen)
- Polyzystische Nierenerkrankung (erbliche Zystenbildung in der Niere)
Arten der Nierenersatzverfahren
Hämodialyse
Die Hämodialyse ist das weltweit am häufigsten eingesetzte Nierenersatzverfahren. Das Blut des Patienten wird über einen Gefäßzugang (meist eine operativ angelegte arteriovenöse Fistel am Arm) einem Dialysegerät zugeführt. Dort wird es durch eine semipermeable Membran geleitet, an der harnpflichtige Substanzen und überschüssiges Wasser in eine Dialyselösung übergehen. Gereinigtes Blut wird anschließend in den Körper zurückgeleitet. Eine Sitzung dauert in der Regel 3 bis 5 Stunden und wird meist dreimal pro Woche durchgeführt, entweder im Dialysezentrum oder in der Heimdialyse.
Peritonealdialyse
Bei der Peritonealdialyse wird das Bauchfell (Peritoneum) des Patienten als natürliche Filtermembran genutzt. Über einen operativ platzierten Katheter wird eine Spüllösung in die Bauchhöhle eingefüllt, verweilt dort für einige Stunden (bei der CAPD, der kontinuierlichen ambulanten Peritonealdialyse) oder wird nachts automatisch ausgetauscht (APD, automatisierte Peritonealdialyse). Die Peritonealdialyse kann zu Hause durchgeführt werden und bietet Patienten mehr Flexibilität im Alltag.
Nierentransplantation
Die Nierentransplantation gilt als die beste Therapieoption bei terminalem Nierenversagen. Dabei wird eine gesunde Spenderniere – von einem lebenden oder verstorbenen Spender – operativ im Beckenbereich des Empfängers eingesetzt. Nach erfolgreicher Transplantation übernimmt die neue Niere alle wichtigen Filterfunktionen. Patienten müssen lebenslang Immunsuppressiva einnehmen, um eine Abstoßungsreaktion zu verhindern. Aufgrund des Organmangels bestehen oft lange Wartezeiten.
Kontinuierliche Nierenersatzverfahren (CRRT)
In der Intensivmedizin kommen kontinuierliche Nierenersatzverfahren (englisch: Continuous Renal Replacement Therapy, CRRT) zum Einsatz, wenn Patienten mit akutem Nierenversagen hämodynamisch instabil sind und eine klassische intermittierende Hämodialyse nicht tolerieren würden. Verfahren wie die kontinuierliche venovenöse Hämofiltration (CVVH) oder die kontinuierliche venovenöse Hämodiafiltration (CVVHDF) laufen über 24 Stunden täglich und ermöglichen eine schonende, kontinuierliche Blutreinigung.
Diagnose und Indikationsstellung
Die Entscheidung für ein Nierenersatzverfahren basiert auf klinischen, laborchemischen und bildgebenden Befunden. Wichtige Parameter sind:
- Serumkreatinin und Harnstoff als Marker der Nierenfiltrationsleistung
- Glomeruläre Filtrationsrate (GFR): Ein Wert unter 10–15 ml/min gilt als typische Indikationsgrenze
- Elektrolytstörungen, insbesondere Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumspiegel)
- Überwässerung mit therapieresistenten Ödemen oder Lungenstauung
- Urämische Symptome wie Übelkeit, Verwirrtheit oder Perikarditis
Behandlung und Verlauf
Die Wahl des geeigneten Nierenersatzverfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Ausmaß und die Ursache des Nierenversagens, der Allgemeinzustand des Patienten, Begleiterkrankungen sowie die persönlichen Lebensumstände. Die Behandlung ist in den meisten Fällen dauerhaft. Regelmäßige nephrologische Kontrollen sowie die konsequente Behandlung von Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes sind essenziell, um Komplikationen zu vermeiden und die Lebensqualität zu erhalten.
Risiken und Komplikationen
- Hämodialyse: Infektionen am Gefäßzugang, Blutdruckschwankungen, Muskelkrämpfe, Anämie
- Peritonealdialyse: Peritonitis (Bauchfellentzündung), Katheterinfektionen, Hernien
- Nierentransplantation: Abstoßungsreaktionen, Infektionen durch Immunsuppression, erhöhtes Krebsrisiko
- CRRT: Blutungsrisiko durch Antikoagulation, Elektrolytstörungen, Hypothermie
Quellen
- Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) – Clinical Practice Guideline for Acute Kidney Injury. Kidney International Supplements, 2012.
- Deutsche Gesellschaft für Nephrologie (DGfN) – Leitlinien zur Nierenersatztherapie, 2020. Verfügbar unter: www.dgfn.eu
- Kuhlmann U., Böhler J., Luft F.C., Alscher M.D., Kunzendorf U. – Nephrologie: Pathophysiologie, Klinik, Nierenersatzverfahren. 6. Auflage. Georg Thieme Verlag, 2015.
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