Nervenleitungsgeschwindigkeit – Definition & Messung
Die Nervenleitungsgeschwindigkeit (NLG) misst, wie schnell elektrische Signale entlang eines Nervs geleitet werden. Sie ist ein wichtiger diagnostischer Parameter bei Nervenerkrankungen.
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Die Nervenleitungsgeschwindigkeit (NLG) misst, wie schnell elektrische Signale entlang eines Nervs geleitet werden. Sie ist ein wichtiger diagnostischer Parameter bei Nervenerkrankungen.
Was ist die Nervenleitungsgeschwindigkeit?
Die Nervenleitungsgeschwindigkeit (NLG) bezeichnet die Geschwindigkeit, mit der elektrische Impulse entlang einer Nervenfaser weitergeleitet werden. Sie wird in Metern pro Sekunde (m/s) angegeben und ist ein zentraler Messwert in der neurologischen Diagnostik. Die NLG gibt Auskunft darüber, ob ein Nerv strukturell intakt ist und seine Funktion normal erfüllt.
Grundsätzlich unterscheidet man zwei Arten von Nervenfasern: myelinisierte Fasern, die von einer isolierenden Myelinscheide umgeben sind und Signale sehr schnell weiterleiten, sowie unmyelinisierte Fasern, die langsamer arbeiten. Die Myelinscheide ermöglicht die sogenannte saltatorische Erregungsleitung, bei der der Impuls von einem Ranvierschen Schnürring zum nächsten springt und dadurch deutlich schneller fortgeleitet wird.
Normalwerte
Die Nervenleitungsgeschwindigkeit variiert je nach Nerventyp, Körperstelle und Alter der Person. Als grobe Orientierung gelten folgende Richtwerte:
- Motorische Nerven: 40–70 m/s
- Sensible Nerven: 40–70 m/s
- Unmyelinisierte C-Fasern: 0,5–2 m/s
Bei Kindern ist die NLG zunächst niedriger und erreicht erst im Alter von etwa 3–5 Jahren die Erwachsenenwerte. Im höheren Alter nimmt die NLG physiologisch leicht ab.
Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit
Die NLG wird im Rahmen einer Elektroneurographie (ENG) gemessen. Dabei wird ein Nerv an einer Stelle mit einem schwachen elektrischen Reiz stimuliert, und an einer anderen Stelle werden die ausgelösten elektrischen Potenziale mit Oberflächenelektroden abgeleitet.
Ablauf der Untersuchung
- Platzierung von Stimulations- und Ableitungselektroden auf der Haut
- Auslösung eines elektrischen Reizes am Nerv
- Messung der Latenzzeit zwischen Reiz und Antwort
- Berechnung der NLG aus der Distanz zwischen den Elektroden und der gemessenen Latenzzeit
Die Untersuchung ist in der Regel schmerzlos bis leicht unangenehm und dauert je nach Umfang etwa 20–60 Minuten. Eine besondere Vorbereitung ist meist nicht erforderlich.
Klinische Bedeutung
Eine veränderte Nervenleitungsgeschwindigkeit kann auf verschiedene Nervenerkrankungen hinweisen. Man unterscheidet dabei zwei grundlegende Schädigungsmuster:
Demyelinisierung
Bei der Demyelinisierung ist die Myelinscheide des Nervs geschädigt. Dies führt zu einer deutlich verlangsamten NLG. Typische Erkrankungen sind zum Beispiel das Guillain-Barré-Syndrom oder die Charcot-Marie-Tooth-Krankheit.
Axonale Schädigung
Bei einer axonalen Schädigung ist der eigentliche Nervenfortsatz (Axon) betroffen. Hier bleibt die NLG oft normal oder nur leicht verlangsamt, jedoch ist die Amplitude der abgeleiteten Potenziale reduziert. Ursachen können unter anderem Diabetes mellitus, Alkoholmissbrauch oder toxische Substanzen sein.
Erkrankungen, bei denen die NLG gemessen wird
- Karpaltunnelsyndrom (Engpass-Syndrom des Nervus medianus am Handgelenk)
- Diabetische Polyneuropathie (Nervenschädigung durch Diabetes)
- Multiple Sklerose (entzündliche Erkrankung des Zentralnervensystems)
- Guillain-Barré-Syndrom (akute entzündliche Polyneuropathie)
- Charcot-Marie-Tooth-Krankheit (erbliche Nervenerkrankung)
- Radikulopathien (Nervenwurzelkompressionen, z. B. durch Bandscheibenvorfälle)
Einschränkungen der Messung
Die NLG-Messung erfasst vorwiegend die schnell leitenden, myelinisierten Fasern. Erkrankungen, die ausschließlich dünne, unmyelinisierte Fasern betreffen (sogenannte Small-Fiber-Neuropathien), können mit der Standard-ENG nicht zuverlässig nachgewiesen werden. In solchen Fällen sind ergänzende Untersuchungen wie eine Hautbiopsie oder spezielle Schmerzfasertests notwendig.
Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinie Polyneuropathien, 2023. Verfügbar unter: https://www.dgn.org
- Kandel ER, Schwartz JH, Jessell TM et al.: Principles of Neural Science, 6. Auflage. McGraw-Hill Education, 2021.
- Stöhr M, Dichgans J, Buettner UW: Evozierte Potenziale und Neurographie. Springer-Verlag, 2019.
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