Neuroprotektivum: Definition, Wirkung und Anwendung
Ein Neuroprotektivum ist ein Wirkstoff oder eine Therapie, die Nervenzellen vor Schädigung oder Absterben schützt. Es wird bei neurologischen Erkrankungen eingesetzt.
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Ein Neuroprotektivum ist ein Wirkstoff oder eine Therapie, die Nervenzellen vor Schädigung oder Absterben schützt. Es wird bei neurologischen Erkrankungen eingesetzt.
Was ist ein Neuroprotektivum?
Der Begriff Neuroprotektivum (Plural: Neuroprotektiva) bezeichnet Substanzen, Wirkstoffe oder therapeutische Maßnahmen, die darauf abzielen, Nervenzellen (Neuronen) vor Schäden zu schützen, ihr Überleben zu fördern und den Verlust von Nervenfunktionen zu verlangsamen oder zu verhindern. Das Konzept der Neuroprotektion spielt in der modernen Neurologie und Neurochirurgie eine zentrale Rolle, insbesondere bei der Behandlung von Erkrankungen, bei denen Nervenzellen fortschreitend geschädigt werden.
Wirkmechanismus
Neuroprotektiva greifen auf verschiedenen Ebenen in die Schädigungsprozesse von Nervenzellen ein. Zu den wichtigsten Mechanismen gehören:
- Hemmung von Exzitotoxizität: Nervenzellen können durch eine Überaktivierung von Glutamatrezeptoren geschädigt werden. Neuroprotektiva können diesen Prozess blockieren.
- Reduktion von oxidativem Stress: Freie Radikale schädigen Nervenzellen. Antioxidative Neuroprotektiva neutralisieren diese schädlichen Moleküle.
- Entzündungshemmung: Chronische Entzündungen im Gehirn (Neuroinflammation) tragen zur Schädigung von Neuronen bei. Entzündungshemmende Substanzen können diesem entgegenwirken.
- Förderung des Zellüberlebens: Bestimmte Wachstumsfaktoren wie BDNF (Brain-Derived Neurotrophic Factor) oder NGF (Nerve Growth Factor) unterstützen das Überleben und die Regeneration von Nervenzellen.
- Stabilisierung der Mitochondrienfunktion: Mitochondrien liefern Energie für Nervenzellen. Neuroprotektiva können deren Funktion stabilisieren und so den Zelltod verhindern.
- Apoptosehemmung: Sie können den programmierten Zelltod (Apoptose) von Neuronen hemmen.
Anwendungsgebiete
Neuroprotektiva werden bei einer Vielzahl neurologischer Erkrankungen erforscht und eingesetzt, darunter:
- Morbus Parkinson: Substanzen wie MAO-B-Hemmer (z. B. Selegilin, Rasagilin) sollen den Untergang dopaminerger Neuronen verlangsamen.
- Morbus Alzheimer: Acetylcholinesterasehemmer und NMDA-Rezeptorantagonisten (z. B. Memantin) wirken neuroprotektiv.
- Schlaganfall (Ischämie): Nach einem Schlaganfall versucht man, Nervenzellen in der sogenannten Penumbra (gefährdete Randzone) durch neuroprotektive Maßnahmen zu retten.
- Multiple Sklerose: Immunmodulierende Therapien schützen indirekt Nervenfasern vor Demyelinisierung und axonaler Schädigung.
- Amyotrophe Lateralsklerose (ALS): Riluzol ist ein zugelassenes Neuroprotektivum, das die Glutamat-vermittelte Exzitotoxizität hemmt.
- Traumatische Hirnverletzungen: Verschiedene Ansätze zielen darauf ab, den sekundären Nervenzellschaden nach einem Trauma zu begrenzen.
Wichtige neuroprotektive Substanzen und Beispiele
Zu den bekanntesten und in der Praxis eingesetzten neuroprotektiven Substanzen zählen:
- Riluzol: Zugelassen zur Behandlung von ALS; hemmt Glutamatfreisetzung.
- Memantin: NMDA-Rezeptorantagonist, eingesetzt bei Alzheimer.
- Selegilin und Rasagilin: MAO-B-Hemmer bei Parkinson.
- Vitamin E und andere Antioxidanzien: Werden in der Forschung auf neuroprotektive Eigenschaften untersucht.
- Erythropoetin (EPO): Zeigt in Studien neuroprotektive Wirkung bei Schlaganfall und Frühgeburtlichkeit.
- Cannabinoide: Werden auf neuroprotektive Eigenschaften bei verschiedenen Erkrankungen untersucht.
Forschungsstand und Herausforderungen
Trotz vielversprechender Ergebnisse in Labor- und Tierstudien ist die klinische Entwicklung von Neuroprotektiva mit erheblichen Herausforderungen verbunden. Viele Substanzen, die in Tiermodellen wirksam waren, konnten ihre Wirksamkeit in klinischen Studien am Menschen nicht belegen. Gründe dafür sind die Komplexität des menschlichen Nervensystems, die schwierige Überwindung der Blut-Hirn-Schranke sowie der oft späte Therapiebeginn. Die Forschung auf diesem Gebiet ist sehr aktiv, und die Entwicklung neuer neuroprotektiver Strategien gilt als eine der wichtigsten Herausforderungen der modernen Neurologie.
Quellen
- Dirnagl, U., Iadecola, C., Moskowitz, M. A. (1999): Pathobiology of ischaemic stroke: an integrated view. In: Trends in Neurosciences, 22(9), 391-397.
- Przedborski, S., Vila, M., Jackson-Lewis, V. (2003): Neurodegeneration: What is it and where are we? In: Journal of Clinical Investigation, 111(1), 3-10.
- World Health Organization (WHO): Neurological Disorders: Public Health Challenges. WHO Press, Genf, 2006.
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