Testosteronbiosyntheseweg – Erklärung & Schritte
Der Testosteronbiosyntheseweg beschreibt die biochemischen Schritte, über die der Körper Testosteron aus Cholesterin herstellt. Er findet hauptsächlich in den Hoden, Eierstöcken und der Nebennierenrinde statt.
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Der Testosteronbiosyntheseweg beschreibt die biochemischen Schritte, über die der Körper Testosteron aus Cholesterin herstellt. Er findet hauptsächlich in den Hoden, Eierstöcken und der Nebennierenrinde statt.
Was ist der Testosteronbiosyntheseweg?
Der Testosteronbiosyntheseweg ist eine Abfolge enzymatischer Reaktionen, durch die der menschliche Körper das Steroidhormon Testosteron aus dem Ausgangsstoff Cholesterin synthetisiert. Testosteron gehört zur Gruppe der Androgene und spielt eine zentrale Rolle bei der Entwicklung männlicher Geschlechtsmerkmale, der Muskel- und Knochenmasse, der Libido sowie der Spermienproduktion. Auch im weiblichen Körper wird Testosteron in geringen Mengen produziert und ist für verschiedene physiologische Funktionen bedeutsam.
Wo findet die Biosynthese statt?
Die Testosteronbiosynthese erfolgt hauptsächlich in folgenden Geweben:
- Leydig-Zellen der Hoden (primäre Quelle beim Mann)
- Thekazellen der Eierstöcke (beim weiblichen Körper)
- Nebennierenrinde (in beiden Geschlechtern, allerdings in geringeren Mengen)
Regulation der Biosynthese
Die Testosteronproduktion wird durch die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse gesteuert. Der Hypothalamus schüttet das Gonadotropin-Releasing-Hormon (GnRH) aus, das die Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) zur Freisetzung von LH (Luteinisierendes Hormon) und FSH (Follikelstimulierendes Hormon) anregt. LH stimuliert direkt die Leydig-Zellen zur Testosteronsynthese. Über einen negativen Rückkopplungsmechanismus hemmt erhöhtes Testosteron wiederum die GnRH- und LH-Ausschüttung.
Biochemische Schritte des Testosteronbiosynthesewegs
Der Biosyntheseweg verläuft in mehreren enzymatischen Schritten:
1. Cholesterin zu Pregnenolon
Cholesterin wird durch das Enzym CYP11A1 (auch als Cholesterin-Seitenketten-Spaltungsenzym oder P450scc bekannt) in Pregnenolon umgewandelt. Dieser Schritt findet in den Mitochondrien statt und stellt den geschwindigkeitsbestimmenden Schritt der gesamten Steroidbiosynthese dar. Der Transport von Cholesterin in die innere Mitochondrienmembran wird durch das StAR-Protein (Steroidogenic Acute Regulatory Protein) reguliert.
2. Pregnenolon zu Progesteron oder DHEA
Pregnenolon kann auf zwei Wegen weiterverarbeitet werden:
- Delta-4-Weg (Progesteron-Weg): Pregnenolon wird durch 3beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase (3beta-HSD) zu Progesteron oxidiert.
- Delta-5-Weg (DHEA-Weg): Pregnenolon wird durch das Enzym CYP17A1 (17alpha-Hydroxylase) zunächst zu 17alpha-Hydroxypregnenolon und dann durch die Lyaseaktivität desselben Enzyms zu DHEA (Dehydroepiandrosteron) umgewandelt.
3. Androstendion als Zwischenstufe
Sowohl Progesteron als auch DHEA werden über weitere enzymatische Schritte zu Androstendion umgewandelt, einem direkten Vorläufer von Testosteron. Dabei wirken erneut 3beta-HSD und CYP17A1 mit.
4. Androstendion zu Testosteron
Androstendion wird durch das Enzym 17beta-Hydroxysteroid-Dehydrogenase (17beta-HSD), insbesondere den Typ 3, zu Testosteron reduziert. Dies ist der letzte Schritt der eigentlichen Testosteronsynthese.
5. Weiterverarbeitung von Testosteron
Testosteron kann anschließend durch weitere Enzyme modifiziert werden:
- Durch 5alpha-Reduktase wird es zu Dihydrotestosteron (DHT) umgewandelt, das eine noch stärkere androgene Wirkung besitzt.
- Durch das Enzym Aromatase (CYP19A1) kann Testosteron zu Estradiol (einem Östrogen) aromatisiert werden, was sowohl im männlichen als auch im weiblichen Körper von Bedeutung ist.
Klinische Bedeutung
Störungen im Testosteronbiosyntheseweg können zu verschiedenen Erkrankungen führen:
- Hypogonadismus: Unzureichende Testosteronproduktion durch Enzymdefekte oder eine gestörte Regulation der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse.
- Kongenitale Nebennierenrindenhyperplasie (CAH): Enzymmangel (z. B. 21-Hydroxylase-Mangel) führt zu einer Überproduktion von Androgenen.
- Polyzystisches Ovarsyndrom (PCOS): Bei betroffenen Frauen ist häufig die Androgenproduktion in den Eierstöcken erhöht.
- 5alpha-Reduktase-Mangel: Genetisch bedingter Defekt, der zu einer unvollständigen Virilisierung bei genetisch männlichen Personen führt.
Pharmakologisch wird der Testosteronbiosyntheseweg gezielt beeinflusst, beispielsweise durch Abirateron (CYP17A1-Inhibitor) in der Behandlung des Prostatakarzinoms oder durch 5alpha-Reduktase-Inhibitoren wie Finasterid bei der gutartigen Prostatavergrößerung.
Quellen
- Miller WL, Auchus RJ. The molecular biology, biochemistry, and physiology of human steroidogenesis and its disorders. Endocrine Reviews. 2011;32(1):81-151. doi:10.1210/er.2010-0013
- Häggström M, Richfield D. Diagram of the pathways of human steroidogenesis. WikiJournal of Medicine. 2014;1(1). doi:10.15347/wjm/2014.005
- Nieschlag E, Behre HM, Nieschlag S (Hrsg.). Andrologie: Grundlagen und Klinik der reproduktiven Gesundheit des Mannes. 3. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg, 2009.
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