Telithromycin: Wirkung, Anwendung & Risiken
Telithromycin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Ketolide und wird zur Behandlung von Atemwegsinfektionen eingesetzt. Es wirkt gegen eine Vielzahl bakterieller Erreger.
Tipps & Infos zu Gesundheitsthemen Tipps & Infos zu GesundheitsthemenWissenswertes über "Telithromycin"
Telithromycin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Ketolide und wird zur Behandlung von Atemwegsinfektionen eingesetzt. Es wirkt gegen eine Vielzahl bakterieller Erreger.
Was ist Telithromycin?
Telithromycin ist ein Antibiotikum aus der Wirkstoffklasse der Ketolide, die strukturell eng mit den Makrolid-Antibiotika verwandt sind. Es wurde speziell entwickelt, um auch gegen Bakterien wirksam zu sein, die gegen klassische Makrolide wie Erythromycin oder Azithromycin resistent geworden sind. In Deutschland und Europa war Telithromycin unter dem Handelsnamen Ketek zugelassen, die Zulassung wurde jedoch aufgrund von Sicherheitsbedenken stark eingeschrankt.
Indikationen
Telithromycin wurde ursprunglich zur Behandlung folgender bakterieller Atemwegsinfektionen eingesetzt:
- Ambulant erworbene Pneumonie (Lungenentzundung, die ausserhalb des Krankenhauses erworben wurde)
- Akute Exazerbation der chronischen Bronchitis
- Akute Sinusitis (Nasennebenhohlenentkundung)
- Tonsillitis und Pharyngitis (Mandel- und Rachenentzundung) durch Streptococcus pyogenes
Aufgrund schwerwiegender Nebenwirkungen wurde der Einsatz von Telithromycin in vielen Landern erheblich eingeschrankt oder vollstandig vom Markt genommen.
Wirkmechanismus
Telithromycin hemmt die bakterielle Proteinsynthese, indem es an die 50S-Untereinheit des bakteriellen Ribosoms bindet. Im Vergleich zu klassischen Makroliden besitzt Telithromycin eine hohere Bindungsaffinitat an zwei Stellen des Ribosoms (Domane II und V der 23S-rRNA), was seine Wirksamkeit auch gegenuber makrolidresistenten Bakterien erklart. Durch die Hemmung der Proteinsynthese konnen sich die Bakterien nicht mehr vermehren (bakteriostatische Wirkung), und das Immunsystem des Korpers kann die Infektion bekampfen.
Wirkspektrum
Telithromycin ist gegen eine Reihe von Bakterien wirksam, die haufig Atemwegsinfektionen verursachen:
- Streptococcus pneumoniae (einschliesslich penicillin- und makrolidresistenter Stamme)
- Haemophilus influenzae
- Moraxella catarrhalis
- Mycoplasma pneumoniae
- Chlamydophila pneumoniae
- Legionella pneumophila
Dosierung
Die ubliche Dosierung fur Erwachsene betrug 800 mg einmal taglich als orale Tablette, in der Regel uber 5 bis 10 Tage, abhangig von der Indikation. Telithromycin sollte nicht bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren angewendet werden. Bei Patienten mit schwerer Nierenfunktionsstorung war eine Dosisanpassung erforderlich.
Nebenwirkungen
Telithromycin ist wegen seiner schwerwiegenden Nebenwirkungen bekannt, die zu erheblichen Einschrankungen seiner Zulassung gefuhrt haben:
- Hepatotoxizitat: Schwere, teils todliche Leberschaden (akutes Leberversagen) wurden berichtet.
- Sehstorungen: Verschwommenes Sehen, Doppelbilder und Akkomodationsstorungen, insbesondere bei jungeren Patientinnen und Patienten.
- Verschlechterung einer Myasthenia gravis: Lebensgefahrliche Verschlechterung der neuromuskularen Erkrankung Myasthenia gravis wurde beschrieben.
- Kardiotoxizitat: Verlangerung des QT-Intervalls im EKG, was zu lebensgefahrlichen Herzrhythmusstorungen fuhren kann.
- Haufige Nebenwirkungen: Ubelkeit, Erbrechen, Durchfall, Kopfschmerzen und Schwindel.
Kontraindikationen
Telithromycin darf nicht angewendet werden bei:
- Bekannter Uberempfindlichkeit gegenuber Telithromycin, anderen Ketoliden oder Makroliden
- Myasthenia gravis oder fruherem Myasthenia-gravis-bedingtem Versagen der Atemmuskulatur
- Schwerer Leberinsuffizienz oder bekannter arzneimittelbedingter Leberschadigung durch Telithromycin
- Gleichzeitiger Einnahme von Cisaprid oder Pimozid (wegen QT-Zeit-Verlangerung)
Wechselwirkungen
Telithromycin wird uber das Enzym CYP3A4 in der Leber abgebaut und hemmt dieses Enzym gleichzeitig stark. Dadurch kann es zu erheblichen Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln kommen:
- Statine (z. B. Simvastatin, Lovastatin): Erhohtes Risiko fur Muskelschaden (Rhabdomyolyse)
- Immunsuppressiva (z. B. Ciclosporin, Tacrolimus): Erhohte Blutspiegel dieser Arzneimittel
- Antikoagulanzien (z. B. Warfarin): Veranderte Blutgerinnungsparameter
- Ergotamin-haltige Mittel: Risiko von Durchblutungsstorungen (Ergotismus)
Zulassungsstatus und klinische Bedeutung
Telithromycin (Ketek) war in der EU und den USA zugelassen, wurde jedoch aufgrund gehaufter Berichte uber schwere Leberschaden und andere schwerwiegende Nebenwirkungen in vielen Landern vom Markt zuruckgezogen oder stark in seinen Anwendungsgebieten eingeschrankt. Die Europaische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die US-amerikanische Food and Drug Administration (FDA) haben Warnhinweise herausgegeben. Heute hat Telithromycin in der klinischen Praxis kaum noch Bedeutung; es stehen sicherere Alternativen zur Verfugung.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Ketek (Telithromycin) - Summary of Product Characteristics. EMA, 2007.
- Zhanel GG et al. - The Ketolides: A Critical Review. Drugs, 2002; 62(12): 1771-1804.
- Bertram G. Katzung: Basic and Clinical Pharmacology. 14th Edition. McGraw-Hill Education, 2018.
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