Tibiaknochenmark: Funktion, Anatomie und Notfallzugang
Das Tibiaknochenmark ist das im Inneren des Schienbeins gelegene Knochenmark. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Blutbildung und dient als Zugangsweg in der Notfallmedizin.
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Das Tibiaknochenmark ist das im Inneren des Schienbeins gelegene Knochenmark. Es spielt eine wichtige Rolle bei der Blutbildung und dient als Zugangsweg in der Notfallmedizin.
Was ist das Tibiaknochenmark?
Das Tibiaknochenmark bezeichnet das Knochenmark, das sich im Inneren der Tibia (Schienbein) befindet. Die Tibia ist der groesste der beiden Unterschenkelknochen und beherbergt in ihrem Markraum sowohl rotes als auch gelbes Knochenmark, je nach Lebensalter und koerperlicher Verfassung des Menschen.
Knochenmark ist ein weiches, schwammartiges Gewebe im Inneren bestimmter Knochen. Das rote Knochenmark ist fuer die Haematopoese (Blutbildung) verantwortlich und produziert rote Blutkoerperchen, weisse Blutkoerperchen und Blutplaettchen. Das gelbe Knochenmark besteht hauptsaechlich aus Fettgewebe und dient als Energiespeicher.
Anatomie und Lage
Die Tibia ist der mediale (innen liegende) Knochen des Unterschenkels. Ihr Markraum erstreckt sich entlang des gesamten Schaftes. Besondere anatomische Bedeutung hat die proximale Tibia (oberer Bereich des Schienbeins, unterhalb des Kniegelenks), da dieser Bereich besonders gut zugaenglich ist und reichlich Knochenmark enthaelt.
- Proximale Tibia: Reich an rotem Knochenmark, besonders im Kindesalter
- Diaphyse (Schaft): Im Erwachsenenalter zunehmend gelbes (fetthaltiges) Knochenmark
- Distale Tibia: Weniger Markraum, geringere klinische Bedeutung
Funktion des Tibiaknochenmarks
Blutbildung (Haematopoese)
Im Kindesalter ist das Tibiaknochenmark aktiv an der Produktion von Blutzellen beteiligt. Mit zunehmendem Alter wird das rote Knochenmark in langen Roehrenknochen wie der Tibia schrittweise durch gelbes Knochenmark ersetzt. Beim Erwachsenen findet die aktive Blutbildung hauptsaechlich in den flachen und kurzen Knochen statt, etwa im Becken, Brustbein und in den Wirbelkoerpern.
Intraossaerer Zugang in der Notfallmedizin
Eine besonders wichtige klinische Anwendung des Tibiaknochenmarks ist der intraossaere (IO) Zugang. Dabei wird eine spezielle Nadel durch die Kortikalis (Knochenaussenschicht) in den Markraum der proximalen Tibia eingefuehrt. Ueber diesen Zugang koennen im Notfall schnell Medikamente und Fluessigkeiten direkt in den Blutkreislauf verabreicht werden, wenn ein venoeser Zugang nicht moeglich ist.
- Anwendung bei Reanimationen, schweren Verletzungen oder Schockzustaenden
- Geeignet fuer alle Altersgruppen, besonders haeufig bei Kindern eingesetzt
- Schnelle Verfuegbarkeit: Zugang innerhalb von Sekunden moeglich
- Medikamente erreichen den zentralen Kreislauf in vergleichbarer Geschwindigkeit wie bei einem intravenoesen Zugang
Klinische Bedeutung und Erkrankungen
Knochenmarkerkrankungen
Erkrankungen des Knochenmarks koennen auch das Tibiaknochenmark betreffen. Dazu gehoeren:
- Leukaeamie: Boesartige Erkrankung der blutbildenden Zellen im Knochenmark
- Myelom: Tumorerkrankung der Plasmazellen im Knochenmark
- Aplastische Anaemie: Versagen des Knochenmarks, ausreichend Blutzellen zu produzieren
- Knochenmarkmetastasen: Absiedlungen von Tumorzellen aus anderen Organen in den Markraum
Knochenmarkpunktion und -biopsie
Zur Diagnose von Knochenmarkerkrankungen kann eine Knochenmarkpunktion (Aspiration) oder Knochenmarkbiopsie durchgefuehrt werden. Haeufig genutzte Punktionsstellen sind der hintere Beckenkamm und das Brustbein; die Tibia wird vor allem bei Saeuglingen und Kleinkindern als Punktionsort gewaehlt.
Intraossaerer Zugang an der Tibia: Durchfuehrung
Der intraossaere Zugang an der proximalen Tibia ist ein etabliertes Notfallverfahren. Die Punktionsstelle liegt typischerweise 2 bis 3 cm unterhalb der Tuberositas tibiae (dem tastbaren Knochenvorsprung unterhalb der Kniescheibe) an der medialen (innenseitigen) Flaeche der Tibia.
- Es werden spezielle IO-Nadeln oder automatische Bohrvorrichtungen (z. B. EZ-IO) verwendet
- Das Verfahren ist auch durch weniger erfahrene Anwender schnell erlernbar
- Kontraindikationen: Frakturen des Knochens, Infektionen im Punktionsbereich, bereits vorhandener IO-Zugang im gleichen Knochen
Quellen
- Leidel, B.A. et al. (2012): Intraosseous versus intravenous vascular access in critically ill patients. Critical Care, 16(2), R50. PubMed.
- Orphanoudakis, E. et al. (2018): Bone Marrow: Anatomy, Physiology and Clinical Aspects. In: Haematopoiesis. IntechOpen.
- Deutsche Gesellschaft fuer Anaesthesiologie und Intensivmedizin (DGAI): Leitlinien zum intraossaeren Zugang im Notfall. www.dgai.de
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Verwandte Suchbegriffe: Tibiaknochenmark + Tibiamark + Knochenmark Tibia + Knochenmark Schienbein