Tertiärer Hyperparathyreoidismus – Ursachen & Therapie
Beim tertiären Hyperparathyreoidismus produzieren die Nebenschilddrüsen dauerhaft zu viel Parathormon – auch nach Behebung der Grunderkrankung. Er tritt häufig nach langjähriger Niereninsuffizienz auf.
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Beim tertiären Hyperparathyreoidismus produzieren die Nebenschilddrüsen dauerhaft zu viel Parathormon – auch nach Behebung der Grunderkrankung. Er tritt häufig nach langjähriger Niereninsuffizienz auf.
Was ist tertiärer Hyperparathyreoidismus?
Der tertiäre Hyperparathyreoidismus (tertiärer HPT) ist eine Erkrankung der Nebenschilddrüsen, bei der diese dauerhaft und unkontrolliert zu viel Parathormon (PTH) ausschütten – selbst dann, wenn der ursprüngliche Auslöser, meist eine chronische Nierenerkrankung, behandelt oder behoben wurde. Im Gegensatz zum sekundären Hyperparathyreoidismus, bei dem die Überproduktion von PTH eine Reaktion auf einen äußeren Reiz darstellt, ist beim tertiären HPT die Regulationsfähigkeit der Nebenschilddrüsen dauerhaft verloren gegangen. Die Drüsen agieren autonom und können den Kalziumspiegel im Blut nicht mehr angemessen regulieren.
Ursachen
Der tertiäre Hyperparathyreoidismus entwickelt sich in der Regel als Folge eines lang anhaltenden sekundären Hyperparathyreoidismus. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Chronische Niereninsuffizienz: Die häufigste Ursache. Bei eingeschränkter Nierenfunktion wird weniger aktives Vitamin D gebildet und Phosphat schlechter ausgeschieden, was zu einem dauerhaft erhöhten PTH-Reiz führt.
- Nierentransplantation: Auch nach erfolgreicher Nierentransplantation kann der bereits autonom gewordene Nebenschilddrüsenapparat weiterhin übermäßig PTH produzieren.
- Langjährige Malabsorptionssyndrome: Erkrankungen wie Morbus Crohn oder Zöliakie können bei jahrelangem Verlauf ebenfalls zur Entstehung beitragen.
Durch den anhaltenden Reiz kommt es zur Hyperplasie (Vergrößerung) der Nebenschilddrüsen, die schließlich eine autonome, nicht mehr steuerbare PTH-Produktion entwickeln.
Symptome
Die Symptome des tertiären HPT werden hauptsächlich durch den dauerhaft erhöhten Kalziumspiegel im Blut (Hyperkalzämie) und die Wirkung von überschüssigem PTH auf den Knochen verursacht:
- Knochenschmerzen und erhöhte Knochenbrüchigkeit (Osteitis fibrosa cystica)
- Nierensteine (Nephrolithiasis) und Nierenverkalkung (Nephrokalzinose)
- Muskelschwäche und allgemeine Erschöpfung
- Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit
- Psychische Symptome wie Konzentrationsstörungen, Stimmungsschwankungen oder depressive Verstimmungen
- Herzrhythmusstörungen durch erhöhte Kalziumwerte
- Verkalkungen in Weichteilen und Blutgefäßen
Diagnose
Die Diagnose des tertiären Hyperparathyreoidismus stützt sich auf eine Kombination aus Laborbefunden und bildgebenden Verfahren:
Labordiagnostik
- Dauerhaft erhöhtes Parathormon (PTH) im Blut
- Erhöhtes Serumkalzium (Hyperkalzämie)
- Veränderte Phosphatwerte im Blut
- Bestimmung von Vitamin D (25-OH-Vitamin D)
- Nierenfunktionsparameter (Kreatinin, GFR)
Bildgebung
- Sonographie (Ultraschall) der Nebenschilddrüsen zur Darstellung vergrößerter Drüsen
- Sestamibi-Szintigraphie (Nebenschilddrüsenszintigraphie) zur genauen Lokalisation der betroffenen Drüsen
- 4D-CT oder MRT für eine detailliertere Bildgebung vor einer Operation
- Knochendichtemessung (DXA) zur Beurteilung des Ausmaßes der Knochenbeteiligung
Behandlung
Da der tertiäre HPT durch eine autonome, nicht mehr regulierbare PTH-Produktion charakterisiert ist, sprechen medikamentöse Maßnahmen oft nur unzureichend an. Die Therapie der Wahl ist in den meisten Fällen operativ.
Operative Behandlung (Parathyreoidektomie)
Die Parathyreoidektomie – die operative Entfernung der überaktiven Nebenschilddrüsen – ist die Standardtherapie. Je nach Befund wird eine subtotale (Entfernung von 3,5 der 4 Drüsen) oder eine totale Parathyreoidektomie mit anschließender Autotransplantation von Nebenschilddrüsengewebe durchgeführt. Das Ziel ist, die PTH-Überproduktion dauerhaft zu unterbinden und den Kalziumspiegel zu normalisieren.
Medikamentöse Behandlung
In Fällen, in denen eine Operation nicht möglich ist oder als Überbrückungstherapie, kommen folgende Medikamente zum Einsatz:
- Kalzimimetika (z. B. Cinacalcet): Diese Wirkstoffe erhöhen die Empfindlichkeit der Kalzium-Sensing-Rezeptoren in den Nebenschilddrüsen und können die PTH-Ausschüttung reduzieren.
- Vitamin-D-Analoga (z. B. Paricalcitol, Calcitriol): Können die PTH-Produktion hemmen, sind beim tertiären HPT jedoch oft weniger wirksam.
- Phosphatbinder zur Kontrolle des Phosphatspiegels.
Nachsorge
Nach einer Operation sind regelmäßige Kontrollen der Kalzium-, Phosphat- und PTH-Spiegel notwendig. Häufig ist eine vorübergehende Kalzium- und Vitamin-D-Substitution erforderlich, da die verbleibenden Drüsen zunächst in ihrer Funktion eingeschränkt sein können (Hungry-Bone-Syndrom).
Quellen
- Bilezikian J.P. et al. - Guidelines for the Management of Asymptomatic Primary Hyperparathyroidism, Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism, 2022.
- KDIGO (Kidney Disease: Improving Global Outcomes) - Clinical Practice Guideline for the Diagnosis, Evaluation, Prevention, and Treatment of Chronic Kidney Disease-Mineral and Bone Disorder (CKD-MBD), 2017.
- Longo D.L. et al. - Harrison's Principles of Internal Medicine, 21. Auflage, McGraw-Hill, 2022.
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