Tesamorelin – Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Tesamorelin ist ein synthetisches Analogon des Wachstumshormon-Releasing-Hormons (GHRH), das zur Behandlung von HIV-assoziierter Lipodystrophie eingesetzt wird.
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Tesamorelin ist ein synthetisches Analogon des Wachstumshormon-Releasing-Hormons (GHRH), das zur Behandlung von HIV-assoziierter Lipodystrophie eingesetzt wird.
Was ist Tesamorelin?
Tesamorelin ist ein synthetisch hergestelltes Peptidhormon, das dem natuerlich vorkommenden menschlichen Wachstumshormon-Releasing-Hormon (GHRH) strukturell sehr aehnlich ist. Es besteht aus 44 Aminosaeuren und wird als subkutane Injektion verabreicht. In der Medizin wird Tesamorelin unter dem Handelsnamen Egrifta eingesetzt.
Indikation
Tesamorelin ist zugelassen fuer die Behandlung der HIV-assoziierten Lipodystrophie bei Erwachsenen. Diese Erkrankung ist eine Stoffwechselkomplikation, die haeufig bei HIV-Patienten unter antiretroviraler Therapie auftritt und sich durch eine unerwnschte Ansammlung von viszeralem Fettgewebe (Bauchfett) auszeichnet. Tesamorelin ist speziell zur Reduzierung dieses excess visceralen Fetts zugelassen.
Wirkmechanismus
Tesamorelin bindet an die GHRH-Rezeptoren im Hypophysenvorderlappen und stimuliert dort die Freisetzung von Wachstumshormon (GH). Das freigesetzte Wachstumshormon foerdert die Lipolyse, also den Abbau von Fettgewebe, insbesondere im Bauchbereich. Im Unterschied zur direkten Gabe von Wachstumshormon ahmt Tesamorelin den physiologischen Mechanismus der Wachstumshormonausschuettung nach und unterstuetzt so eine natuerlichere Regulation des Wachstumshormonspiegels.
Dosierung und Anwendung
Die empfohlene Dosis betraegt 2 mg Tesamorelin taeglich als subkutane Injektion in den Bauchbereich. Die Injektion erfolgt einmal taeglich, vorzugsweise zur gleichen Tageszeit. Patienten koennen nach entsprechender Schulung die Injektion selbst durchfuehren. Eine regelmaessige Ueberwachung der Behandlung durch einen Arzt ist erforderlich.
Nebenwirkungen
Wie alle Arzneimittel kann Tesamorelin Nebenwirkungen verursachen. Zu den haeufig berichteten Nebenwirkungen gehoeren:
- Reaktionen an der Injektionsstelle (Roetung, Schwellung, Schmerz)
- Gelenkschmerzen (Arthralgie)
- Wassereinlagerungen (peripheres Oedem)
- Karpaltunnelsyndrom
- Erhoehte Blutzuckerspiegel (Hyperglykamie)
- Uebelkeit und Magenunbehagen
Patienten mit Diabetes oder Praediabetes sollten engmaschig ueberwacht werden, da Tesamorelin den Insulinresistenz-Status beeinflussen kann.
Gegenanzeigen
Tesamorelin darf nicht angewendet werden bei:
- Ueberempfindlichkeit gegenueber dem Wirkstoff oder einem der sonstigen Bestandteile
- Aktiven Malignitaeten (boesartige Tumorerkrankungen)
- Hypophysenerkrankungen oder -tumoren
- Schwangerschaft und Stillzeit
- Personen unter 18 Jahren
Wechselwirkungen
Tesamorelin kann mit verschiedenen Arzneimitteln interagieren. Besondere Aufmerksamkeit ist geboten bei:
- Kortikosteroiden: Diese koennen die Wirkung von Tesamorelin abschwaechen.
- Insulinsensitizern und Antidiabetika: Eine Dosisanpassung kann erforderlich sein.
- Antiretroviralen Medikamenten: Wechselwirkungen koennen den Metabolismus beeinflussen.
Behandlungskontext und klinische Evidenz
In klinischen Studien zeigte Tesamorelin eine signifikante Reduktion des viszeralen Fettgewebes bei HIV-infizierten Patienten mit Lipodystrophie. Die Behandlung verbesserte nicht nur kosmetische Aspekte, sondern auch metabolische Parameter wie den Triglyzeridspiegel. Die Wirkung haelt jedoch nur bei fortgesetzter Therapie an; nach dem Absetzen kann das viszerale Fett wieder zunehmen.
Quellen
- Falutz J et al. - Metabolic effects of a growth hormone-releasing factor in patients with HIV. N Engl J Med. 2007;357(23):2359-2370.
- European Medicines Agency (EMA) - Egrifta (Tesamorelin) Produktinformation, 2015.
- Grinspoon SK, Carr A. - Cardiovascular risk and body-fat abnormalities in HIV-infected adults. N Engl J Med. 2005;352(1):48-62.
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