Fasciculus cuneatus – Funktion und Anatomie
Der Fasciculus cuneatus ist ein Nervenfaserbündel im Rückenmark, das Berührungs-, Druck- und Lagesinn von Armen und Oberkörper zum Gehirn leitet.
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Der Fasciculus cuneatus ist ein Nervenfaserbündel im Rückenmark, das Berührungs-, Druck- und Lagesinn von Armen und Oberkörper zum Gehirn leitet.
Was ist der Fasciculus cuneatus?
Der Fasciculus cuneatus (lateinisch für keilförmiges Bündel) ist ein aufsteigendes Nervenfaserbündel im Rückenmark, das zum sogenannten Hinterstrang (Funiculus posterior) gehört. Er verläuft im hinteren, medialen Anteil des Rückenmarks und leitet sensible Informationen von der oberen Körperhälfte – also von Armen, Händen und dem oberen Rumpf – zum Gehirn weiter. Gemeinsam mit dem benachbarten Fasciculus gracilis, der die untere Körperhälfte versorgt, bildet er das Hinterstrangsystem, eine der wichtigsten sensiblen Leitungsbahnen des zentralen Nervensystems.
Anatomie und Verlauf
Der Fasciculus cuneatus liegt im dorsalen (hinteren) Teil des Rückenmarks, lateral des Fasciculus gracilis. Er besteht aus den zentralen Fortsätzen (Axonen) der ersten Neurone des sensiblen Systems, deren Zellkörper im Spinalganglion sitzen. Diese Axone treten über die Hinterwurzel in das Rückenmark ein und steigen ipsilateral (auf der gleichen Körperseite) im Hinterstrang auf.
- Ursprung: Hinterwurzeln der Rückenmarkssegmente C1 bis T6 (Halsmark und oberes Brustmark)
- Verlauf: Aufsteigend im dorsolateralen Hinterstrang des Rückenmarks
- Zielstruktur: Nucleus cuneatus in der Medulla oblongata (verlängertes Mark)
Im Nucleus cuneatus, der sich in der Medulla oblongata befindet, erfolgt die Umschaltung auf das zweite Neuron. Von dort kreuzen die Fasern zur Gegenseite (Dekussation) und steigen als Lemniscus medialis weiter zum Thalamus auf, von wo aus die Informationen schließlich zur Großhirnrinde (somatosensorischer Kortex) weitergeleitet werden.
Funktion
Der Fasciculus cuneatus ist für die Übertragung verschiedener Arten von Tiefensensibilität und Oberflächensensibilität aus der oberen Körperhälfte verantwortlich:
- Berührungsempfindung: Feines, differenziertes Tastgefühl (epikritische Sensibilität)
- Druckempfindung: Wahrnehmung von mechanischem Druck auf Haut und Gewebe
- Vibrationsempfindung: Erkennung von Schwingungen, z. B. durch eine Stimmgabel
- Propriozeption: Lage- und Bewegungssinn der Gelenke und Muskeln (Tiefensensibilität)
- Zwei-Punkt-Diskrimination: Fähigkeit, zwei nahe beieinanderliegende Berührungspunkte voneinander zu unterscheiden
Klinische Bedeutung und Störungen
Schädigungen des Fasciculus cuneatus führen zu charakteristischen neurologischen Ausfällen, die vor allem die ipsilaterale (gleichseitige) obere Körperhälfte betreffen. Typische Ursachen einer Hinterstrangläsion sind:
- Funikuläre Myelose: Rückenmarkserkrankung durch Vitamin-B12-Mangel, die zu Demyelinisierung im Hinterstrang führt
- Rückenmarkstrauma: Verletzungen des Halsmarks, z. B. durch Unfälle
- Multiple Sklerose: Demyelinisierung der Hinterstrangfasern durch Entzündungsprozesse
- Tabes dorsalis: Spätstadium der Syphilis mit Degeneration der Hinterstränge
- Spinale Tumoren oder Ischämie
Klinische Zeichen einer Fasciculus-cuneatus-Läsion umfassen:
- Verlust des Vibrationsempfindens (Pallhypästhesie oder Pallhypalgesie)
- Verlust des Lagesinns (Bathyhypästhesie)
- Sensibilitätsstörungen wie Kribbeln oder Taubheitsgefühl in Armen und Händen
- Ataktische Gangstörung durch fehlende Propriozeption (sensorische Ataxie)
- Positiver Romberg-Test (Schwanken bei geschlossenen Augen)
Diagnostik
Die Funktion des Fasciculus cuneatus wird im Rahmen der neurologischen Untersuchung durch gezielte Sensibilitätstests geprüft:
- Stimmgabeltest: Prüfung des Vibrationsempfindens an knöchernen Vorsprüngen
- Lagesinnprüfung: Passive Bewegung von Finger- oder Zehengelenken
- Romberg-Test: Gleichgewichtstest bei geschlossenen Augen
- MRT des Rückenmarks: Bildgebung zur Darstellung struktureller Läsionen
- Somatosensorisch evozierte Potenziale (SEP): Elektrophysiologische Untersuchung der Hinterstrangfunktion
Quellen
- Trepel, M. - Neuroanatomie: Struktur und Funktion. 7. Auflage. Urban und Fischer Verlag, 2021.
- Kandel, E. R., Schwartz, J. H., Jessell, T. M. et al. - Principles of Neural Science. 5. Auflage. McGraw-Hill, 2013.
- Deutsches Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) / AMBOSS - Klinische Neurologie: Hinterstrangbahnen und sensible Leitungsbahnen. AMBOSS GmbH, 2023.
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