Laktatazidosemarker – Diagnose und Bedeutung
Laktatazidosemarker sind diagnostische Parameter im Blut, die eine gefährliche Übersäuerung des Körpers durch erhöhte Laktatwerte anzeigen. Sie sind entscheidend für die Früherkennung und Überwachung kritischer Erkrankungen.
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Laktatazidosemarker sind diagnostische Parameter im Blut, die eine gefährliche Übersäuerung des Körpers durch erhöhte Laktatwerte anzeigen. Sie sind entscheidend für die Früherkennung und Überwachung kritischer Erkrankungen.
Was sind Laktatazidosemarker?
Laktatazidosemarker sind laborchemische und klinische Parameter, die zur Erkennung, Diagnose und Verlaufskontrolle einer Laktatazidose eingesetzt werden. Unter einer Laktatazidose versteht man eine schwerwiegende Stoffwechselentgleisung, bei der es zu einem Abfall des Blut-pH-Wertes unter 7,35 sowie zu einer übermäßigen Anreicherung von Laktat (Milchsäure) im Blut kommt – in der Regel auf Werte über 5 mmol/l. Diese Entgleisung entsteht, wenn die Zellen des Körpers nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden und auf anaeroben (sauerstofffreien) Stoffwechsel umschalten.
Wichtige Laktatazidosemarker im Überblick
Blutlaktat
Der wichtigste und direkteste Marker ist der Blut-Laktat-Spiegel. Normalwerte liegen bei 0,5–2,0 mmol/l. Werte zwischen 2,0 und 5,0 mmol/l gelten als Hyperlaktatämie (erhöhtes Laktat ohne ausgeprägte Azidose), Werte über 5,0 mmol/l in Verbindung mit einem niedrigen pH-Wert weisen auf eine manifeste Laktatazidose hin. Die Messung erfolgt aus arteriellem oder venösem Vollblut.
Blut-pH-Wert
Der pH-Wert des Blutes ist ein zentraler Parameter zur Beurteilung des Säure-Basen-Gleichgewichts. Ein pH unter 7,35 zeigt eine Azidose (Übersäuerung) an. Bei der Laktatazidose ist dieser Wert häufig deutlich erniedrigt und spiegelt den Ernst der Stoffwechselentgleisung wider.
Basenüberschuss (Base Excess)
Der Basenüberschuss (BE) gibt an, wie viel Pufferbase im Vergleich zum Normalzustand fehlt oder vorhanden ist. Bei der Laktatazidose ist der BE stark negativ (unter –2 mmol/l), was die Erschöpfung der Puffersysteme des Körpers widerspiegelt.
Bikarbonat (HCO₃⁻)
Das Bikarbonat ist der wichtigste Puffer des Blutes. Bei einer metabolischen Azidose wie der Laktatazidose ist der Bikarbonatspiegel erniedrigt (unter 22 mmol/l), da das Bikarbonat zur Neutralisation der überschüssigen Säure verbraucht wird.
Anionenlücke
Die Anionenlücke (anion gap) ist ein berechneter Wert, der Auskunft über nicht direkt messbare Anionen im Blut gibt. Bei der Laktatazidose ist die Anionenlücke erhöht (normal: 8–12 mmol/l), da Laktat als nicht gemessenes Anion zur Lücke beiträgt. Sie hilft dabei, verschiedene Formen der metabolischen Azidose voneinander zu unterscheiden.
Laktat-Pyruvat-Verhältnis
Das Laktat-Pyruvat-Verhältnis gibt Aufschluss über die Ursache der Laktaterhöhung. Ein Verhältnis über 10 deutet auf einen gestörten Sauerstoffmetabolismus hin (z. B. bei Sauerstoffmangel oder mitochondrialen Erkrankungen), während ein normales Verhältnis bei erhöhtem Laktat andere Ursachen nahelegt.
Ursachen einer Laktatazidose
Man unterscheidet zwei Haupttypen:
- Typ A (hypoxisch): Entsteht durch Sauerstoffmangel im Gewebe, z. B. bei Schock, Herzversagen, schwerem Blutverlust, Sepsis oder Atemversagen.
- Typ B (nicht hypoxisch): Entsteht ohne direkten Sauerstoffmangel, z. B. bei Leberversagen, bestimmten Medikamenten (z. B. Metformin, antiretrovirale Therapie), Diabetes mellitus, Tumorerkrankungen oder angeborenen Stoffwechselstörungen.
Diagnose
Die Diagnose einer Laktatazidose erfolgt durch eine arterielle oder venöse Blutgasanalyse (BGA) in Kombination mit einer Laktatmessung. Die BGA liefert gleichzeitig pH-Wert, Bikarbonat und Basenüberschuss. Ergänzend werden Leber- und Nierenwerte, Blutzucker sowie ggf. Medikamentenspiegel bestimmt, um die Ursache zu identifizieren.
Klinische Bedeutung und Behandlung
Laktatazidosemarker sind in der Intensivmedizin unverzichtbar. Erhöhte Laktatwerte sind ein Frühwarnzeichen für kritische Zustände und mit einer erhöhten Sterblichkeit assoziiert. Die Behandlung richtet sich nach der Grundursache:
- Sauerstoffzufuhr und Kreislaufstabilisierung bei hypoxischer Laktatazidose
- Absetzen auslösender Medikamente bei Typ-B-Laktatazidose
- Bikarbonatgabe in schweren Fällen (kontrovers diskutiert)
- Nierenersatztherapie (Dialyse) bei schwerem Nierenversagen oder therapierefraktärer Azidose
Regelmäßige Verlaufskontrollen der Laktatazidosemarker ermöglichen es dem medizinischen Team, den Therapieerfolg zu beurteilen und die Behandlung anzupassen.
Quellen
- Kruse O, Grunnet N, Barfod C. Blood lactate as a predictor for in-hospital mortality in patients admitted acutely to hospital: a systematic review. Scandinavian Journal of Trauma, Resuscitation and Emergency Medicine. 2011;19:74.
- Andersen LW et al. Etiology and therapeutic approach to elevated lactate levels. Mayo Clinic Proceedings. 2013;88(10):1127–1140.
- World Health Organization (WHO). Sepsis. Fact Sheet. 2020. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/sepsis
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