Leistenkanal – Anatomie und klinische Bedeutung
Der Leistenkanal ist ein kurzer Gewebekanal in der Leistenregion des Unterbauchs. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Leistenbrüchen.
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Der Leistenkanal ist ein kurzer Gewebekanal in der Leistenregion des Unterbauchs. Er spielt eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Leistenbrüchen.
Was ist der Leistenkanal?
Der Leistenkanal (lateinisch: Canalis inguinalis) ist ein etwa 4 bis 6 Zentimeter langer Kanal, der schräg durch die Bauchwand im Bereich der Leiste verläuft. Er verbindet den inneren Leistenring (tiefer Leistenring) mit dem äußeren Leistenring (oberflächlicher Leistenring) und liegt oberhalb des Leistenbandes. Der Leistenkanal ist ein wichtiger anatomischer Durchgang, durch den beim Mann der Samenstrang (Funiculus spermaticus) und bei der Frau das runde Mutterband (Ligamentum teres uteri) verlaufen.
Anatomischer Aufbau
Der Leistenkanal besitzt vier Wände, eine Öffnung am Anfang und eine am Ende:
- Vordere Wand: Aponeurose des äußeren schrägen Bauchmuskels (Musculus obliquus externus abdominis)
- Hintere Wand: Fascia transversalis sowie teilweise der Musculus transversus abdominis
- Obere Wand (Dach): Untere Fasern des inneren schrägen Bauchmuskels und des queren Bauchmuskels
- Untere Wand (Boden): Leistenband (Ligamentum inguinale)
Der tiefe Leistenring ist die innere Öffnung des Kanals, der oberflächliche Leistenring die äußere Öffnung, die durch die Aponeurose des äußeren schrägen Bauchmuskels gebildet wird.
Inhalt des Leistenkanals
Beim Mann
Beim Mann enthält der Leistenkanal den Samenstrang, welcher folgende Strukturen umfasst:
- Samenleiter (Ductus deferens)
- Arterien und Venen (z. B. Arteria und Vena testicularis)
- Lymphgefäße
- Nerven (z. B. Nervus ilioinguinalis, Ramus genitalis des Nervus genitofemoralis)
Bei der Frau
Bei der Frau verläuft durch den Leistenkanal das runde Mutterband (Ligamentum teres uteri), das die Gebärmutter in ihrer Position hält, sowie der Nervus ilioinguinalis und der Ramus genitalis des Nervus genitofemoralis.
Entwicklung und embryologische Bedeutung
Der Leistenkanal entsteht während der Embryonalentwicklung. Beim männlichen Fötus wandern die Hoden vom Bauchraum durch den Leistenkanal in den Hodensack (Descensus testis). Dieser Vorgang ist für die normale Entwicklung der Hoden essenziell, da die Spermienproduktion eine niedrigere Temperatur erfordert, als sie im Körperinneren herrscht. Bei der Frau verläuft das runde Mutterband ebenfalls durch den Leistenkanal und verankert die Gebärmutter im Becken.
Klinische Bedeutung: Leistenbruch
Der Leistenkanal ist klinisch vor allem wegen seiner Bedeutung bei der Entstehung von Leistenbrüchen (Leistenhernien) bekannt. Ein Leistenbruch entsteht, wenn Bauchinhalt (z. B. Darmschlingen oder Fettgewebe) durch eine Schwachstelle in der Bauchwand in den Leistenkanal oder darüber hinaus vordringt. Man unterscheidet:
- Indirekter Leistenbruch (laterale Hernie): Tritt durch den tiefen Leistenring in den Leistenkanal ein – der häufigste Typ, besonders bei Männern und Kindern.
- Direkter Leistenbruch (mediale Hernie): Dringt direkt durch die hintere Wand des Leistenkanals vor, meist bei älteren Männern infolge einer Schwäche der Bauchwandmuskulatur.
Symptome eines Leistenbruchs umfassen eine sichtbare oder tastbare Vorwölbung in der Leiste, Druckgefühl, Ziehen oder Schmerzen, die sich beim Husten, Pressen oder körperlicher Belastung verstärken. Ein eingeklemmter (inkarzerierter) Leistenbruch ist ein medizinischer Notfall und erfordert sofortige chirurgische Behandlung.
Diagnose
Die Diagnose eines Leistenbruchs oder anderer Erkrankungen des Leistenkanals erfolgt in erster Linie durch:
- Körperliche Untersuchung: Inspektion und Palpation der Leistenregion, ggf. Hustentest
- Ultraschall (Sonografie): Zur Darstellung von Hernien und zur Beurteilung des Leistenkanalinhalts
- MRT (Magnetresonanztomografie): Bei unklaren Befunden oder zur genauen Beurteilung der Anatomie
Behandlung
Die Behandlung von Erkrankungen des Leistenkanals richtet sich nach dem jeweiligen Krankheitsbild. Bei einem Leistenbruch ist die operative Versorgung die Standardtherapie:
- Offene Hernienreparatur: z. B. nach Shouldice oder Lichtenstein (mit Netz)
- Laparoskopische Verfahren: z. B. TAPP (transabdominale präperitoneale Plastik) oder TEP (total extraperitoneale Plastik)
Ziel jeder Operation ist es, den Bruchinhalt zurückzuverlagern und die Schwachstelle in der Bauchwand dauerhaft zu verschließen, meist unter Verwendung eines Kunststoffnetzes zur Verstärkung.
Quellen
- Schünke M, Schulte E, Schumacher U. Prometheus – LernAtlas der Anatomie: Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem. 5. Auflage. Stuttgart: Thieme Verlag; 2018.
- Simons MP et al. European Hernia Society guidelines on the treatment of inguinal hernia in adult patients. Hernia. 2009;13(4):343-403.
- Townsend CM et al. Sabiston Textbook of Surgery. 21. Auflage. Philadelphia: Elsevier; 2022.
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