Ligamentum sacroiliacum anterius – Anatomie und Funktion
Das Ligamentum sacroiliacum anterius ist ein wichtiges Band im vorderen Bereich des Iliosakralgelenks, das Kreuzbein und Darmbein miteinander verbindet und die Stabilität des Beckens sichert.
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Das Ligamentum sacroiliacum anterius ist ein wichtiges Band im vorderen Bereich des Iliosakralgelenks, das Kreuzbein und Darmbein miteinander verbindet und die Stabilität des Beckens sichert.
Definition und Anatomie
Das Ligamentum sacroiliacum anterius (auch: vorderes Sakroiliakalband) ist ein flaches, bandförmiges Bindegewebsgebilde, das auf der Vorderseite des Iliosakralgelenks (ISG) verläuft. Es verbindet die vordere Fläche des Kreuzbeins (Os sacrum) mit der entsprechenden Fläche des Darmbeins (Os ilium). Anatomisch zählt es zu den kapselverstärkenden Bändern des Iliosakralgelenks und ist Teil eines komplexen Bandapparats, zu dem auch das Ligamentum sacroiliacum posterius, das Ligamentum sacroiliacum interosseum sowie die Ligamenta iliolumbale und sacrospinale gehören.
Das Band besteht aus straffem, kollagenem Bindegewebe und ist im Vergleich zu den dorsalen Bändern des ISG relativ dünn und weniger kräftig ausgeprägt. Seine Fasern verlaufen schräg und quer zwischen den Gelenkpartnern, wodurch es Scherkräfte und Rotationsbewegungen im Becken begrenzt.
Funktion
Die primäre Aufgabe des Ligamentum sacroiliacum anterius ist die Stabilisierung des Iliosakralgelenks. Es verhindert eine übermäßige Bewegung zwischen Kreuzbein und Darmbein und trägt damit zur Stabilität des gesamten Beckengürtels bei. Gemeinsam mit den anderen Bändern des ISG sorgt es dafür, dass Kräfte aus der Wirbelsäule gleichmäßig auf beide Beine übertragen werden können.
- Begrenzung von Nutation und Gegennutation (Vor- und Rückwärtskippung des Kreuzbeins)
- Schutz vor übermäßigen Rotationsbewegungen im Becken
- Unterstützung der Gewichtsübertragung zwischen Wirbelsäule und unterem Extremitätengürtel
Klinische Bedeutung
Verletzungen und Überlastung
Das Ligamentum sacroiliacum anterius kann durch Traumata (z. B. Sturz auf das Gesäß, Verkehrsunfälle) oder durch chronische Überlastung verletzt werden. Typische Beschwerden sind Schmerzen im Bereich des Iliosakralgelenks, die in die Gesäßregion, den unteren Rücken oder die Oberschenkel ausstrahlen können. Solche Schmerzen werden häufig unter dem Begriff ISG-Syndrom oder Sakroiliitis zusammengefasst.
Entzündliche Erkrankungen
Bei entzündlich-rheumatischen Erkrankungen wie der Spondylitis ankylosans (Morbus Bechterew) kann das vordere Sakroiliakalband von Entzündungsprozessen betroffen sein. Im Verlauf dieser Erkrankung kann es zu einer knöchernen Überbrückung (Ankylose) des Gelenks kommen, was eine deutliche Bewegungseinschränkung zur Folge hat.
Schwangerschaft
Während der Schwangerschaft bewirken Hormone wie Relaxin eine erhöhte Bandlaxität, die auch das Ligamentum sacroiliacum anterius betrifft. Dies kann zu einer instabilen Beckensituation und zu Schmerzen im Bereich des ISG führen.
Diagnose
Die Diagnose von Beschwerden im Bereich des vorderen Sakroiliakalbandes erfolgt in der Regel durch eine Kombination aus:
- Klinischer Untersuchung: Palpation des ISG, spezifische Provokationstests (z. B. FABER-Test, Gaenslen-Test)
- Bildgebung: Röntgenaufnahmen des Beckens, MRT (Magnetresonanztomographie) zur Beurteilung von Bändern und Weichteilen, CT bei Frakturen
- Diagnostische Infiltration: Gezielte Injektion eines Lokalanästhetikums in das ISG zur Bestätigung der Schmerzquelle
Behandlung
Die Therapie richtet sich nach der Ursache der Beschwerden:
- Konservative Behandlung: Physiotherapie zur Stabilisierung der Beckenmuskulatur, Schonung, Kälteanwendungen bei akuten Entzündungen
- Medikamentöse Therapie: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung
- Infiltrationstherapie: Injektion von Kortikosteroiden oder anderen Wirkstoffen in das ISG
- Operative Behandlung: In seltenen Fällen, z. B. bei schwerer Instabilität, kann eine operative Stabilisierung (ISG-Fusion) notwendig sein
Quellen
- Schünke M, Schulte E, Schumacher U: Prometheus LernAtlas der Anatomie – Allgemeine Anatomie und Bewegungssystem. 5. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart 2018.
- Vleeming A et al.: European guidelines for the diagnosis and treatment of pelvic girdle pain. European Spine Journal, 2008; 17(6): 794–819.
- Simopoulos TT et al.: A systematic evaluation of prevalence and diagnostic accuracy of sacroiliac joint interventions. Pain Physician, 2012; 15(3): E305–E344.
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