Lipopolysaccharid (LPS) – Endotoxin & Immunreaktion
Lipopolysaccharid (LPS) ist ein Bestandteil der Zellwand gramnegativer Bakterien und löst im Körper starke Immunreaktionen aus. Es spielt eine zentrale Rolle bei Infektionen und Entzündungsprozessen.
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Lipopolysaccharid (LPS) ist ein Bestandteil der Zellwand gramnegativer Bakterien und löst im Körper starke Immunreaktionen aus. Es spielt eine zentrale Rolle bei Infektionen und Entzündungsprozessen.
Was ist Lipopolysaccharid?
Lipopolysaccharid (LPS), auch als Endotoxin bekannt, ist ein komplexes Molekül, das in der äußeren Membran gramnegativer Bakterien vorkommt. Es besteht aus einem Fettsäure-haltigen Teil (Lipid A), einem Kernpolysaccharid und einem variablen O-Antigen. LPS wird freigesetzt, wenn Bakterien absterben oder sich teilen, und wirkt als starker Aktivator des menschlichen Immunsystems.
Struktur von Lipopolysaccharid
LPS ist aus drei Hauptkomponenten aufgebaut:
- Lipid A: Der Fettsäure-haltige Anker in der Bakterienmembran. Er ist der biologisch aktive Teil, der die toxischen Eigenschaften des LPS vermittelt und die Immunreaktion des Körpers auslöst.
- Kernpolysaccharid: Eine Zuckerkettenstruktur, die Lipid A mit dem äußeren Teil verbindet. Sie ist bei verwandten Bakterienarten ähnlich aufgebaut.
- O-Antigen: Eine variable Polysaccharidkette, die je nach Bakterienart unterschiedlich ist und zur Identifizierung von Bakterienstämmen genutzt wird.
Wirkmechanismus und Immunreaktion
Wenn LPS in den menschlichen Körper gelangt, wird es vom Immunsystem als Gefahrensignal erkannt. Das Protein LPS-bindendes Protein (LBP) im Blut bindet LPS und präsentiert es dem CD14-Rezeptor auf Immunzellen. Anschließend aktiviert LPS den Toll-like-Rezeptor 4 (TLR4), was eine Kaskade von Entzündungsreaktionen auslöst:
- Freisetzung von pro-inflammatorischen Zytokinen wie TNF-alpha, Interleukin-1 (IL-1) und Interleukin-6 (IL-6)
- Aktivierung von Makrophagen und neutrophilen Granulozyten
- Erhöhung der Körpertemperatur (Fieber)
- Erweiterung der Blutgefäße und erhöhte Gefäßdurchlässigkeit
In geringen Mengen ist diese Immunantwort sinnvoll, um Infektionen zu bekämpfen. Bei einer massiven LPS-Freisetzung kann es jedoch zu einer überschießenden Immunreaktion kommen.
Klinische Bedeutung
Sepsis und septischer Schock
Eine der gefährlichsten Folgen einer massiven LPS-Freisetzung ist die Sepsis (Blutvergiftung) und im schlimmsten Fall der septische Schock. Dabei kommt es zu einem unkontrollierten, systemischen Entzündungssturm, der zu Organversagen und im schlimmsten Fall zum Tod führen kann. LPS gramnegativer Bakterien gilt als einer der Hauptauslöser dieser lebensbedrohlichen Zustände.
Chronische Entzündungen
Auch niedrige, chronische LPS-Spiegel im Blut – ein Zustand, der als metabolische Endotoxämie bezeichnet wird – werden mit chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht. Dazu zählen:
- Typ-2-Diabetes
- Adipositas (Übergewicht)
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- chronisch-entzündliche Darmerkrankungen
Darm-Mikrobiom und LPS
Der Darm ist eine bedeutende Quelle für LPS, da er zahlreiche gramnegative Bakterien beherbergt. Eine gestörte Darmbarriere (Leaky Gut) kann dazu führen, dass LPS in die Blutbahn gelangt und systemische Entzündungen fördert. Eine gesunde Ernährung und ein ausgewogenes Mikrobiom können helfen, die LPS-Durchlässigkeit des Darms zu reduzieren.
Diagnostische Bedeutung
Der Limulus-Amöbozyten-Lysat-Test (LAL-Test) ist das Standardverfahren zur Messung von LPS-Konzentrationen in pharmazeutischen Produkten, Wasser und Blutproben. Der Test nutzt eine Reaktion aus dem Blut des Pfeilschwanzkrebses, die hochempfindlich auf LPS reagiert. In der klinischen Praxis kann die LPS-Messung zur Diagnose von gramnegativen Infektionen und zur Einschätzung des Sepsisrisikos beitragen.
Therapeutische Ansätze
Die Neutralisierung oder Blockade von LPS ist ein wichtiges Forschungsfeld. Therapeutische Strategien umfassen:
- Antibiotika: Abtötung gramnegativer Bakterien, um die LPS-Freisetzung zu stoppen
- LPS-Neutralisatoren: Substanzen wie Polymyxin B, die LPS direkt binden und neutralisieren
- TLR4-Antagonisten: Wirkstoffe, die den LPS-Rezeptor blockieren und so die Entzündungsreaktion dämpfen
- Ernährungsinterventionen: Bestimmte Nahrungsbestandteile wie Ballaststoffe und Omega-3-Fettsäuren können die intestinale LPS-Translokation verringern
Quellen
- Rietschel, E. T. et al. - Bacterial endotoxin: molecular relationships of structure to activity and function. FASEB Journal, 1994.
- Cani, P. D. et al. - Metabolic endotoxemia initiates obesity and insulin resistance. Diabetes, 2007.
- World Health Organization (WHO) - Sepsis Fact Sheet. Verfügbar unter: https://www.who.int/news-room/fact-sheets/detail/sepsis
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