Lysogenie – Definition, Mechanismus und medizinische Bedeutung
Lysogenie ist ein Mechanismus, bei dem ein Virus sein Erbgut in das Genom einer Wirtszelle einbaut, ohne diese sofort zu zerstören.
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Lysogenie ist ein Mechanismus, bei dem ein Virus sein Erbgut in das Genom einer Wirtszelle einbaut, ohne diese sofort zu zerstören.
Was ist Lysogenie?
Lysogenie bezeichnet einen Infektionszyklus bestimmter Viren – insbesondere Bakteriophagen (Viren, die Bakterien befallen) – bei dem das virale Erbgut in das Chromosom der Wirtszelle integriert wird, anstatt diese sofort zu zerstören. Das eingebaute Virusgenom wird als Prophage bezeichnet. Die infizierte Wirtszelle, auch lysogene Zelle genannt, vermehrt sich normal und gibt den Prophagen bei jeder Zellteilung an die Tochterzellen weiter.
Grundprinzip und Mechanismus
Der lysogene Zyklus steht im Gegensatz zum lytischen Zyklus, bei dem ein Virus die Wirtszelle aktiv übernimmt, sich massenhaft vermehrt und die Zelle schließlich durch Lyse (Auflösung) zerstört. Bei der Lysogenie hingegen bleibt das virale Genom ruhend (latent) im Erbgut der Wirtszelle eingebettet.
Ablauf der Lysogenie
- Infektion: Ein Bakteriophage injiziert seine DNA in eine Bakterienzelle.
- Integration: Die virale DNA wird mithilfe viraler Enzyme (z. B. Integrase) in das bakterielle Chromosom eingebaut.
- Latenzphase: Der Prophage wird zusammen mit der bakteriellen DNA repliziert und an Tochterzellen weitergegeben, ohne dass neue Viruspartikel gebildet werden.
- Induktion: Unter bestimmten Stressbedingungen (z. B. UV-Strahlung, chemische Mutagene, DNA-Schäden) kann der Prophage aus dem Chromosom herausgelöst werden und in den lytischen Zyklus wechseln.
- Lytischer Ausbruch: Nach der Induktion werden neue Viruspartikel gebildet, die Wirtszelle wird zerstört und die Viren werden freigesetzt.
Bedeutung in der Medizin und Mikrobiologie
Lysogenie ist nicht nur ein akademisches Konzept, sondern hat erhebliche medizinische Relevanz:
- Virulenzübertragung: Viele Krankheitserreger erhalten ihre Pathogenität (Krankheitserreger-Eigenschaften) durch lysogene Phagen. Beispielsweise produziert Corynebacterium diphtheriae das Diphtherietoxin nur, wenn es von einem Prophagen infiziert ist. Ähnliches gilt für Vibrio cholerae (Choleratoxin) und bestimmte Stämme von Escherichia coli.
- Horizontaler Gentransfer: Lysogenie ermöglicht die Übertragung von Genen zwischen Bakterien, was zur Verbreitung von Antibiotikaresistenzgenen beitragen kann.
- Biotechnologie: Prinzipien der Lysogenie werden in der Gentechnik genutzt, etwa bei der Entwicklung viraler Vektoren für den Gentransfer.
Lysogenie beim Menschen – Retroviren
Ein analoges Prinzip findet sich bei Retroviren, die menschliche Zellen infizieren. Das bekannteste Beispiel ist HIV (Humanes Immundefizienz-Virus): Nach der Infektion integriert HIV seine RNA (umgeschrieben in DNA durch das Enzym Reverse Transkriptase) als Provirus in das menschliche Genom. Dieser Zustand entspricht funktionell der Lysogenie bei Bakteriophagen. Das Provirus kann latent bleiben und wird bei der Zellteilung weitergegeben – ein zentrales Problem bei der HIV-Therapie, da latent infizierte Zellen ein virales Reservoir bilden, das selbst durch moderne antiretrovirale Therapie nicht vollständig eliminiert werden kann.
Diagnose und Nachweis
Lysogene Infektionen sind oft schwer nachzuweisen, da keine aktive Virusreplikation stattfindet. Nachweismethoden umfassen:
- PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Nachweis von integrierter viraler DNA im Wirtsgenom.
- Genomsequenzierung: Vollständige Analyse des Wirtsgenoms auf eingebettete Prophagen.
- Induktionsexperimente: Gezielte Aktivierung des Prophagen unter Laborbedingungen, um Viruspartikel nachzuweisen.
Klinische Relevanz
Das Verständnis der Lysogenie ist fundamental für die Infektionsmedizin, da lysogene Phagen die Eigenschaften von Krankheitserregern maßgeblich beeinflussen können. Veränderungen im lysogenen Gleichgewicht – etwa durch Antibiotika, die als induzierende Stressoren wirken können – können die Virulenz bakterieller Infektionen verstärken. Dies hat direkte Auswirkungen auf die Behandlung bestimmter bakterieller Erkrankungen.
Quellen
- Flint S.J. et al. – Principles of Virology. 4. Auflage, ASM Press, 2015.
- Lwoff A. – Lysogeny. Bacteriological Reviews, 17(4):269–337, 1953. PubMed PMID: 13105613.
- World Health Organization (WHO) – Antimicrobial Resistance: Global Report on Surveillance, 2014. Verfügbar unter: https://www.who.int
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