Decarboxylase – Funktion, Bedeutung und Medizin
Decarboxylasen sind Enzyme, die Carboxylgruppen aus organischen Molekülen abspalten. Sie spielen eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und bei der Synthese von Neurotransmittern.
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Decarboxylasen sind Enzyme, die Carboxylgruppen aus organischen Molekülen abspalten. Sie spielen eine zentrale Rolle im Stoffwechsel und bei der Synthese von Neurotransmittern.
Was ist eine Decarboxylase?
Eine Decarboxylase ist ein Enzym, das die biochemische Reaktion der Decarboxylierung katalysiert. Bei dieser Reaktion wird eine Carboxylgruppe (-COOH) von einem organischen Molekül abgespalten, wobei Kohlenstoffdioxid (CO₂) freigesetzt wird. Decarboxylasen gehören zur Klasse der Lyasen und sind in nahezu allen Lebewesen – von Bakterien bis zum Menschen – vorhanden.
Biologische Bedeutung
Decarboxylasen erfüllen im menschlichen Körper vielfältige und lebenswichtige Aufgaben. Sie sind an zahlreichen Stoffwechselwegen beteiligt, darunter:
- Neurotransmitter-Synthese: Die aromatische L-Aminosäure-Decarboxylase (AADC) wandelt L-DOPA in Dopamin und L-5-Hydroxytryptophan (5-HTP) in Serotonin um.
- Energiestoffwechsel: Pyruvat-Decarboxylase katalysiert die Umwandlung von Pyruvat zu Acetaldehyd im Rahmen der Gärung; beim Menschen ist die Pyruvat-Dehydrogenase für die Umwandlung von Pyruvat zu Acetyl-CoA verantwortlich.
- Aminosäurestoffwechsel: Glutamat-Decarboxylase (GAD) wandelt Glutamat in den hemmenden Neurotransmitter GABA (Gamma-Aminobuttersäure) um.
- Histamin-Bildung: Histidin-Decarboxylase erzeugt aus der Aminosäure Histidin das Histamin, das bei Immunreaktionen und allergischen Prozessen eine Rolle spielt.
Wichtige Decarboxylasen im Überblick
Aromatische L-Aminosäure-Decarboxylase (AADC)
Dieses Enzym ist entscheidend für die Biosynthese der biogenen Amine Dopamin und Serotonin. Ein Mangel an AADC führt zu einer seltenen neurologischen Erkrankung, die sich in Bewegungsstörungen, autonomen Dysfunktionen und Entwicklungsverzögerungen äußert.
Glutamat-Decarboxylase (GAD)
Die Glutamat-Decarboxylase ist für die Produktion von GABA verantwortlich, dem wichtigsten hemmenden Neurotransmitter im zentralen Nervensystem. Autoantikörper gegen GAD werden bei Typ-1-Diabetes und bestimmten neurologischen Autoimmunerkrankungen (z. B. Stiff-Person-Syndrom) nachgewiesen.
Ornithin-Decarboxylase (ODC)
Die Ornithin-Decarboxylase ist das Schlüsselenzym der Polyaminsynthese. Polyamine wie Spermin und Spermidin sind wichtig für Zellwachstum und -teilung. ODC ist bei verschiedenen Krebserkrankungen überexprimiert und gilt daher als potenzielle Zielstruktur für Tumortherapien.
Pyruvat-Decarboxylase
Diese Decarboxylase kommt vor allem in Hefen und Pflanzen vor und katalysiert die alkoholische Gärung. Beim Menschen übernimmt der Multienzymkomplex der Pyruvat-Dehydrogenase eine analoge Funktion im Zitratzyklus.
Cofaktoren und Regulierung
Viele Decarboxylasen benötigen Cofaktoren für ihre Aktivität. Der häufigste Cofaktor ist Pyridoxalphosphat (PLP), die aktive Form von Vitamin B6. Ein Mangel an Vitamin B6 kann daher die Aktivität zahlreicher Decarboxylasen beeinträchtigen und zu Störungen im Neurotransmitter-Haushalt führen. Die Enzymaktivität wird zudem durch Substratkonzentration, Produkthemmung und hormonelle Signale reguliert.
Klinische Relevanz
Decarboxylasen sind in der Medizin aus mehreren Gründen von Bedeutung:
- Pharmakologische Zielstruktur: Hemmstoffe bestimmter Decarboxylasen werden therapeutisch eingesetzt. So hemmt Carbidopa die periphere AADC, um die Bioverfügbarkeit von L-DOPA bei der Parkinson-Behandlung zu erhöhen.
- Diagnostische Marker: Anti-GAD-Antikörper dienen als Biomarker für Typ-1-Diabetes und neurologische Autoimmunerkrankungen.
- Tumorbiologie: Die Überexpression der Ornithin-Decarboxylase ist mit erhöhtem Zellwachstum bei verschiedenen Tumorarten assoziiert.
- Angeborene Stoffwechselstörungen: Genetische Defekte in Decarboxylase-Genen können seltene, aber schwere Erkrankungen verursachen.
Quellen
- Stryer, L., Berg, J. M., Tymoczko, J. L. (2018). Biochemie. 8. Auflage. Springer Spektrum, Berlin.
- Brun, L. et al. (2010). AADC deficiency: from gene to clinic. Journal of Inherited Metabolic Disease, 33(6), 751-762. PubMed PMID: 20740320.
- World Health Organization (WHO) (2023). International Classification of Diseases, 11th Revision (ICD-11). Genf: WHO.
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