Digitalis – Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Digitalis bezeichnet Wirkstoffe aus der Fingerhutpflanze, die zur Behandlung von Herzinsuffizienz und bestimmten Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden.
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Digitalis bezeichnet Wirkstoffe aus der Fingerhutpflanze, die zur Behandlung von Herzinsuffizienz und bestimmten Herzrhythmusstörungen eingesetzt werden.
Was ist Digitalis?
Digitalis ist ein Sammelbegriff für herzwirksame Glykoside, die ursprünglich aus Pflanzen der Gattung Digitalis (Fingerhut) gewonnen werden. Die bekanntesten Vertreter sind Digoxin und Digitoxin. Diese Substanzen zählen zu den ältesten bekannten Herzmedikamenten und werden seit dem 18. Jahrhundert in der Medizin eingesetzt. Heute sind sie vor allem zur Behandlung von chronischer Herzinsuffizienz sowie von Herzrhythmusstörungen wie Vorhofflimmern anerkannt.
Wirkmechanismus
Digitalisglykoside wirken durch die Hemmung der Natrium-Kalium-ATPase, eines wichtigen Enzyms in den Herzmuskelzellen. Diese Hemmung führt zu einem Anstieg der intrazellulären Natriumkonzentration, was wiederum einen Anstieg des intrazellulären Kalziums bewirkt. Das Ergebnis ist eine stärkere und effizientere Kontraktion des Herzmuskels – dieser Effekt wird als positiv inotrop bezeichnet.
Gleichzeitig verlangsamt Digitalis die Erregungsleitung im Atrioventrikularknoten (AV-Knoten), was die Herzfrequenz senkt. Dieser Effekt wird als negativ chronotrop bzw. negativ dromotrop bezeichnet und ist besonders bei Vorhofflimmern therapeutisch wertvoll.
Anwendungsgebiete
- Chronische Herzinsuffizienz: Digitalis verbessert die Pumpfunktion des Herzens und kann Symptome wie Atemnot und Flüssigkeitseinlagerungen lindern.
- Vorhofflimmern: Durch die Verlangsamung der AV-Überleitung wird die Ventrikelfrequenz kontrolliert.
- Vorhofflattern: Ähnlicher Einsatz wie bei Vorhofflimmern zur Frequenzkontrolle.
Dosierung und Therapiehinweise
Digitalisglykoside haben eine enge therapeutische Breite, das heißt, der Unterschied zwischen einer wirksamen und einer toxischen Dosis ist gering. Die Dosierung muss daher individuell angepasst und sorgfältig überwacht werden. Regelmäßige Blutspiegelkontrollen (Serumdigoxinspiegel) sowie die Überprüfung des Kaliumspiegels sind essenziell, da ein Kaliummangel (Hypokaliämie) die Toxizität erheblich verstärkt.
Die übliche therapeutische Serumkonzentration von Digoxin liegt bei 0,5 bis 0,9 ng/ml bei Herzinsuffizienz. Bei älteren Patienten und Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion ist besondere Vorsicht geboten, da die Ausscheidung verlangsamt sein kann.
Nebenwirkungen
Nebenwirkungen treten häufig bei Überdosierung auf und werden als Digitalisintoxikation bezeichnet. Typische Zeichen sind:
- Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit
- Herzrhythmusstörungen (z. B. AV-Block, ventrikuläre Extrasystolen)
- Visuelle Störungen (Gelbsehen, Grünsehen, verschwommene Sicht)
- Verwirrtheit und Kopfschmerzen
- Schwäche und Müdigkeit
Im Falle einer schweren Vergiftung steht als Gegenmittel Digitalis-Antidot (Digoxin-Antikörper-Fragmente, DigiFab) zur Verfügung.
Wechselwirkungen
Digitalisglykoside können mit zahlreichen anderen Medikamenten interagieren:
- Diuretika: Können Kaliummangel verursachen und dadurch die Digitalistoxizität erhöhen.
- Amiodaron, Verapamil, Chinidin: Erhöhen den Digoxinspiegel im Blut.
- Antazida und Cholestyramin: Können die Resorption von Digitalis verringern.
- Johanniskraut: Kann den Digoxinspiegel senken und die Wirkung abschwächen.
Kontraindikationen
- AV-Block zweiten oder dritten Grades (ohne Herzschrittmacher)
- Hypertrophe obstruktive Kardiomyopathie
- Bekannte Überempfindlichkeit gegenüber Digitalisglykosiden
- Wolff-Parkinson-White-Syndrom
Quellen
- Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Fachinformation Digoxin. www.bfarm.de
- Ponikowski P et al. - 2016 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. European Heart Journal, 2016.
- Brunton LL, Knollmann BC (Hrsg.) - Goodman & Gilman's The Pharmacological Basis of Therapeutics, 13. Auflage, McGraw-Hill, 2017.
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