Chronaxie – Erregbarkeit von Nerven und Muskeln
Die Chronaxie ist ein elektrophysiologischer Messwert, der die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelgewebe beschreibt. Sie gibt die minimale Reizzeit an, die bei doppelter Reizschwellenstromstärke nötig ist.
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Die Chronaxie ist ein elektrophysiologischer Messwert, der die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelgewebe beschreibt. Sie gibt die minimale Reizzeit an, die bei doppelter Reizschwellenstromstärke nötig ist.
Was ist die Chronaxie?
Die Chronaxie ist ein wichtiger Kennwert der Elektrophysiologie und beschreibt die Erregbarkeit von Nerven- und Muskelgewebe. Konkret bezeichnet sie die minimale Zeitdauer eines elektrischen Reizes, die erforderlich ist, um eine Erregung auszulösen, wenn die Reizstromstärke dem doppelten Wert der sogenannten Rheobase entspricht. Die Rheobase ist dabei die kleinste Stromstärke, die bei unbegrenzt langer Reizzeit gerade noch eine Erregung auslösen kann. Chronaxie und Rheobase sind damit eng miteinander verbunden und bilden gemeinsam das klassische Stärke-Dauer-Konzept der Gewebeerregbarkeit.
Historischer Hintergrund
Der Begriff Chronaxie wurde Anfang des 20. Jahrhunderts vom französischen Physiologen Louis Lapicque geprägt. Er entwickelte gemeinsam mit der Rheobase ein theoretisches Modell, um die Reizbarkeit biologischer Gewebe quantitativ zu beschreiben. Dieses Modell bildete die Grundlage für spätere Entwicklungen in der klinischen Elektrophysiologie und Neurophysiologie.
Physiologischer Hintergrund
Damit ein Nerv oder ein Muskel auf einen elektrischen Reiz reagiert, muss das elektrische Signal eine bestimmte Mindeststärke (Amplitude) und eine ausreichende Mindestdauer (Impulsbreite) aufweisen. Diese Beziehung zwischen Stromstärke und Reizdauer wird als Stärke-Dauer-Kurve dargestellt. Die Chronaxie liegt auf dieser Kurve am Punkt der doppelten Rheobase und gibt Auskunft darüber, wie schnell das jeweilige Gewebe auf elektrische Impulse reagiert.
- Kurze Chronaxie: Das Gewebe ist schnell erregbar, typisch für motorische Nerven und schnell zuckende Muskelfasern (Typ-II-Fasern).
- Lange Chronaxie: Das Gewebe ist langsamer erregbar, typisch für denervierte Muskeln oder langsam zuckende Fasern (Typ-I-Fasern).
Typische Normwerte
Die Chronaxie variiert je nach Gewebeart:
- Motorische Nerven: ca. 0,05 bis 0,1 Millisekunden
- Gesunde Skelettmuskeln (innerviert): ca. 0,1 bis 1 Millisekunde
- Denervierte Muskeln: mehrere Millisekunden bis Sekunden
Eine deutlich verlängerte Chronaxie kann auf eine Schädigung der zugehörigen motorischen Nerven hinweisen und ist daher ein klinisch relevanter Befund.
Klinische Bedeutung und Anwendung
Die Messung der Chronaxie, auch als Chronaximetrie bezeichnet, wird in der Neurologie und Rehabilitationsmedizin eingesetzt, um den Zustand von Nerven und Muskeln zu beurteilen. Besonders relevant ist sie bei:
- Verdacht auf periphere Nervenschäden (z. B. nach Trauma oder Nervenkompression)
- Beurteilung des Ausmaßes und der Regeneration einer Denervierung
- Planung und Überwachung von Elektrostimulationstherapien (z. B. neuromuskuläre Elektrostimulation, NMES)
- Verlaufskontrolle bei neurologischen Erkrankungen
Bedeutung in der Elektrostimulation
In der therapeutischen Elektrostimulation ist die Kenntnis der Chronaxie essenziell, um elektrische Impulse optimal auf das Zielgewebe abzustimmen. Wird die Impulsbreite an die Chronaxie des zu stimulierenden Gewebes angepasst, kann eine selektive und energieeffiziente Stimulation erreicht werden. So lassen sich beispielsweise gesunde Nerven gezielt ansprechen, ohne umliegende denervierte Muskeln oder Schmerzfasern unbeabsichtigt mitzureizen.
Abgrenzung zur Rheobase
Chronaxie und Rheobase ergänzen sich gegenseitig:
- Die Rheobase beschreibt die minimale Stromstärke bei langer Reizdauer.
- Die Chronaxie beschreibt die minimale Reizdauer bei doppelter Rheobasisstromstärke.
Beide Werte zusammen ermöglichen eine vollständige Charakterisierung der elektrischen Erregbarkeit eines Gewebes.
Quellen
- Kandel ER, Schwartz JH, Jessell TM et al. - Principles of Neural Science, 5. Auflage, McGraw-Hill, 2013.
- Geddes LA, Bourland JD - The Strength-Duration Curve and Its Importance in Electrophysiology. IEEE Transactions on Biomedical Engineering, 1985.
- Reilly JP - Applied Bioelectricity: From Electrical Stimulation to Electropathology. Springer, 1998.
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