Colles-Fraktur: Ursachen, Symptome & Behandlung
Die Colles-Fraktur ist ein Knochenbruch am distalen Radius (unterem Speichenende) des Handgelenks, häufig nach einem Sturz auf die ausgestreckte Hand.
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Die Colles-Fraktur ist ein Knochenbruch am distalen Radius (unterem Speichenende) des Handgelenks, häufig nach einem Sturz auf die ausgestreckte Hand.
Was ist eine Colles-Fraktur?
Die Colles-Fraktur ist eine der häufigsten Knochenbrüche überhaupt und bezeichnet einen Bruch des distalen Radius, also des unteren Endes der Speiche (Radius) kurz oberhalb des Handgelenks. Typischerweise ist der gebrochene Knochenanteil nach dorsal (zur Handrücken-Seite hin) verschoben und aufgeworfen, was im seitlichen Röntgenbild die charakteristische sogenannte Bajonett-Stellung oder Gabelungsdeformität ergibt. Erstmals beschrieben wurde diese Verletzung im Jahr 1814 vom irischen Chirurgen Abraham Colles, nach dem sie benannt ist.
Ursachen und Risikofaktoren
Die häufigste Ursache einer Colles-Fraktur ist ein Sturz auf die ausgestreckte, dorsalflektierte Hand (FOOSH-Mechanismus: Fall on Outstretched Hand). Dabei wird die Aufprallenergie über die Handwurzelknochen auf den distalen Radius übertragen und führt zum Bruch.
- Osteoporose: Ältere Menschen, besonders Frauen nach der Menopause, haben ein deutlich erhöhtes Risiko, da die Knochendichte vermindert ist.
- Alter: Mit zunehmendem Alter steigt das Sturzrisiko und die Knochenbrüchigkeit.
- Hochenergetische Traumata: Bei jüngeren Patienten kann eine Colles-Fraktur auch durch Sportunfälle, Verkehrsunfälle oder Stürze aus großer Höhe entstehen.
- Kalziummangel und Vitamin-D-Mangel: Beide Faktoren begünstigen eine verminderte Knochendichte und erhöhen das Frakturrisiko.
Symptome
Nach einem Sturz treten typischerweise folgende Beschwerden auf:
- Starke Schmerzen im Bereich des Handgelenks und der Unterarmbasis
- Schwellung und Hämatom (Bluterguss) rund um das Handgelenk
- Sichtbare Fehlstellung des Handgelenks (Gabelungsdeformität, Штык-Stellung)
- Eingeschränkte Beweglichkeit des Handgelenks und der Hand
- Druckschmerz über dem distalen Radius
- Gelegentlich Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Fingern bei Begleitverletzungen des Nervus medianus
Diagnose
Die Diagnose einer Colles-Fraktur wird in der Regel durch folgende Maßnahmen gesichert:
Klinische Untersuchung
Der Arzt begutachtet das Handgelenk auf Schwellung, Fehlstellung und Druckschmerz und prüft die Durchblutung, Motorik und Sensibilität (DMS-Kontrolle) der Hand und Finger.
Bildgebung
- Röntgenaufnahme: Standard-Röntgenbilder in zwei Ebenen (anterior-posterior und seitlich) zeigen den Bruch, die Ausrichtung der Fragmente und den Grad der Verschiebung.
- Computertomographie (CT): Bei komplexen, mehrfragmentären Frakturen oder Gelenkbeteiligung wird eine CT durchgeführt, um die genaue Anatomie zu beurteilen.
Klassifikation
Colles-Frakturen können nach verschiedenen Systemen eingeteilt werden, häufig nach der AO-Klassifikation (Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen). Wichtige Kriterien sind:
- Ausmaß der dorsalen Kippung und radialen Verkürzung
- Beteiligung des Radiokarpalgelenks (intraartikulär vs. extraartikulär)
- Anzahl der Fragmente (einfach vs. mehrfragmentär)
- Begleitverletzungen (z.B. Ulnastyloid-Fraktur)
Behandlung
Konservative Therapie
Nicht oder gering verschobene Frakturen sowie stabile Brüche können konservativ behandelt werden:
- Reposition: Verschobene Fragmente werden unter Anästhesie manuell zurückgestellt.
- Gipsruhigstellung: Das Handgelenk wird für 4 bis 6 Wochen in einem Unterarmgips oder einer Kunststoffschiene immobilisiert.
- Röntgenkontrolle: Engmaschige Kontrollaufnahmen stellen sicher, dass keine erneute Verschiebung auftritt.
Operative Therapie
Instabile, stark verschobene oder intraartikuläre Frakturen sowie Frakturen, die sich nicht konservativ halten lassen, werden operativ versorgt:
- Plattenosteosynthese (ORIF): Offene Reposition und interne Fixierung mit einer volaren winkelstabilen Platte ist heute der Goldstandard bei der operativen Versorgung.
- Kirschner-Draht-Fixation: Bei einfachen Frakturen können perkutan eingebrachte Drähte die Fragmente stabilisieren.
- Fixateur externe: Bei stark trümmerhaften Frakturen oder Weichteilschäden kann ein äußerer Fixateur eingesetzt werden.
Nachbehandlung und Rehabilitation
Nach der Ruhigstellung oder operativen Versorgung ist eine gezielte Physiotherapie entscheidend für die vollständige Wiederherstellung der Handfunktion. Übungen zur Verbesserung von Beweglichkeit, Kraft und Koordination werden individuell angepasst. Die vollständige Erholung kann je nach Schweregrad der Fraktur und Alter des Patienten mehrere Monate dauern.
Mögliche Komplikationen
- Karpaltunnelsyndrom: Druck auf den Nervus medianus durch Schwellung oder Fehlstellung
- Morbus Sudeck (CRPS): Komplexes regionales Schmerzsyndrom als seltene Spätkomplikation
- Sehnenverletzungen: Besonders die Strecksehne des Daumens (EPL-Sehne) kann gereizt oder rupturieren
- Fehlheilung: Bei unzureichender Reposition oder frühzeitigem Verlust der Stellung
- Arthrose: Bei intraartikulären Frakturen kann sich langfristig eine Handgelenksarthrose entwickeln
Quellen
- Müller M.E. et al. - AO-Klassifikation der Frakturen. Springer Verlag, Berlin/Heidelberg, 3. Auflage (2021).
- Lill H., Gebauer M. - Distale Radiusfraktur: Diagnostik und Therapie. Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Leitlinien (2022).
- Court-Brown C.M., Caesar B. - Epidemiology of adult fractures: A review. Injury, 37(8):691-697 (2006). PubMed PMID: 16814787.
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