Gallensäureverlust-Syndrom – Ursachen und Therapie
Das Gallensäureverlust-Syndrom ist eine Stoffwechselstörung, bei der zu viele Gallensäuren in den Dickdarm gelangen und dort Durchfall verursachen. Es entsteht häufig nach Darmoperationen oder bei chronischen Darmerkrankungen.
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Das Gallensäureverlust-Syndrom ist eine Stoffwechselstörung, bei der zu viele Gallensäuren in den Dickdarm gelangen und dort Durchfall verursachen. Es entsteht häufig nach Darmoperationen oder bei chronischen Darmerkrankungen.
Was ist das Gallensäureverlust-Syndrom?
Das Gallensäureverlust-Syndrom (auch bekannt als Gallensäure-Malabsorption) ist eine Erkrankung des Verdauungstrakts, bei der Gallensäuren im Dünndarm nicht ausreichend rückresorbiert werden. Normalerweise werden Gallensäuren im letzten Abschnitt des Dünndarms (dem terminalen Ileum) fast vollständig wieder aufgenommen und zur Leber zurücktransportiert (enterohepatischer Kreislauf). Funktioniert dieser Mechanismus nicht, gelangen überschüssige Gallensäuren in den Dickdarm, wo sie die Schleimhaut reizen und chronischen Durchfall verursachen.
Ursachen
Das Gallensäureverlust-Syndrom kann verschiedene Ursachen haben, die in drei Typen eingeteilt werden:
- Typ 1 (sekundäre Gallensäure-Malabsorption): Entsteht durch organische Schäden am terminalen Ileum, z. B. durch Morbus Crohn, chirurgische Entfernung des Ileums (Ileum-Resektion) oder Strahlenenteritis.
- Typ 2 (idiopathische Gallensäure-Malabsorption): Keine erkennbare organische Ursache; möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit einem erhöhten FGF-19-Mangel, einem Hormon, das die Gallensäureproduktion reguliert.
- Typ 3 (assoziierte Gallensäure-Malabsorption): Tritt im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen auf, wie z. B. chronischer Pankreatitis, Zöliakie, Cholezystektomie (Gallenblasenentfernung) oder Diabetes mellitus.
Symptome
Die Beschwerden beim Gallensäureverlust-Syndrom sind oft unspezifisch und werden häufig mit dem Reizdarmsyndrom verwechselt. Typische Symptome sind:
- Chronischer, wässriger Durchfall (häufig nach den Mahlzeiten)
- Bauchkrämpfe und Blähungen
- Dringlicher Stuhldrang
- Fettstühle (Steatorrhoe), insbesondere bei schwerem Verlauf
- Gewichtsverlust bei lang anhaltender Malabsorption
- Mangel an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) in chronischen Fällen
Diagnose
Die Diagnose des Gallensäureverlust-Syndroms ist oft eine Herausforderung, da kein einfacher Standardtest verfügbar ist. Folgende Untersuchungen kommen zum Einsatz:
- SeHCAT-Test (Selen-75-homocholsäure-Taurin-Test): Gilt als Goldstandard; misst die Rückhalterate von radioaktiv markierten Gallensäuren im Körper über 7 Tage. Werte unter 15 % deuten auf eine Gallensäure-Malabsorption hin.
- Serum-FGF-19-Messung: Niedrige FGF-19-Spiegel können auf eine gestörte Gallensäurerückresorption hinweisen.
- C4-Messung (7-alpha-Hydroxy-4-cholesten-3-on): Erhöhte Werte im Blut deuten auf eine gesteigerte Gallensäuresynthese und damit auf eine Malabsorption hin.
- Stuhltests und Ausschlussdiagnostik anderer Ursachen (z. B. Koloskopie, Blutuntersuchungen)
Behandlung
Die Therapie des Gallensäureverlust-Syndroms richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Schweregrad der Erkrankung.
Medikamentöse Therapie
Gallensäurebinder (Anionenaustauscher) sind das Mittel der Wahl. Sie binden überschüssige Gallensäuren im Darm und verhindern deren reizende Wirkung auf die Dickdarmschleimhaut. Zu den gängigen Wirkstoffen gehören:
- Colestyramin (älteres Mittel, oft schlechter verträglich)
- Colesevelam (moderneres Präparat, besser verträglich)
Ernährungsanpassung
Eine fettarme Ernährung kann die Symptome lindern, da Fett die Gallensäureausschüttung stimuliert. Mittelkettige Triglyzeride (MCT-Fette) werden als Fettquelle besser toleriert, da sie ohne Gallensäuren absorbiert werden können.
Substitution von Mikronährstoffen
Bei schwerer oder lang anhaltender Gallensäure-Malabsorption sollte auf einen möglichen Mangel an fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) sowie an Vitamin B12 geachtet und dieser gegebenenfalls ausgeglichen werden.
Behandlung der Grunderkrankung
Liegt eine behandelbare Grunderkrankung vor (z. B. Morbus Crohn, Zöliakie), ist deren optimale Therapie entscheidend für die Kontrolle des Gallensäureverlust-Syndroms.
Quellen
- Camilleri M. et al. - Bile Acid Diarrhea: Prevalence, Pathogenesis, and Therapy. Gut and Liver, 2015; 9(3):332-339.
- Walters J.R. - Bile acid diarrhoea and FGF19: new views on mechanism, diagnosis and treatment. Nature Reviews Gastroenterology and Hepatology, 2014; 11(7):426-434.
- Deutsche Gesellschaft fur Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) - Leitlinien zu chronischen Darmerkrankungen, 2023.
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