Gefäßneubildung – Angiogenese einfach erklärt
Gefäßneubildung bezeichnet das Wachstum neuer Blutgefäße im Körper. Dieser Prozess ist lebenswichtig, kann aber auch bei Krankheiten wie Krebs eine Rolle spielen.
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Gefäßneubildung bezeichnet das Wachstum neuer Blutgefäße im Körper. Dieser Prozess ist lebenswichtig, kann aber auch bei Krankheiten wie Krebs eine Rolle spielen.
Was ist Gefäßneubildung?
Gefäßneubildung ist der medizinische Begriff für die Entstehung neuer Blutgefäße aus bereits vorhandenen Gefäßen oder aus Vorläuferzellen. In der Fachsprache wird zwischen zwei Hauptformen unterschieden: der Angiogenese, bei der neue Gefäße aus bestehenden Kapillaren aussprossen, und der Vaskulogenese, bei der Blutgefäße erstmalig aus Vorläuferzellen (Angioblasten) gebildet werden. Beide Prozesse sind grundlegend für die menschliche Entwicklung, Wundheilung und viele Krankheitsprozesse.
Physiologische Bedeutung
Im gesunden Körper ist die Gefäßneubildung ein streng regulierter Vorgang. Sie spielt eine entscheidende Rolle in folgenden Situationen:
- Embryonalentwicklung: Bildung des gesamten Gefäßsystems vor der Geburt.
- Wundheilung: Versorgung von geschädigtem Gewebe mit Sauerstoff und Nährstoffen durch neue Kapillaren.
- Menstruationszyklus: Regelmäßiger Auf- und Abbau der Gebärmutterschleimhaut.
- Muskelaufbau: Anpassung der Gefäßversorgung an erhöhten Bedarf bei körperlicher Aktivität.
Ursachen und auslösende Faktoren
Die Gefäßneubildung wird durch ein komplexes Zusammenspiel von Wachstumsfaktoren und Signalmolekülen gesteuert. Zu den wichtigsten gehören:
- VEGF (Vascular Endothelial Growth Factor): Der bedeutendste Wachstumsfaktor für die Gefäßneubildung, der insbesondere bei Sauerstoffmangel (Hypoxie) ausgeschüttet wird.
- FGF (Fibroblast Growth Factor): Fördert das Wachstum und die Teilung von Endothelzellen.
- Angiopoietine: Regulieren die Stabilisierung und Reifung neu gebildeter Gefäße.
- Hypoxie: Sauerstoffmangel im Gewebe ist einer der stärksten Auslöser für Gefäßneubildung.
Pathologische Gefäßneubildung
Wenn die Regulation der Gefäßneubildung gestört ist, kann dieser Prozess zur Entstehung oder zum Fortschreiten von Krankheiten beitragen:
Tumorangiogenese
Krebsgeschwülste sind ab einer gewissen Größe auf eine eigene Blutversorgung angewiesen. Tumorzellen schütten große Mengen VEGF und andere Wachstumsfaktoren aus, um neue Gefäße in das Tumorgewebe einwachsen zu lassen. Diese Tumorangiogenese ermöglicht nicht nur das Wachstum des Primärtumors, sondern auch die Ausbreitung von Metastasen über den Blutweg.
Weitere Erkrankungen
- Diabetische Retinopathie: Unkontrollierte Gefäßneubildung in der Netzhaut des Auges bei Diabetes mellitus, die zur Erblindung führen kann.
- Altersbedingte Makuladegeneration (AMD): Einwachsen neuer, fragiler Gefäße unter die Netzhaut mit Sehverlust als Folge.
- Psoriasis und rheumatoide Arthritis: Entzündliche Erkrankungen, bei denen eine überschießende Gefäßneubildung zur Gewebeschädigung beiträgt.
- Herzerkrankungen: Nach einem Herzinfarkt kann eine unzureichende Gefäßneubildung die Regeneration des Herzmuskelgewebes behindern.
Diagnose
Die Beurteilung der Gefäßneubildung erfolgt mit verschiedenen Methoden:
- Bildgebende Verfahren: Dopplersonographie, MRT-Angiographie oder CT-Angiographie zur Darstellung von Gefäßstrukturen.
- Fluoreszenzangiographie: Speziell in der Augenheilkunde zur Darstellung krankhafter Gefäßneubildungen in der Netzhaut.
- Histologie: Gewebeproben (Biopsien) können mikroskopisch auf das Vorhandensein neuer Gefäße untersucht werden.
- Biomarker: Messung von VEGF-Spiegeln und anderen Angiogenese-Faktoren im Blut.
Behandlung
Je nach klinischem Kontext kann die Gefäßneubildung gezielt gefördert oder gehemmt werden:
Hemmung der Gefäßneubildung (Anti-Angiogenese)
In der Krebstherapie und bei Augenerkrankungen wird versucht, die krankhafte Gefäßneubildung zu unterbinden:
- Anti-VEGF-Therapie: Medikamente wie Bevacizumab (Avastin), Ranibizumab oder Aflibercept blockieren den VEGF-Signalweg und hemmen so das Gefäßwachstum. Sie werden bei verschiedenen Krebsarten sowie bei AMD und diabetischer Retinopathie eingesetzt.
- Tyrosinkinase-Inhibitoren: Wirkstoffe wie Sorafenib oder Sunitinib hemmen intrazelluläre Signalwege, die für die Gefäßneubildung notwendig sind.
- Photodynamische Therapie: Bei bestimmten Augenerkrankungen zur Zerstörung krankhafter Gefäße.
Förderung der Gefäßneubildung (Pro-Angiogenese)
In der regenerativen Medizin und Kardiologie wird an Methoden geforscht, um gezielt neue Gefäße zu fördern, zum Beispiel nach einem Herzinfarkt oder bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK). Ansätze umfassen die Gabe von Wachstumsfaktoren oder den Einsatz von Stammzellen.
Quellen
- Folkman, J. - Angiogenesis: an organizing principle for drug discovery? Nature Reviews Drug Discovery, 2007.
- Carmeliet, P. - Angiogenesis in life, disease and medicine. Nature, 2005.
- World Health Organization (WHO) - Cancer: Key facts and treatment guidelines. WHO, 2023.
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