Gyrasehemmer – Wirkung, Anwendung & Nebenwirkungen
Gyrasehemmer sind Antibiotika, die bakterielle Enzyme hemmen und so die Vermehrung von Bakterien stoppen. Sie werden bei verschiedenen Infektionskrankheiten eingesetzt.
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Gyrasehemmer sind Antibiotika, die bakterielle Enzyme hemmen und so die Vermehrung von Bakterien stoppen. Sie werden bei verschiedenen Infektionskrankheiten eingesetzt.
Was sind Gyrasehemmer?
Gyrasehemmer – auch bekannt als Fluorchinolone oder Chinolone – sind eine Klasse von Antibiotika, die gezielt in die DNA-Replikation von Bakterien eingreifen. Sie hemmen bakterielle Enzyme, die sogenannte DNA-Gyrase (Topoisomerase II) sowie die Topoisomerase IV, welche für die korrekte Auf- und Entspiralisierung der bakteriellen DNA notwendig sind. Ohne diese Enzyme kann sich die Bakterienzelle nicht mehr teilen und stirbt ab.
Wirkmechanismus
Bakterielle DNA liegt in einer stark verdrehten (superhelikalen) Form vor. Die DNA-Gyrase ist ein Enzym, das diese Verdrehungen kontrolliert und so die DNA-Replikation und Transkription ermöglicht. Gyrasehemmer binden an den Komplex aus Enzym und DNA und blockieren dessen Funktion. Dies führt zu Doppelstrangbrüchen in der bakteriellen DNA, was den Zelltod der Bakterien bewirkt. Gyrasehemmer wirken daher bakterizid, das heißt, sie töten Bakterien ab, anstatt nur ihr Wachstum zu hemmen.
Indikationen – Wann werden Gyrasehemmer eingesetzt?
Gyrasehemmer werden bei einer Vielzahl von bakteriellen Infektionen eingesetzt, darunter:
- Harnwegsinfektionen (z. B. durch Escherichia coli)
- Atemwegsinfektionen (z. B. ambulant erworbene Pneumonie)
- Hautinfektionen und Weichteilinfektionen
- Gastrointestinale Infektionen (z. B. Reisedurchfall, Salmonellosen)
- Knochen- und Gelenkinfektionen
- Sexuell übertragbare Infektionen (z. B. Gonorrhoe)
- Tuberkulose (bei Resistenzen, als Reserveantibiotika)
Wichtige Wirkstoffe
Zu den bekanntesten Wirkstoffen aus der Gruppe der Gyrasehemmer gehören:
- Ciprofloxacin – das am haufigsten verwendete Fluorchinolon
- Levofloxacin – besonders bei Atemwegsinfektionen eingesetzt
- Moxifloxacin – wirksam gegen Anaerobier und atypische Erreger
- Norfloxacin – vorwiegend bei Harnwegsinfektionen
- Ofloxacin – breites Wirkspektrum, auch bei Augeninfektionen
Dosierung
Die Dosierung von Gyrasehemmern variiert je nach Wirkstoff, Indikation und Schwere der Infektion. Sie sind als Tabletten, Infusionslösungen und in einigen Fallen als Augentropfen oder Ohrentropfen erhaltlich. Die genaue Dosierung und Behandlungsdauer sollte stets von einem Arzt oder einer Arztin festgelegt werden. Eine eigenstandige Unterbrechung oder Verlangsamung der Therapie sollte vermieden werden, um Resistenzbildungen zu verhindern.
Nebenwirkungen
Gyrasehemmer konnen eine Reihe von Nebenwirkungen verursachen. Zu den haufigen Nebenwirkungen gehoren:
- Magen-Darm-Beschwerden (Ubelkeit, Durchfall, Bauchschmerzen)
- Kopfschmerzen und Schwindel
- Schlafstorungen
Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen umfassen:
- Sehnenschaden – insbesondere Achillessehnenrisse (vor allem bei alteren Patienten und bei gleichzeitiger Kortikosteroid-Einnahme)
- Neuropsychiatrische Reaktionen – wie Angst, Verwirrtheit, Halluzinationen oder Depressionen
- QT-Zeit-Verlangerung – ein Herzrhythmusrisiko, das insbesondere bei Vorerkrankungen relevant ist
- Photosensitivitat – erhohte Lichtempfindlichkeit der Haut
- Periphere Neuropathie – Nervenschaden, die sich als Kribbeln oder Taubheit in den Extremitaten zeigen konnen
Aufgrund dieser moglichen schwerwiegenden Nebenwirkungen empfehlen europaische und internationale Gesundheitsbehorden, Gyrasehemmer nur dann einzusetzen, wenn keine geeigneten Alternativen zur Verfugung stehen.
Kontraindikationen und Wechselwirkungen
Gyrasehemmer sollten nicht eingesetzt werden bei:
- Kindern und Jugendlichen in der Wachstumsphase (Gefahr von Gelenkknorpelschaden)
- Schwangeren und stillenden Frauen
- Bekannter Uberempfindlichkeit gegenuber Chinolonen
- Patienten mit Epilepsie oder anderen Krampfleiden (erhohtes Anfallsrisiko)
Wichtige Wechselwirkungen bestehen mit:
- Antazida, Eisen- und Zinkpraparaten (reduzieren die Aufnahme von Gyrasehemmern)
- Blutverdunnern wie Warfarin (verstarkte Blutungsneigung)
- Anderen herzrhythmusbeeinflussenden Medikamenten
Resistenzentwicklung
Durch den breiten und teils unkritischen Einsatz von Gyrasehemmern hat die Antibiotikaresistenz gegenuber dieser Wirkstoffklasse in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen. Besonders problematisch sind resistente Stamme gramnegativer Bakterien wie Escherichia coli oder Klebsiella pneumoniae. Ein verantwortungsvoller Einsatz gemas arztlicher Verordnung ist daher essenziell.
Quellen
- European Medicines Agency (EMA): Fluoroquinolone- and quinolone-containing medicinal products. Restrictions on use. EMA/175739/2019.
- Robert Koch-Institut (RKI): Antibiotikaresistenz – Epidemiologie, Uberwachung und Pravention. Berlin, 2022.
- Mutschler, E. et al.: Mutschler Arzneimittelwirkungen – Pharmakologie, Klinische Pharmakologie, Toxikologie. 11. Auflage. Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft, Stuttgart, 2019.
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