Mevalonatweg – Funktion, Ablauf und Bedeutung
Der Mevalonatweg ist ein zentraler Stoffwechselweg in menschlichen Zellen, der die Biosynthese von Cholesterin, Steroidhormonen und weiteren lebenswichtigen Molekülen steuert.
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Der Mevalonatweg ist ein zentraler Stoffwechselweg in menschlichen Zellen, der die Biosynthese von Cholesterin, Steroidhormonen und weiteren lebenswichtigen Molekülen steuert.
Was ist der Mevalonatweg?
Der Mevalonatweg (auch Mevalonsäureweg oder HMG-CoA-Reduktase-Pathway genannt) ist ein grundlegender biochemischer Stoffwechselweg, der in nahezu allen tierischen Zellen, Pilzen und vielen Bakterien vorkommt. Er dient der Biosynthese von Isoprenoidverbindungen, zu denen unter anderem Cholesterin, Steroidhormone, Gallensäuren, fettlösliche Vitamine (wie Vitamin K und Vitamin D), Coenzym Q10 (Ubiquinon) sowie Dolichole gehören. Der Weg ist nach der Mevalonsäure benannt, einer Schlüsselverbindung, die im Verlauf des Stoffwechselweges gebildet wird.
Ablauf und Schritte des Mevalonatweges
Der Mevalonatweg besteht aus einer Reihe enzymatischer Reaktionen, die in mehreren Stufen ablaufen:
- Schritt 1 – Acetyl-CoA-Kondensation: Zwei Moleküle Acetyl-CoA werden durch das Enzym Thiolase zu Acetoacetyl-CoA kondensiert.
- Schritt 2 – HMG-CoA-Bildung: Acetoacetyl-CoA wird mit einem weiteren Acetyl-CoA-Molekül durch die HMG-CoA-Synthase zu 3-Hydroxy-3-Methylglutaryl-CoA (HMG-CoA) umgewandelt.
- Schritt 3 – Mevalonsäuresynthese (Geschwindigkeitsbestimmender Schritt): HMG-CoA wird durch die HMG-CoA-Reduktase (das wichtigste Zielenzym für Statine) unter Verbrauch von NADPH zu Mevalonsäure (Mevalonat) reduziert. Dies ist der regulatorisch wichtigste und geschwindigkeitsbestimmende Schritt des gesamten Weges.
- Schritt 4 – Phosphorylierung von Mevalonat: Mevalonat wird durch mehrere Kinasen schrittweise phosphoryliert, zunächst zu Mevalonat-5-phosphat, dann zu Mevalonat-5-pyrophosphat.
- Schritt 5 – Bildung von Isopentenylpyrophosphat (IPP): Durch Decarboxylierung entsteht Isopentenylpyrophosphat (IPP), die universelle Isoprenoid-Grundeinheit (C5-Einheit).
- Schritt 6 – Kondensation zu Farnesylpyrophosphat: IPP und sein Isomer Dimethylallylpyrophosphat (DMAPP) werden schrittweise zu Geranylpyrophosphat (C10) und dann zu Farnesylpyrophosphat (FPP, C15) kondensiert.
- Schritt 7 – Verzweigung zu Squalen und Cholesterin: Zwei Moleküle FPP werden zu Squalen (C30) verbunden, das schließlich zu Cholesterin und weiteren Steroiden umgewandelt wird. FPP dient gleichzeitig als Ausgangsstoff für Coenzym Q10, Dolichole und Prenylierungsreaktionen von Proteinen.
Biologische Bedeutung und Produkte
Der Mevalonatweg liefert eine Vielzahl biologisch unverzichtbarer Verbindungen:
- Cholesterin: Wesentlicher Bestandteil der Zellmembranen und Ausgangsmolekül für Steroidhormone (z. B. Cortisol, Aldosteron, Sexualhormone), Gallensäuren und Vitamin D.
- Coenzym Q10 (Ubiquinon): Wichtiges Molekül in der mitochondrialen Atmungskette und als Antioxidans.
- Dolichole: Beteiligt an der N-Glykosylierung von Proteinen im endoplasmatischen Retikulum.
- Isopentenyl-Adenosin: Modifizierte Base in bestimmten Transfer-RNAs.
- Prenylierung von Proteinen: Farnesylpyrophosphat und Geranylgeranylpyrophosphat dienen als Prenylgruppen für die posttranslationale Modifikation von Signalproteinen (z. B. Ras-Proteine), was deren Membranbindung und Funktion beeinflusst.
Regulation des Mevalonatweges
Der Mevalonatweg unterliegt einer strengen zellulären Regulation, um eine Überproduktion oder einen Mangel an Cholesterin und anderen Isoprenoiden zu verhindern:
- Transkriptionelle Regulation durch SREBP: Wenn die intrazelluläre Cholesterinkonzentration sinkt, werden Sterol-regulatorische Elemente bindende Proteine (SREBPs) aktiviert, die die Expression der HMG-CoA-Reduktase und anderer Enzyme des Weges hochregulieren.
- Feedback-Hemmung: Erhöhte Cholesterinspiegel hemmen die HMG-CoA-Reduktase direkt und führen zu deren verstärktem Abbau.
- Hormonelle Einflüsse: Insulin stimuliert den Weg, Glukagon und Steroide hemmen ihn.
Pharmakologische Relevanz: Statine und der Mevalonatweg
Der Mevalonatweg ist ein zentrales Angriffsziel moderner Medikamente, insbesondere der Statine (z. B. Simvastatin, Atorvastatin, Rosuvastatin). Statine hemmen kompetitiv die HMG-CoA-Reduktase und senken dadurch die Cholesterinbiosynthese in der Leber. Dies führt zu einer vermehrten Expression von LDL-Rezeptoren auf der Leberoberfläche, wodurch mehr LDL-Cholesterin aus dem Blut aufgenommen wird und der Gesamtcholesterinspiegel sinkt. Statine werden vor allem zur Behandlung und Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen (z. B. Arteriosklerose, Herzinfarkt, Schlaganfall) eingesetzt.
Ein bekannter Nebeneffekt der Statine ist die Hemmung der Coenzym-Q10-Synthese, da auch Coenzym Q10 ein Produkt des Mevalonatweges ist. Dies kann in seltenen Fällen zur Statin-assoziierten Myopathie (Muskelschwäche, Muskelschmerzen) beitragen.
Mevalonatweg und Erkrankungen
Störungen im Mevalonatweg können verschiedene Erkrankungen verursachen:
- Mevalonatkinase-Mangel (MKD): Ein seltener autosomal-rezessiver Defekt der Mevalonatkinase führt zur Anreicherung von Mevalonsäure und zu periodischen Fiebersyndromen sowie Entwicklungsstörungen (Mevalonazidurie).
- Hyperlipoproteinämien: Dysregulationen des Mevalonatweges tragen zu erhöhten Blutfettwerten bei.
- Krebsforschung: Überaktivierungen des Mevalonatweges werden mit dem Wachstum bestimmter Tumoren in Verbindung gebracht, da Krebszellen einen erhöhten Bedarf an Isoprenoiden für Zellwachstum und Membranaufbau haben.
Quellen
- Goldstein JL, Brown MS. Regulation of the mevalonate pathway. Nature. 1990;343(6257):425-430. doi:10.1038/343425a0
- Istvan ES, Deisenhofer J. Structural mechanism for statin inhibition of HMG-CoA reductase. Science. 2001;292(5519):1160-1164. doi:10.1126/science.1059344
- Hoffmann GF, Charpentier C, Mayatepek E, et al. Clinical and biochemical phenotype in 11 patients with mevalonic aciduria. Pediatrics. 1993;91(5):915-921.
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