Gallensäuretransportprotein – Funktion und Bedeutung
Gallensäuretransportproteine sind spezialisierte Membranproteine, die den Transport von Gallensäuren in Leber, Darm und Niere regulieren und eine zentrale Rolle im enterohepatischen Kreislauf spielen.
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Gallensäuretransportproteine sind spezialisierte Membranproteine, die den Transport von Gallensäuren in Leber, Darm und Niere regulieren und eine zentrale Rolle im enterohepatischen Kreislauf spielen.
Was ist ein Gallensäuretransportprotein?
Gallensäuretransportproteine sind spezialisierte Membranproteine, die den aktiven Transport von Gallensäuren durch Zellmembranen ermöglichen. Sie kommen vor allem in der Leber, im Dünndarm und in der Niere vor und sind unverzichtbar für den sogenannten enterohepatischen Kreislauf – den Kreislauf, bei dem Gallensäuren nach ihrer Ausschüttung in den Darm wieder in die Leber zurückgeführt werden.
Gallensäuren sind Abbauprodukte des Cholesterins und werden in der Leber gebildet. Sie gelangen über die Gallenwege in den Dünndarm, wo sie die Fettverdauung unterstützen. Nach ihrer Funktion im Darm werden sie mithilfe von Transportproteinen resorbiert und über das Blut zurück in die Leber transportiert. Dieser Kreislauf ist hocheffizient: Mehr als 95 % der ausgeschütteten Gallensäuren werden rückgewonnen.
Wichtige Gallensäuretransportproteine
Es gibt verschiedene Klassen von Gallensäuretransportproteinen, die jeweils unterschiedliche Aufgaben übernehmen:
- NTCP (Natriumtaurocholat-cotransportierendes Polypeptid, SLC10A1): Dieses Transportprotein befindet sich an der basolateralen Membran der Leberzellen (Hepatozyten) und ist für die Aufnahme konjugierter Gallensäuren aus dem Blut in die Leberzelle verantwortlich. NTCP ist auch als Eintrittsrezeptor für das Hepatitis-B- und Hepatitis-D-Virus bekannt.
- ASBT (Apikaler Natrium-abhängiger Gallensäuretransporter, SLC10A2): ASBT befindet sich im terminalen Ileum (unterster Abschnitt des Dünndarms) und ist für die Rückresorption von Gallensäuren aus dem Darm zuständig. Er transportiert Gallensäuren aktiv aus dem Darmlumen in die Epithelzellen.
- BSEP (Bile Salt Export Pump, ABCB11): Dieses Protein pumpt Gallensäuren aus den Leberzellen in die Gallenkanälchen (Canaliculi). Es gehört zur Familie der ABC-Transporter und ist essenziell für die Gallensekretion.
- MRP2 (Multidrug Resistance Protein 2, ABCC2): MRP2 transportiert konjugierte Gallensäuren und andere organische Anionen aus der Leberzelle in die Galle.
- OSTα/OSTβ (Organisches Anionen-transportierendes Heterodimer): Dieses Transporterpaar vermittelt den Export von Gallensäuren aus den Darmepithelzellen ins Blut, von wo aus sie über die Pfortader zur Leber gelangen.
Funktion im enterohepatischen Kreislauf
Der enterohepatische Kreislauf beschreibt den wiederholten Umlauf von Gallensäuren zwischen Leber und Darm. Gallensäuretransportproteine sind in jedem Schritt dieses Kreislaufs beteiligt:
- Aufnahme der Gallensäuren aus dem Blut in die Leberzelle (NTCP)
- Ausschüttung der Gallensäuren in die Gallenkanälchen (BSEP, MRP2)
- Transport durch die Gallenwege in den Dünndarm
- Rückresorption im terminalen Ileum (ASBT)
- Export aus den Darmepithelzellen zurück ins Blut (OSTα/OSTβ)
Klinische Bedeutung
Störungen in der Funktion oder Expression von Gallensäuretransportproteinen können zu ernsthaften Erkrankungen führen:
- Progressive familiäre intrahepatische Cholestase (PFIC): Genetische Defekte in Transportproteinen wie BSEP oder FIC1 führen zu einer Ansammlung von Gallensäuren in der Leber und verursachen schwere Leberschäden, vor allem im Kindesalter.
- Intrahepatische Schwangerschaftscholestase: Eine vorübergehende Funktionsstörung von Gallensäuretransportern während der Schwangerschaft kann zu einem gefährlichen Gallensäureanstieg im Blut führen.
- Medikamenteninduzierte Cholestase: Bestimmte Arzneimittel können Gallensäuretransporter hemmen und so einen Gallestau (Cholestase) auslösen.
- Primäre biliäre Cholangitis (PBC): Eine Autoimmunerkrankung der Gallenwege, bei der unter anderem die Expression von Transportproteinen verändert ist.
- Gallensäureverlustsyndrom: Ein Defekt des ASBT-Transporters im Ileum führt dazu, dass Gallensäuren nicht ausreichend rückresorbiert werden und in den Dickdarm gelangen, wo sie Durchfall verursachen können.
Therapeutische Relevanz
Gallensäuretransportproteine sind wichtige Angriffspunkte für Medikamente. ASBT-Inhibitoren wie Odevixibat oder Maralixibat werden zur Behandlung von Erkrankungen wie der progressiven familiären intrahepatischen Cholestase eingesetzt. NTCP wird als Zielstruktur für antivirale Therapien gegen Hepatitis B und D erforscht. Auch bei der Behandlung von Hypercholesterinämie (erhöhte Blutfettwerte) spielen Gallensäuretransporter eine Rolle, da Gallensäuresequestrantien den enterohepatischen Kreislauf unterbrechen und so die Cholesterinausscheidung fördern.
Quellen
- Kullak-Ublick GA, Stieger B, Meier PJ. Enterohepatic bile salt transporters in normal physiology and liver disease. Gastroenterology. 2004;126(1):322-342.
- Dawson PA, Lan T, Rao A. Bile acid transporters. Journal of Lipid Research. 2009;50(12):2340-2357.
- European Association for the Study of the Liver (EASL). EASL Clinical Practice Guidelines: Cholestatic liver diseases. Journal of Hepatology. 2009;51(2):237-267.
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