Glukoneogenese – Definition & klinische Bedeutung
Die Glukoneogenese ist ein Stoffwechselweg, bei dem der Körper Glukose aus Nicht-Kohlenhydrat-Vorstufen wie Aminosäuren oder Laktat neu synthetisiert.
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Die Glukoneogenese ist ein Stoffwechselweg, bei dem der Körper Glukose aus Nicht-Kohlenhydrat-Vorstufen wie Aminosäuren oder Laktat neu synthetisiert.
Was ist die Glukoneogenese?
Die Glukoneogenese (auch: Gluconeogenese) bezeichnet einen zentralen Stoffwechselprozess, bei dem der menschliche Körper Glukose (Traubenzucker) aus Nicht-Kohlenhydrat-Vorstufen neu herstellt. Der Begriff leitet sich aus dem Griechischen ab: glykys (süß), neos (neu) und genesis (Entstehung). Dieser Prozess ist lebenswichtig, um die Glukoseversorgung des Gehirns, der roten Blutkörperchen und anderer glukoseabhängiger Gewebe auch dann sicherzustellen, wenn die Nahrungszufuhr ausbleibt oder Kohlenhydrate fehlen.
Wo findet die Glukoneogenese statt?
Die Glukoneogenese läuft hauptsächlich in der Leber ab, die den größten Teil der neu synthetisierten Glukose produziert. In geringerem Ausmaß findet sie auch in der Nierenrinde statt, besonders während längerer Fastenperioden oder bei körperlichem Stress. Im Dünndarm wurde ebenfalls eine geringe glukoneogenetische Aktivität nachgewiesen.
Ausgangsstoffe der Glukoneogenese
Die wichtigsten Substrate (Ausgangsstoffe) für die Glukoneogenese sind:
- Laktat: entsteht beim anaeroben Stoffwechsel in Muskeln und roten Blutkörperchen und wird über den sogenannten Cori-Zyklus zur Leber transportiert.
- Aminosäuren: insbesondere Alanin und Glutamin, die aus dem Muskelproteinabbau stammen. Sie werden über den Glukose-Alanin-Zyklus zur Leber transportiert.
- Glycerin: wird beim Abbau von Fettgewebe (Lipolyse) freigesetzt und dient als glukoneogenetisches Substrat.
- Pyruvat: ein zentrales Zwischenprodukt des Energiestoffwechsels, das als Ausgangspunkt der Glukosesynthese dienen kann.
Ablauf und Mechanismus
Die Glukoneogenese ist im Wesentlichen die Umkehrung der Glykolyse (dem Glukoseabbau), jedoch sind drei Schlüsselschritte der Glykolyse thermodynamisch irreversibel und müssen durch spezifische Enzyme der Glukoneogenese umgangen werden:
- Pyruvat-Carboxylase: wandelt Pyruvat in Oxalacetat um (im Mitochondrium).
- Phosphoenolpyruvat-Carboxykinase (PEPCK): katalysiert die Umwandlung von Oxalacetat zu Phosphoenolpyruvat (PEP).
- Fruktose-1,6-bisphosphatase: spaltet Fruktose-1,6-bisphosphat zu Fruktose-6-phosphat.
- Glukose-6-phosphatase: wandelt Glukose-6-phosphat in freie Glukose um, die in den Blutkreislauf abgegeben wird (nur in Leber und Niere vorhanden).
Der gesamte Prozess ist energieaufwendig: Die Synthese eines Glukosemoleküls erfordert 4 ATP, 2 GTP und 2 NADH.
Regulation der Glukoneogenese
Die Glukoneogenese wird durch verschiedene Hormone und Stoffwechselsignale reguliert:
- Glucagon: stimuliert die Glukoneogenese bei niedrigem Blutzucker (Hypoglykämie), vor allem durch Aktivierung der PEPCK und Hemmung der Glykolyse.
- Adrenalin und Cortisol: fördern die Glukoneogenese in Stresssituationen, um die Energieversorgung sicherzustellen.
- Insulin: hemmt die Glukoneogenese, wenn der Blutzucker erhöht ist, unter anderem durch Aktivierung des Transkriptionsfaktors FOXO1.
- AMP-aktivierte Proteinkinase (AMPK): hemmt bei niedrigem Energiegehalt der Zelle die Glukoneogenese.
Klinische Bedeutung
Die Glukoneogenese hat eine erhebliche klinische Relevanz:
- Diabetes mellitus Typ 2: Bei dieser Erkrankung ist die Glukoneogenese in der Leber oft krankhaft gesteigert, was zu erhöhten Nüchternblutzuckerwerten beiträgt. Das Medikament Metformin wirkt unter anderem, indem es die hepatische Glukoneogenese hemmt.
- Fasten und Hungerstoffwechsel: Während des Fastens stellt die Glukoneogenese die primäre Quelle für Blutglukose dar, um vor allem das Gehirn zu versorgen.
- Intensivsport: Nach anstrengendem Training wird Laktat aus den Muskeln in der Leber zu Glukose umgewandelt (Cori-Zyklus), um die Energiespeicher wieder aufzufüllen.
- Glykogenspeicherkrankheiten: Erbliche Enzymdefekte, z. B. ein Mangel an Glukose-6-phosphatase (Morbus von Gierke), führen zu schweren Störungen der Glukoneogenese und des Blutzuckerspiegels.
Abgrenzung zur Glykogenolyse
Die Glukoneogenese ist von der Glykogenolyse zu unterscheiden: Während die Glykogenolyse die Freisetzung von Glukose aus gespeichertem Glykogen (tierische Stärke) beschreibt, synthetisiert die Glukoneogenese Glukose vollständig neu aus Nicht-Kohlenhydrat-Vorstufen. Beide Prozesse arbeiten koordiniert zusammen, um den Blutzucker stabil zu halten.
Quellen
- Berg JM, Tymoczko JL, Stryer L. Biochemie. 8. Auflage. Springer Spektrum, 2018. Kapitel: Glukoneogenese.
- Roden M. Hepatic glucose metabolism in humans - its role in health and disease. Best Pract Res Clin Endocrinol Metab. 2016;30(4):377-392. PubMed PMID: 27497192.
- World Health Organization (WHO). Global Report on Diabetes. Geneva: WHO Press, 2016.
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