Beinvenensystem: Aufbau, Funktion und Erkrankungen
Das Beinvenensystem transportiert sauerstoffarmes Blut aus den Beinen zurück zum Herzen. Es besteht aus oberflächlichen, tiefen und Verbindungsvenen.
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Das Beinvenensystem transportiert sauerstoffarmes Blut aus den Beinen zurück zum Herzen. Es besteht aus oberflächlichen, tiefen und Verbindungsvenen.
Was ist das Beinvenensystem?
Das Beinvenensystem ist das Netzwerk der Venen in den Beinen, das die Aufgabe hat, sauerstoffarmes Blut und Stoffwechselprodukte aus dem Gewebe der Beine zurück zum Herzen zu transportieren. Anders als das Arteriensystem, das Blut vom Herzen wegführt, arbeitet das Venensystem gegen die Schwerkraft – besonders beim aufrechten Stehen oder Gehen.
Das Beinvenensystem ist klinisch von großer Bedeutung, da es häufig von Erkrankungen wie Krampfadern (Varizen), tiefer Venenthrombose (TVT) und chronisch venöser Insuffizienz (CVI) betroffen ist.
Aufbau des Beinvenensystems
Das Beinvenensystem wird in drei funktionelle Abschnitte unterteilt:
1. Oberflächliches Venensystem (epifasziales System)
Das oberflächliche Venensystem liegt unmittelbar unter der Haut, oberhalb der Muskelfaszie. Es umfasst zwei Hauptstämme:
- Vena saphena magna (Große Rosenvene): Sie verläuft an der Innenseite des Beines vom Fußrücken bis zur Leiste, wo sie in die tiefe Vena femoralis mündet. Sie ist die längste Vene des menschlichen Körpers.
- Vena saphena parva (Kleine Rosenvene): Sie verläuft an der Rückseite des Unterschenkels und mündet in der Kniekehle in die tiefe Vena poplitea.
2. Tiefes Venensystem (subfasziales System)
Das tiefe Venensystem liegt unterhalb der Muskelfaszie und führt den Großteil des venösen Blutes (etwa 80–90 %) zurück zum Herzen. Wichtige Venen dieses Systems sind:
- Vena poplitea: Kniekehlenvene
- Vena femoralis: Oberschenkelvene
- Vena iliaca: Beckenvene
- Venae tibiales anteriores et posteriores: Unterschenkelvenen
3. Perforansvenen (Verbindungsvenen)
Perforansvenen sind kurze Verbindungsvenen, die das oberflächliche mit dem tiefen Venensystem verbinden. Sie durchbohren (lat. perforare) die Muskelfaszie und ermöglichen den Bluttransfer vom oberflächlichen in das tiefe System. Durch ihre Venenklappen wird sichergestellt, dass das Blut nur in eine Richtung fließt – von außen nach innen und von unten nach oben.
Venenklappen – das Rückschlagsystem
Ein wesentlicher Bestandteil des Beinvenensystems sind die Venenklappen (Valvulae venosae). Diese taschenförmigen Strukturen öffnen sich beim Blutfluss in Richtung Herz und schließen sich, sobald das Blut zurückzufließen droht. Damit verhindern sie den Rückfluss des Blutes durch die Schwerkraft.
Wenn Venenklappen funktionsuntüchtig werden oder versagen, kommt es zu einem venösen Reflux – dem krankhaften Rückstrom von Blut. Dies ist eine Hauptursache für die Entstehung von Krampfadern und chronisch venöser Insuffizienz.
Funktionsweise des venösen Rückstroms
Da das Blut in den Beinvenen gegen die Schwerkraft zum Herzen fließen muss, sind mehrere Mechanismen dafür verantwortlich:
- Muskelpumpe: Die Kontraktion der Wadenmuskulatur beim Gehen und Bewegen presst das Blut aus den Venen nach oben. Dieser Mechanismus wird auch als Wadenmuskelpumpe bezeichnet.
- Venöse Venenklappen: Verhindern das Zurückfließen des Blutes zwischen den Pumpschüben.
- Atemdruckschwankungen: Beim Einatmen entsteht ein Unterdruck im Brustraum, der das venöse Blut ansaugt.
- Restdruck des Herzens: Ein geringer Anteil des venösen Rückstroms wird durch den Restdruck des Herzens bewirkt.
Häufige Erkrankungen des Beinvenensystems
Krampfadern (Varizen)
Krampfadern sind dauerhaft erweiterte, geschlängelte oberflächliche Venen. Sie entstehen durch insuffiziente Venenklappen und betreffen vor allem die Vena saphena magna und ihre Äste. Symptome sind sichtbar hervortretende Venen, Schweregefühl, Schmerzen und Schwellungen.
Tiefe Venenthrombose (TVT)
Bei der tiefen Venenthrombose bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) im tiefen Venensystem, meist im Unterschenkel oder Oberschenkel. Sie kann lebensbedrohlich sein, wenn der Thrombus sich löst und eine Lungenembolie verursacht.
Chronisch venöse Insuffizienz (CVI)
Die chronisch venöse Insuffizienz beschreibt eine langanhaltende Funktionsstörung des venösen Rückstroms. Sie führt zu Stauungserscheinungen wie Ödemen, Hautveränderungen und im fortgeschrittenen Stadium zu Unterschenkelgeschwüren (Ulcus cruris venosum).
Besenreiser
Besenreiser (Teleangiektasien) sind feine, netzartig sichtbare Äderchen direkt unter der Haut. Sie sind in der Regel harmlos, können aber ein kosmetisches Problem darstellen und auf eine tiefere venöse Erkrankung hinweisen.
Diagnose von Beinvenenerkrankungen
Die wichtigste diagnostische Methode zur Beurteilung des Beinvenensystems ist die Duplexsonographie (farbkodierte Ultraschalluntersuchung). Sie ermöglicht die Darstellung von Blutfluss, Venenklappenfunktion und Thrombosen ohne Strahlenbelastung. In speziellen Fällen können auch eine Phlebographie (Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel) oder eine MR-Angiographie eingesetzt werden.
Behandlung und Vorbeugung
Die Behandlung von Beinvenenerkrankungen richtet sich nach der Art und dem Schweregrad der Erkrankung:
- Kompressionstherapie: Kompressionsstrümpfe oder -verbände unterstützen den venösen Rückfluss und lindern Symptome.
- Bewegung und Muskeltraining: Regelmäßige körperliche Aktivität, insbesondere Gehen, Schwimmen und Radfahren, aktiviert die Wadenmuskelpumpe.
- Sklerotherapie: Verödung von Krampfadern und Besenreisern durch Injektion eines Sklerosierungsmittels.
- Operative Verfahren: Entfernung (Stripping) oder thermische Ablation (Laser, Radiofrequenz) von erkrankten Venenabschnitten.
- Antikoagulation: Bei tiefer Venenthrombose werden blutverdünnende Medikamente (Antikoagulanzien) eingesetzt, um das Wachstum des Thrombus zu verhindern und einer Lungenembolie vorzubeugen.
Quellen
- Rabe, E. et al. - Leitlinie zur Diagnostik und Therapie der Varikose. Deutsche Gesellschaft für Phlebologie (2022). Verfügbar unter: https://www.awmf.org
- Hirsch, T. - Phlebologie und Lymphologie: Grundlagen und Klinik. Schattauer Verlag, Stuttgart (2018).
- Nicolaides, A. N. et al. - Investigation of Chronic Venous Insufficiency: A Consensus Statement. Circulation. 2000;102(20):E126-63. Verfügbar unter: https://www.ahajournals.org
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