Stapedektomie – Eingriff bei Otosklerose
Die Stapedektomie ist ein mikrochirurgischer Eingriff am Mittelohr, bei dem der verknöcherte Steigbügel entfernt und durch eine Prothese ersetzt wird, um Schwerhörigkeit zu behandeln.
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Die Stapedektomie ist ein mikrochirurgischer Eingriff am Mittelohr, bei dem der verknöcherte Steigbügel entfernt und durch eine Prothese ersetzt wird, um Schwerhörigkeit zu behandeln.
Was ist eine Stapedektomie?
Die Stapedektomie ist ein mikrochirurgischer Eingriff am Mittelohr, bei dem der Steigbügel (Stapes) – eines der drei winzigen Gehörknöchelchen im Mittelohr – vollständig oder teilweise entfernt und durch eine künstliche Prothese ersetzt wird. Der Eingriff wird in erster Linie bei der Erkrankung Otosklerose durchgeführt, bei der es zu einer krankhaften Verknöcherung des Steigbügels kommt, die zu einer fortschreitenden Schallleitungsschwerhörigkeit führt.
Der Begriff leitet sich vom lateinischen Wort stapes (Steigbügel) und dem griechischen ektomē (Herausschneiden) ab. Eine verwandte, modernere Variante ist die Stapedotomie, bei der statt der vollständigen Entfernung lediglich eine kleine Öffnung in die Steigbügelfußplatte gebohrt wird, um eine Prothese einzusetzen.
Ursachen und Indikationen
Der häufigste Grund für eine Stapedektomie ist die Otosklerose, eine Erkrankung, bei der sich im knöchernen Labyrinth des Innenohrs abnormales Knochengewebe bildet. Dies führt zur zunehmenden Fixierung des Steigbügels in dem ovalen Fenster, sodass Schallwellen nicht mehr ordnungsgemäß ans Innenohr weitergeleitet werden können.
- Otosklerose: häufigste Indikation; betrifft meist Erwachsene im mittleren Alter, öfter Frauen als Männer
- Kongenitale Fehlbildungen: angeborene Missbildungen des Steigbügels in seltenen Fällen
- Tympanosklerose: Verknöcherungen im Mittelohr infolge chronischer Mittelohrentzündungen
Die Indikation zur Operation wird individuell gestellt. Voraussetzung ist in der Regel ein ausreichendes Hörvermögen im Innenohr, da die Operation ausschließlich die Schallleitung verbessert, nicht aber eine bereits bestehende Innenohrschwerhörigkeit (sensorineurale Schwerhörigkeit) behebt.
Diagnose
Vor der Operation erfolgt eine gründliche diagnostische Abklärung durch einen HNO-Arzt (Hals-Nasen-Ohren-Arzt). Typische diagnostische Maßnahmen umfassen:
- Audiometrie (Tonschwellenaudiogramm): Messung des Hörvermögens bei verschiedenen Frequenzen und Lautstärken
- Tympanometrie: Beurteilung der Beweglichkeit des Trommelfells und der Gehörknöchelchenkette
- Stapediusreflexmessung: Überprüfung des Reflexbogens des Steigbügelmuskels
- CT des Felsenbeins: bildgebende Darstellung der knöchernen Strukturen des Mittel- und Innenohrs
Das charakteristische Befundmuster bei Otosklerose ist eine Schalleitungsschwerhörigkeit mit sogenanntem Carhart-Notch (einem typischen Einbruch im Knochenleitungsaudiogramm bei 2000 Hz) sowie ein fehlender Stapediusreflex.
Operationsverfahren
Die Stapedektomie wird in der Regel unter Vollnarkose oder in Lokalanästhesie durchgeführt und dauert etwa 60 bis 90 Minuten. Sie erfolgt üblicherweise ambulant oder mit kurzem stationären Aufenthalt.
Ablauf des Eingriffs
- Zugang zum Mittelohr erfolgt typischerweise über den Gehörgang (transmeatal) unter dem Operationsmikroskop
- Das Trommelfell wird vorsichtig zurückgeklappt, um Zugang zur Paukenhöhle zu erhalten
- Der Steigbügel wird von den umliegenden Strukturen gelöst und entfernt (vollständig oder die Fußplatte verbleibt bei der Stapedotomie)
- Eine Prothese (meist aus Titan oder Teflon) wird zwischen dem Amboss und dem ovalen Fenster eingesetzt
- Das Trommelfell wird wieder in seine ursprüngliche Position gebracht und gesichert
Stapedotomie als moderne Variante
Bei der heute häufiger angewandten Stapedotomie wird mit einem Laser oder einem feinen Bohrer eine kleine Öffnung (ca. 0,6–0,8 mm) in die Fußplatte des Steigbügels gebohrt. Eine Pistonprothese wird dann in diese Öffnung eingeführt und am Amboss befestigt. Diese Methode gilt als gewebeschonender und weist ein geringeres Risiko für Innenohrschäden auf.
Ergebnisse und Heilungschancen
Die Stapedektomie ist ein bewährtes Verfahren mit einer hohen Erfolgsrate. Bei geeigneten Patienten wird in mehr als 90 % der Fälle eine deutliche Hörverbesserung erzielt. Viele Patienten erreichen ein nahezu normales Hörvermögen.
- Hörverbesserung setzt meist innerhalb von Wochen nach dem Eingriff ein
- Dauerhafte Hörverbesserung in der Mehrzahl der Fälle
- Tinnitus (Ohrgeräusche) kann sich in manchen Fällen ebenfalls bessern
Risiken und Komplikationen
Wie bei jedem operativen Eingriff bestehen auch bei der Stapedektomie potenzielle Risiken, die mit dem Patienten vor der Operation besprochen werden:
- Innenohrschwerhörigkeit oder Taubheit: selten, aber schwerwiegendste Komplikation (ca. 1 %)
- Schwindel: meist vorübergehend in den ersten Tagen nach der Operation
- Geschmacksstörungen: durch mögliche Beeinträchtigung der Chorda tympani (Geschmacksnerv)
- Tinnitus: in seltenen Fällen neu auftretend oder verstärkt
- Prothesenverschiebung: kann eine Revisionsoperation notwendig machen
- Infektionen oder Trommelfellperforationen: sehr selten
Nachsorge und Rehabilitation
Nach der Operation sollten folgende Verhaltensregeln beachtet werden:
- Kein Naseschnauben in den ersten Wochen nach dem Eingriff
- Vermeidung von Flugreisen und Tauchen für mehrere Wochen
- Schutz des operierten Ohrs vor Wasser (kein Schwimmen, kein Baden)
- Regelmäßige HNO-Kontrolltermine zur Überprüfung des Hörvermögens
- Bei anhaltendem starken Schwindel oder plötzlicher Verschlechterung des Hörvermögens sofortige ärztliche Vorstellung
Quellen
- Strutz J., Mann W. (Hrsg.): Praxis der HNO-Heilkunde, Kopf- und Halschirurgie. 3. Auflage. Thieme Verlag, Stuttgart 2020.
- Merchant S. N., Rosowski J. J.: Conductive hearing loss caused by third-window lesions of the inner ear. Otology & Neurotology, 2008; 29(3): 282–289. PubMed PMID: 18285782.
- Chole R. A., McKenna M.: Pathophysiology of otosclerosis. Otology & Neurotology, 2001; 22(2): 249–257. PubMed PMID: 11300278.
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